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Kilian Martin über Ehe und Familie nach der Familiensynode

Schluss mit dem Lagerdenken!

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Schachfigur
Bonn - Kilian Martin über Ehe und Familie nach der Familiensynode

Wann finden die Grabenkämpfe der Familiensynode endlich ihr Ende? Während der Verhandlungen der Bischöfe und Berater im vergangenen Herbst konnte man noch Hoffnung schöpfen, dass die Kirche den Weg zur Einmütigkeit findet. Doch jüngst treten die Konfliktlinien der vergangenen Monate wieder deutlicher zutage.

Da sind auf der einen Seite jene, denen das Ergebnis der Synode, das päpstliche Schreiben "Amoris laetitia", als großer Wurf gilt, als Schreiben der Barmherzigkeit, durch das die Lehre der Kirche von Ehe und Familie künftig neu gelesen werden müsse. Sie verkennen dabei zuweilen nicht nur den großen Wert der Kontinuität, sondern rücken Sonderfälle in den Fokus und damit die kirchlichen Ideale an den Rand.

Auf der anderen Seite jene, die zur Vorsicht mahnen, das schützenswerte Gut der Ehe und Familie nicht durch pastorale Sonderwege in Gefahr zu bringen. Doch durch ihre hartnäckige Verteidigung des kirchlichen Ehebildes provozieren sie eine Überidealisierung, die teilweise den Boden der Realität schon lange verlassen hat.

Es steht außer Frage, dass die Kirche sich in besonderer Weise um Menschen mit gescheiterten Lebensplänen kümmern muss. Ebenso klar ist, dass sie dabei ihre eigene Lehre nicht verwässern darf. Doch die Kirche darf sich nicht im hitzigen Gezänk um den richtigen Umgang mit bereits gebrochenen Beziehungen verlieren. Denn so macht sich am Ende niemand um die Zukunft von Ehe und Familie verdient. Die ewige Rede vom Scheitern macht niemandem Mut, es überhaupt zu probieren.

Am heutigen Freitag wird die Deutsche Bischofskonferenz ihre Jahresstatistik veröffentlichen. Man muss kein Hellseher sein, um sich schon vorab darüber im Klaren zu sein, dass die Zahl der kirchlichen Eheschließungen auch im vergangenen Jahr nicht massiv gestiegen sein wird. Unter diesem Vorzeichen sollte "Amoris laetitia" gelesen werden. Die Kirche darf das wegweisende Schreiben des Papstes nicht immer wieder auf eine Fußnote in einem hinteren Kapitel reduzieren. Stattdessen sollten alle nach Kräften daran arbeiten, wieder mehr junge Frauen und Männer in treue und stabile Lebensbeziehungen zu begleiten. Das ist die wahre "Freude der Liebe" und dabei kann es kein Lagerdenken mehr geben.

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