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Pastor trifft Papst

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Bundespräsident Joachim Gauck wird im Petersdom im Vatikan von Papst Benedikt XVI. empfangen.
Vatikanstadt/Bonn - Zwei deutsche Theologen und Staatsoberhäupter trafen sich am Donnerstag im Vatikan: Bundespräsident Joachim Gauck wurde von Papst Benedikt XVI. zu einer Privataudienz empfangen. Ein früherer evangelischer Pastor und sein Landsmann, der katholischer Theologieprofessor war. Dennoch spielten theologische Feinheiten in der mehr als 30-minütigen Unterredung keine Rolle.

Stattdessen stand die Lage in Europa, besonders das Nord-Süd-Gefälle, im Mittelpunkt des Gesprächs zwischen dem Protestanten und dem Papst. Themen seien die Euro-Krise sowie die Rolle Deutschlands in Europa gewesen, sagte Gauck nach der Begegnung vor Journalisten in Rom. Ein etwaiges gemeinsames Reformationsgedenken und die Luther-Dekade seien nicht zur Sprache gekommen; die Ökumene nur indirekt. Er habe mit dem Papst über das gesprochen, „was Katholiken und Protestanten verbindet“, so der Bundespräsident. Beide teilten das Wissen, dass „der Welt etwas fehlt, wenn Gott fehlt“. Ihm sei wichtig gewesen, auch die Laienbewegungen innerhalb der katholischen Kirche und die „Mitwirkung der vielen“ anzusprechen, sagte Gauck.

Spazierstock und Süßes

Als Geschenk überreichte er dem Papst einen Wanderstock, Nürnberger Lebkuchen und seine Biografie „Vom Pastor zum Präsidenten“. Benedikt XVI. revanchierte sich mit einem Stich von der Dombauhütte Sankt Peter aus dem Jahr 1527 sowie einem Exemplar seines jüngsten Buches über die Kindheit Jesu.

Gauck traf den Papst relativ schnell nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten. Das bislang letzte deutsche Staatsoberhaupt im Vatikan war 2009 Horst Köhler. Sein Nachfolger Christian Wulff schaffte in seinen 20 Monaten Amtszeit keinen Besuch – traf aber Benedikt XVI. als Gastgeber bei dessen Deutschland-Reise im September 2011. Mit dem Termin in seinem ersten Amtsjahr wolle er nicht „das protestantische Fähnchen“ hochhalten, sondern zeigen, dass er auf die Katholiken zugehe, hatte Gauck bereits am Mittwochabend in Rom gesagt. Anders als die Kanzlerin und er sei die Mehrheit der Christen in Deutschland katholisch.

Der Bundespräsident hatte Benedikt XVI. vor dessen Privatbibliothek mit den Worten begrüßt: „Ich bin als Bundespräsident, als Landsmann, aber vor allem als Mensch und Christ gekommen“. Auch nach der Begegnung sei Gauck sehr bewegt gewesen, berichtet Radio-Vatikan-Redakteur Stefan von Kempis katholisch.de: „Es war ein Treffen zwischen zwei Christenmenschen, die neugierig aufeinander waren und sich gut auf das Gespräch vorbereitet hatten.“ Es schien so, als ob der Bundespräsident „viele Ideen“ habe, so Kempis. Er könne sich durchaus vorstellen, dass zwischen Benedikt XVI. und Gauck ein ähnlich „herzliches Verhältnis“ entstehen werde, wie zwischen dem Papst und Köhler.

Zum Programm Gaucks am Nikolaustag gehörte ein Besuch im Petersdom, wo er die Grabstätten von Johannes Paul II. und des Apostels Petrus aufsuchte. Auch darüber zeigte er sich bewegt: Der Papst aus Polen sei ein „großes Geschenk für die Menschheit“ gewesen; ihm im Gebet nahe zu sein bezeichnete Gauck als wichtig.

Vatikan-Besichtigung für den Bundespräsidenten

Nach der Unterredung mit Benedikt XVI. in der päpstlichen Privatbibliothek standen ein Mittagessen und ein Gespräch mit Kardinalsstaatsekretär Tarcisio Bertone auf dem Programm. Mit dem „zweiten Mann“ im Vatikan besprach Gauck allgemeine internationale Themen und die Situation der Menschenrechte.

Nachmittags wollte Gauck den anderen deutschen Spuren im Vatikan nachgehen, das Priesterkolleg Campo Santo Teutonico und dort die archäologischen Exponate, den Friedhof und die Kirche besichtigen. Der Campo Santo, der seine Anfänge um 796 auf Kaiser Karl den Großen zurückführt, zählt zu den ältesten Stiftungen in Rom. Die Kirche neben dem alten Friedhof wird für Pilgermessen genutzt und ist ein Gottesdienstzentrum für deutschsprachige Pilgergruppen und Römer.

Den Besuch absolvierte Gauck ohne seine Lebensgefährtin Daniela Schadt. Aus dem Bundespräsidialamt hieß es dazu, dass das unverheiratete Paar nicht jeden Auslandsbesuch gemeinsam absolviere. Es habe dazu jedoch keine Weisung oder Empfehlung aus dem Vatikan gegeben. Das vatikanische Protokoll erwartet von der persönlichen Begleitung des Staatsgastes, dass sie in einer aus kirchlicher Sicht gültigen Ehe lebt. Gauck hatte von Anfang an mitgeteilt, dass er seinen Antrittsbesuch im Vatikan allein unternehmen werde. Damit hatten sich alle weiteren Diskussionen um Protokollfragen erübrigt.

Von Agathe Lukassek

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