Rücktrittsforderung zum Geburtstag
Die einen singen ihm Ständchen, die anderen fordern ihn auf, sein Amt zur Verfügung zu stellen und zurückzutreten. Papst Franziskus hat gestern seinen 79. Geburtstag gefeiert, ohne großen Pomp in der ihm eigenen Bescheidenheit. Dass er mit seinem Stil zunehmend in den eigenen Reihen auf Widerstand stößt, wird immer deutlicher. Dass eine Gruppe von Katholiken jedoch öffentlich seinen Rücktritt fordert, bringt eine neue Qualität in das Ringen um den Weg der Kirche. Die US-amerikanische Zeitschrift "The Remnant" veröffentlichte einen Appell an Franziskus "seinen Kurs zu ändern oder das Petrusamt aufzugeben".
Die Unterzeichner, traditionalistische Laien, werfen dem Papst eine alarmierende Feindseligkeit gegenüber der traditionellen Lehre der Kirche, ihrer Disziplin und ihren Gebräuchen vor sowie gegenüber den Gläubigen, die all dies zu verteidigen suchen. Wenn der Papst nicht fähig oder willens sei, einer Verwässerung der katholischen Lehre Widerstand zu leisten, solle er zurücktreten. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Ein Papst, der sich feindselig verhält gegenüber der Lehre der Kirche! Wenn dem so wäre, hätte die Rücktrittsforderung sogar eine gewisse Logik. Aber sie geht von völlig falschen Voraussetzungen aus. Die Lehre der katholischen Kirche ist nicht in Stein gemeißelt. Von den ersten Anfängen an, bei den Aposteln, gab es Auseinandersetzungen, wie das Evangelium, die frohe Botschaft, am besten den Menschen nahe gebracht werden kann. Knapp zwei Jahrtausende lang haben Theologen und Bischöfe darum gerungen, wie Jesu Lehre – und nur um ihn kann es für Christen gehen – verstanden werden muss im jeweiligen geschichtlichen und gesellschaftlichen Kontext. Dogmen und Moralvorstellungen wurden weiterentwickelt, und die Verantwortung dafür hatte das Papsttum.
Ich bin froh über die "eigenwilligen Bibelauslegungen" (so der Vorwurf) von Papst Franziskus und wünsche ihm nachträglich alles Gute zum Geburtstag!
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