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Joachim Frank über die Pressearbeit im Vatikan

Rückwärtsgang ins Mittelalter

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Schachfigur
Bonn - Joachim Frank über die Pressearbeit im Vatikan

In neuer Weise bezieht sich die Kirche auf die Welt. Das ist die Meta-Botschaft der Öko-Enzyklika "Laudato sí". Als Beleg dafür gilt auch der Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung ein halbes Jahr vor der nächsten UN-Klimakonferenz. Tatsächlich schließt "Laudato sí" mit diesem politischen Gespür für das "Momentum" – theologisch gesprochen, den Kairos – an die säkulare Medien-Gesellschaft an. Aber bei der Präsentation der Enzyklika ist der Vatikan auf halbem Weg zur Welt gestrauchelt.

Im "Leaken" durch den Vatikanisten der Zeitschrift "L’Espresso", Sandro Magister, sahen Freund und Feind von Franziskus den Versuch, die päpstliche Message zu schwächen, ihr die Wucht der punktgenauen Publikation am 18. Juni um 11 Uhr zu nehmen. Man wird sich wahlweise freuen können oder ärgern müssen, dass dieses Ansinnen gescheitert ist. Die Vorab-Veröffentlichung der Enzyklika verlängerte einfach nur die Phase ihrer Erstrezeption. Und die Spitzen-Aussagen wurden umso intensiver diskutiert. So ist das doch mit allen Texten von Belang. Bis zum letzten Moment unter Verschluss bleibt nur, wofür sich eh kein Mensch interessiert.

Darum wirkte die Empörung über die Verletzung der Sperrfrist seltsam gestrig und – ja – weltfremd. In Wahrheit hätten die Medienleute des Papstes allen Grund gehabt, den Intriganten im eigenen Laden eine Nase zu drehen: Mit eurer alten Denke kriegt ihr den neuen Geist nicht klein!

Stattdessen die beleidigte Tour und Magisters Ausschluss aus dem vatikanischen Pressesaal. War schon das eine im Grunde vormoderne Sanktion (Maulkörbe für missliebige Theologen lassen grüßen), ist ihre Ausdehnung auf die "Repubblica" eine ärgerliche und unwürdige Groteske. Der Vatikan-Experte der italienischen Tageszeitung wurde für die USA-Reise von Franziskus im September aus der Papstmaschine geworfen, weil die "Repubblica" im selben Verlag erscheint wie "L’Espresso".

Sippenhaft ist abgeschafft? Der Vatikan praktiziert das Gegenteil. Auf dem Weg zur Welt? Nein, Rückwärtsgang ins Mittelalter.

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