Papst wünscht sich mehr Debatten in der Kirche
Vor dem Hintergrund anhaltender Debatten über den Kurs der katholischen Kirche hat sich Papst Franziskus für offene Diskussionen bei unterschiedlichen Meinungen ausgesprochen. In einem Interview der spanischen Tageszeitung "El Pais" (Samstagabend) sagte der Papst, jeder habe ein Recht, nicht mit ihm einer Meinung zu sein. "Wenn ich ein Problem mit abweichenden Meinungen hätte, läge darin der Keim zu einer Diktatur", erklärte er.
Über Vertreter abweichender Meinungen innerhalb der Kirche sagte Franziskus: "Sie haben ein Recht zu denken, dass der Weg gefährlich ist und zu schlechten Ergebnissen führen könnte. Aber sie sollten das im Dialog äußern und nicht Steine aus dem Hinterhalt werfen." Der Papst betonte, er wünsche sich mehr offene Debatten, weil diese die Kirche verbesserten und brüderlicher machten. Notwendig sei aber eine Diskussion mit lauteren Absichten und nicht mit übler Nachrede.
"Manchmal komme ich ins Schleudern"
Über sein eigenes Wirken als Papst sagte Franziskus: "Ich bin kein Heiliger. Ich mache keine Revolution. Ich versuche, dafür zu sorgen, dass das Evangelium vorankommt. Aber das mache ich nicht perfekt, denn manchmal komme ich ins Schleudern." Inhaltlich äußerte sich der Papst in dem Interview nicht ausdrücklich zu der aktuellen innerkirchlichen Debatte, die über sein Schreiben "Amoris laetitia" geführt wird. Darin geht um es die Bedingungen für eine Zulassung zur Kommunion von Katholiken, die in zweiter Ehe leben. (KNA)
Der Streit um "Amoris laetitia" geht immer weiter. Dürfen wiederverheiratete Geschiedene nun die Kommunion empfangen oder nicht? Das wird in der Weltkirche sehr unterschiedlich ausgelegt.