Schicksalswahl für Trump – Papst Leo XIV. will mitwählen
Papst Leo XIV. will bei den anstehenden Parlamentswahlen in den USA wählen. Am 3. Oktober ist sein Antrag auf Briefwahl in Will County im Bundesstaat Illinois eingegangen, bestätigte die zuständige Behörde der Zeitung "Chicago Sun-Times". "Robert Francis Prevost ist auf der Liste der Personen, die Briefwahl für die anstehende Wahl beantragt haben", sagte die Stabschefin der Behörde, Kim Fladhammer. Papst Leo XIV. ist mit einem Wohnsitz in New Lenox im Umland von Chicago als Wähler registriert. Eine Parteizugehörigkeit, die in US-Wählerdaten ebenfalls vermerkt werden kann, hat er nicht.
Sollte der Papst tatsächlich seine Stimme abgeben, wäre er wohl der erste amtierende Papst, der an einer politischen Wahl teilnimmt.
Die Wählerverzeichnisse in den USA sind grundsätzlich deutlich transparenter als in Deutschland. Daher ist bekannt, wann der heutige Papst in den vergangenen Jahren an Wahlen teilgenommen hat: 2008 und 2010 nahm er an den Vorwahlen der Demokratischen Partei teil, 2012, 2014 und 2016 an den republikanischen Vorwahlen. Illinois hat offene Vorwahlen, daher ist für die Teilnahme an Vorwahlen keine Parteizugehörigkeit erforderlich. Bei den eigentlichen Wahlen gab er 2012, 2014, 2018 und 2024 seine Stimme ab – damit hat der damalige Kardinal Prevost bereits einmal aus dem Vatikan gewählt; ab 2023 war er Präfekt des Bischofsdikasteriums.
Stimmungsmesser für Trump
Am 3. November werden in Illinois neben einem Senator die Mitglieder des Repräsentantenhauses neu gewählt, außerdem stehen Wahlen für den Gouverneursposten und weitere Regierungsposten an. Bei der Senatswahl tritt der langjährige katholische Amtsinhaber Dick Durbin (D) nicht mehr an. Die "Midterms" gelten als wichtiger Gradmesser für die Beliebtheit der US-Regierung. Die Unzufriedenheit mit der Trump-Regierung ist derzeit groß, so dass Zugewinne der oppositionellen Demokraten erwartet werden, die derzeit in beiden Parlamentskammern in der Minderheit sind. Zuletzt suchte Trump die Nähe katholischer Bischöfe und löste mit einem Video eines Segensgebets im Oval Office des Weißen Hauses eine Kontroverse aus. Gegenüber Papst Leo XIV. hat sich der US-Präsident in der Vergangenheit abwertend geäußert.
Leo XIV. ist gebürtiger US-Amerikaner, hat aber zusätzlich die Staatsbürgerschaften von Peru, wo er etwa 40 Jahre seines Lebens verbrachte, zuletzt als Bischof von Chiclayo. An den vergangenen Regionalwahlen in Peru hat Papst Leo XIV. nicht teilgenommen. Dort ist er in Chiclayo wahlberechtigt. Zusätzlich besitzt er die Staatsbürgerschaft des Staats der Vatikanstadt. Die vatikanische Staatsbürgerschaft ist funktionsbezogen. Sie erhalten unter anderem die in Rom und im Vatikan lebenden Kardinäle.