Papstberater: Dringender Handlungsbedarf bei Vatikanbank
Der österreichische Theologe und Papstberater Peter G. Kirchschläger fordert Veränderungen bei der Vatikanbank, damit diese den eigenen finanzethischen Ansprüchen gerecht wird. "Wenn die Vatikanbank mit ihren Indizes nicht das in Taten umsetzt, was sie in Worten 'predigt', dann handelt es sich leider um 'Ethics-Washing'", kritisierte Kirchschläger am Mittwoch in einem Interview mit "kath.ch" die Anlageprodukte der Bank. "Gerade eine Institution wie die Vatikanbank muss hier selbstkritischer hinschauen sowie mit ihrem ethisch orientierten Handeln überzeugen." Grundsätzlich gebe es "aus ethischer Sicht dringenden Handlungsbedarf bei der Vatikanbank", sagte der Professor. Papst Leo XIV. hatte ihn im August zum Konsultor für das Dikasterium für die Ganzheitliche Entwicklung des Menschen berufen.
Wenn die Vatikanbank kommuniziere, dass ihre Anlagepolitik mit der Katholischen Soziallehe übereinstimme, dann müsse sie diesbezüglich "Transparenz an den Tag legen und aufzeigen, wie sie die sozialethischen Prinzipien respektiert und wie sie deren Achtung regelmäßig und unabhängig überprüfen lässt", forderte Kirchschläger. Sonst laufe die Bank Gefahr, dass mit ihren Investitionen Menschenrechte und Kinderrechte verletzt sowie Umwelt und Klima zerstört würden. "Und darüber hinaus leiden auf einer pragmatischen Ebene darunter sowohl die Glaubwürdigkeit als auch das Vertrauen in die Bank."
Worum es Papst Leo XIV. gehe
Auch die Enzyklika "Magnifica humanitas" von Papst Leo XIV. gebe Anlass dafür, "dass die Vatikanbank gerade im Bereich von sogenannter 'künstlicher Intelligenz (KI)' – die wegen des Mangels an Intelligenz besser als 'datenbasierte Systeme (DS)' zu bezeichnen sind – ihre Indizes anpassen muss", sagte Kirchschläger. Dabei gehe es dem Kirchenoberhaupt nicht um eine moralische Kritik des technologischen Fortschritts an sich, sondern um einen Fortschritt, der nur wenigen multinationalen Technologiekonzernen diene und sich ansonsten verheerend auf die Menschheit und den Planeten auswirke.
Peter G. Kirchschläger wurde 1977 in Wien geboren ist seit 2017 Ordinarius für Theologische Ethik und Leiter des Instituts für Sozialethik an der Theologischen Fakultät der Universität Luzern in der Schweiz. Seit 2023 wirkt er zudem als Gastprofessor an der Professur für Neuronales Lernen und Intelligente Systeme der ETH Zürich sowie am ETH AI Center.