Schavan: Papst passt nicht in politische Kategorien
Papst Franziskus passt nach Einschätzung von Annette Schavan, Deutschlands Botschafterin beim Heiligen Stuhl, nicht in klassische politische Kategorien wie links und rechts oder "rot, grün, schwarz". Das Kirchenoberhaupt vertrete "konsequent eine Kirche, die verbinden soll, was in der Welt auseinanderfällt", sagte Schavan im Interview der "Zeit" (Donnerstag). Für sie sei der Papst "ein Radikaler, und mit radikal meine ich konsequent".
Franziskus wolle zudem nicht "einfach dekretieren, sondern überzeugen und bekehren", erklärte die CDU-Politikerin. "Er will, dass die Katholiken erwachsen werden und sich selber auf den Weg machen, statt alles vom Papst zu erwarten. Das mag nicht jeder. Manche finden es sogar unkatholisch."
Schavan betonte zugleich, der Widerstand gegen den Papst innerhalb der Kurie sei "viel kleiner, als gern behauptet wird. Das Klischee 'Wir haben einen guten Papst und eine schräge Kurie' ist Quatsch." In jeder Institution entstehe auch Widerstand, wenn ein Chef anspruchsvoll sei.
Der Papst fordere die Christen auf, neue Wege zu gehen, so Schavan weiter. Damit wolle er "das Herzstück unserer Botschaft entfalten - dass Christen sich nicht fürchten sollen". Dieser Geist erinnere sie an "jene Jahre des Aufbruchs, als Johannes Paul II. sich mit Verve für die europäische Wiedervereinigung einsetzte, und an die friedliche Revolution, als so viele Deutsche sich durch die Kirchen beflügelt fühlten, ihre Freiheit einzufordern." Der heutige Papst wisse: "Es gibt keinen Frieden auf der Welt ohne den Frieden der Religionen. Er sucht Verständigung, wo sie niemand vermutet."
Deutschland betrachte sie als ein "religionsfreundliches Land", fügte Schavan hinzu, "und unsere Kirchen sind demokratiefreundlich". Dies sei ein Grund dafür gewesen, dass tausende Menschen die Aufnahme von Flüchtlingen unterstützt hätten. (KNA)