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Papst Franziskus hält an der Vatikanbank IOR fest

Sicheres Geld, günstige Transfers

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Im wehrhaften Turm Nikolaus V. beim Diensteingang zum Vatikan befindet sich der Sitz der Vatikanbank IOR.
Vatikanstadt - Gut ein Jahr nach dem Amtsantritt von Franziskus sind nun die Würfel gefallen: Auch der Papst, der eine arme Kirche für die Armen predigt, will keineswegs auf eine eigene "Bank" verzichten. Das "Institut für die religiösen Werke" ( IOR ) werde seine Arbeit "mit Umsicht fortsetzen und der katholischen Kirche weltweit spezialisierte Finanzdienstleistungen anbieten", teilte der Vatikan am Montag mit. Die "wertvollen Dienste" der sogenannten Vatikanbank unterstützten den Papst in seiner Mission als universaler Hirte sowie Einrichtungen und Personen, die mit ihm zusammenarbeiten.

Offenbar wogen für Franziskus letztlich die Vorteile einer eigenen Bank schwerer als das Risiko, weiter negative Schlagzeilen mit dem vatikanischen Geldinstitut zu produzieren und so die Glaubwürdigkeit des Vatikan zu gefährden. Davon gab es zuletzt nach der Aufdeckung dunkler Machenschaften des vatikanischen Rechnungsprüfers Nunzio Scarano im Sommer 2013 wieder mal reichlich.

Sicheres Geld

Warum nun braucht Franziskus eine Bank? Was sind das konkret für "wertvolle Dienste", die das Geldinstitut dem Papst leistet? Die Mitteilung vom Montag nennt dazu keine Einzelheiten. Wenn man sich im IOR selbst umhört, werden vor allem zwei Argumente in eigener Sache angeführt: Geld, das beim IOR liege, sei sicher. Das gelte zwar in Deutschland als selbstverständlich; in vielen anderen Staaten der Welt sei es das jedoch nicht. Und: Man könne Geldtransfers deutlich günstiger bewerkstelligen als Geschäftsbanken. Vor allem für Ordensgemeinschaften sei das wichtig - und die machen laut Jahresbericht rund die Hälfte der Kundschaft aus.

Porträtfoto von Ernst von Freyberg.
Ernst von Freyberg ist Aufsichtsratsvorsitzende der Vatikanbank. Nach den Worten von Papst Franziskus soll das auch so bleiben.

Von 10.000 Euro, die ein Orden von Europa aus für Erdbebenopfer nach Haiti überweisen wolle, kämen - so wird im IOR vorgerechnet - gegenwärtig auf herkömmlichem Wege gerade mal 2.500 Euro in der Karibik an. Auch Überweisungen nach Damaskus seien teuer und schwierig. Wer Geld nach Kuba überweisen wolle, sehe sich gar einem Embargo gegenüber. All dies, versichert man im IOR, könne man günstiger und sicherer als andere und mit langjähriger Erfahrung anbieten. Vermutlich hat das dazu beigetragen, den Ordensmann Franziskus von der Notwendigkeit eines eigenen Geldinstitutes zu überzeugen.

Die IOR erwirtschaftet einen Überschuss

Und dann sind da noch die rund 50 Millionen Euro, die das IOR zuletzt von seinem erwirtschafteten Überschuss an den Haushalt des Heiligen Stuhls überwies. Das sind für vatikanische Verhältnisse weit mehr als Peanuts: Das Geld vom IOR machte zuletzt schätzungsweise rund ein Sechstel des gesamten Jahreshaushalts 2012 des Heiligen Stuhls aus. Man darf annehmen, dass Franziskus auch das sorgfältig bedacht hat, bevor er seine Entscheidung traf.

Wirklich überraschend kam die Entscheidung des Papstes freilich nicht. Denn dafür, dass Franziskus die Vatikanbank wirklich schließen wollte, gab es zu keinem Zeitpunkt eindeutige Belege. Im Juli 2013 teilte er lediglich mit, dass er alle Optionen prüfe und sich ein umfassendes Bild der Lage machen wolle. Viel größeren Widerhall in den Medien fand allerdings ein Satz, den der Papst einen Monat zuvor in einer Frühmesse ohne unmittelbaren Bezug zum IOR gesagt hatte: "Der heilige Petrus hatte kein Bankkonto." Das nährte Spekulationen.

Der Fortbestand des IOR dürfte nicht zuletzt auch das Verdienst des deutschen Managers Ernst von Freyberg (55) sein. Seit der Finanzexperte im Februar 2013 noch von Benedikt XVI. zum Vorsitzenden des IOR-Verwaltungsrates berufen wurde, hat er dem Haus einen radikalen Reformkurs verordnet.

Suche nach schwarzen Schafen

25 Mitarbeiter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Promontory durchkämmen seit einem Jahr systematisch die rund 19.000 Konten beim IOR auf der Suche nach schwarzen Schafen und Konten unbefugter Personen. Der Generaldirektor des Geldinstituts sowie dessen Stellvertreter, beide Italiener, wurden entlassen, nachdem ihre Verwicklung im jüngsten Skandal um den vatikanischen Rechnungsprüfer Nunzio Scarano bekanntwurde. Der Leitfaden für IOR-Mitarbeiter war früher ein Heft von 16 Seiten. Heute zählt er mehr als 100 Seiten.

Von Thomas Jansen (KNA)

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