Suche
Franziskus fordert Staaten zu mehr Einsatz für Frieden und Menschenrechte auf

Papst will aufrütteln

Dieser Inhalt ist nur erlaubt, wenn Sie Cookies vom Typ "readspeaker" zulassen.

Vatikanstadt - Er ist traditionell der Anlass, zu dem Päpste politische Grundsatzreden halten: der Neujahrsempfang für das beim Heiligen Stuhl akkreditierte diplomatische Corps. Am Montagvormittag empfing Franziskus die Vertreter von den derzeit 180 Ländern, mit denen der Heilige Stuhl diplomatische Beziehungen unterhält. In seiner Ansprache rief er die Staaten der Welt zu mehr Zusammenarbeit für Menschenrechte, Gerechtigkeit und Frieden auf.

Bevor der Papst in einem Rückblick auf 2013 die Konfliktherde und Herausforderungen der Weltpolitik benannte, ging er auf das Thema Familie ein: Die Fundamente für den Frieden lerne man in der Familie kennen. Aufgrund eines schwachen Zugehörigkeitsgefühls und schwieriger Lebensbedingungen nehme jedoch die Zahl der getrennten Familien zu, beklagte Franziskus. Er rief zu politischen Maßnahmen auf, die Familien förderten und festigten. Und er erinnerte zum wiederholten Male, dass ihm Jobperspektiven für die Jugend und die Einbeziehungen von Alten in das Gesellschaftsleben wichtig sei.

Manches in Nahost stimmt Papst zuversichtlich

Mit Zuversicht wolle er auf 2014 schauen, so der Papst weiter. "Deshalb höre ich nicht auf zu hoffen, dass der Konflikt in Syrien endlich ein Ende finde". Er setzt dabei Hoffnungen auf die für den 22. Januar geplanten Genfer Syrien-Verhandlungen, dass sie "den Anfang des ersehnten Weges der Befriedung" setzten. Es sei unannehmbar, dass die wehrlose Zivilbevölkerung und vor allem die Kinder heimgesucht würden. In diesem Zusammenhang lobte Franziskus die Anstrengungen des Libanon und von Jordanien, die "großherzig die zahlreichen syrischen Flüchtlinge" aufgenommen haben. Ebenfalls am Montag fand im Vatikan ein Friedensgespräch für Syrien statt.

Deshalb höre ich nicht auf zu hoffen, dass der Konflikt in Syrien endlich ein Ende finde.

Papst Franziskus

"Mit Genugtuung" stelle er "bedeutende Fortschritte" in der iranischen Atom-Frage sowie die Wiederaufnahme von Friedensgesprächen zwischen Israelis und Palästinensern fest, sagte der Papst. Er sehe jedoch mit Sorge auf die politischen Schwierigkeiten im Libanon, in Ägypten und im Irak. Auch der Exodus der Christen aus dem Nahen Osten und aus Nordafrika sei ein Grund zur Sorge. Die Christen in Afrika rief er auf, stets das Gute zu tun, "auch wenn es schwierig ist und wenn man Akte der Intoleranz, wenn nicht sogar echter Verfolgung erleidet". Die katholische Kirche werde die Friedensbemühungen der internationalen Gemeinschaft etwa in der Zentralafrikanischen Republik unterstützen.

Gegen Wegwerf-Kultur und Abtreibung

Zugleich wandte sich Franziskus gegen jede Negierung der Menschenwürde. Vor allem hungernde Kinder "können uns nicht gleichgültig lassen, wenn wir daran denken, wie viele Lebensmittel jeden Tag verschwendet" werden. Scharf kritisierte er eine herrschende "Wegwerf-Kultur" in vielen Teilen der Welt. Zu Abfall würden leider nicht nur Nahrung und überflüssige Güter, sondern oft sogar die Menschen: "Zum Beispiel erregt allein der Gedanke Entsetzen, dass es Kinder gibt, die als Opfer der Abtreibung niemals das Licht der Welt erblicken können, oder Kinder, die als Soldaten benutzt werden, in bewaffneten Konflikten vergewaltigt oder getötet werden, oder die in jener schrecklichen Form moderner Sklaverei, nämlich dem Menschenhandel, zur Marktware gemacht werden, der ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellt."

Zum Schluss erinnerte der Papst die Diplomaten an all die Menschen auf der Flucht und die großen Massen in Flüchtlingslagern, ob am Horn von Afrika, im Nahen Osten oder auf dem Weg von Lateinamerika in die USA. Leider herrsche auch bei solchen Tragödien "eine große Gleichgültigkeit". Eine weitere Verletzung des Friedens rühre von der "gierigen Ausbeutung von Umweltressourcen" her. Jeder müsse sich verantwortlich fühlen, dass Politiken verfolgt werden, die unsere Erde achteten. Denn: "Gott vergibt immer, wir vergeben manchmal, die Natur – die Schöpfung – vergibt nie, wenn sie misshandelt wird!", zitierte Franziskus eine Volksweisheit.

Von Agathe Lukassek

kna-katholisch-swarm-node2 (0.011s)