Söding: Stärke eines Papstes nicht an seiner Fitness messen
Nach Ansicht des Bochumer Neutestamentlers Thomas Söding soll die Stärke eines Papstes nicht an seiner körperlichen Fitness gemessen werden. Eine körperliche Schwäche sei mit Blick auf die Einheit von Leib, Geist und Seele zwar nicht trivial, schrieb Söding am Dienstag in einem Gastkommentar für die Zeitschrift "Publik Forum" (online). "Die Folge ist aber nicht, dass nur ein fitter Papst ein guter Papst wäre."
Papst Leo XIV. war am vergangenen Dienstag der untere Lappen seines rechten Lungenflügels entfernt worden. Dort hatte sich ein Adenokarzinom, ein bösartiger Tumor, befunden. Der Papst hatte am Sonntag zuvor beim Mittagsgebet am Petersplatz einen Eingriff selbst angekündigt; die Diagnose wurde im Anschluss an die Operation bekanntgegeben. Am vergangenen Wochenende und damit einige Tage früher als zunächst veranschlagt kehrte Leo bereits wieder in den Vatikan zurück. Die Ärzte beschreiben den Prozess seiner Genesung als planmäßig.
Person und Amt
Trotz der guten Prognose gebe es viel Sorge und Ungewissheit unter den Gläubigen, so Söding. Funktion und Person ließen sich in der Kirche nicht trennen. Daher gelte besonders für das Papstamt: "Wer ein Amt innehat, muss es persönlich ausfüllen." Es sei daher gut, dass Leo XIV. transparent mit seiner Krankheit umgehe, sie weder verschweige noch überhöhe. "Entscheidend aber ist sein persönliches Zeugnis, ob gesund oder krank, stark oder schwach."
Der Theologe verwies dabei auf Leos Vorgänger im Papstamt. Johannes Paul II. (1978–2005) etwa "war ein leidenschaftlicher Skifahrer – gebrechlich geworden, wurde er im Jahr 2000 an der Klagemauer in Jerusalem zum Repräsentanten einer Kirche, die jedem Dominanzgehabe gegenüber den Juden abschwor". Der Papst aus Polen bat damals um Vergebung für die Verbrechen an den Juden durch Christen. Franziskus (2013–2025) wiederum "konnte als Papst im Fiat 500 ebenso wie im Rollstuhl die Menschen erreichen".
Bei Leo XIV. resümierte der Theologe, dass dieser die Chancen, die ihm sein Amt biete, auf der politischen Bühne bisher kraftvoll genutzt habe. "Innerkirchlich zögert er zwar bei Reformen, aber er will die katholische Kirche zusammenhalten." Und weiter: "Leo steht für eine Vielfalt, die zur Einheit findet, weil es starke Gemeinsamkeiten gibt, die Unterschiede aushalten und im besten Fall austarieren." Seine erste Enzyklika "Magnifica humanitas" über die Würde des Menschen im Zeitalter der künstlichen Intelligenz sei ein Weckruf und ein "Beweis für die Vitalität und Relevanz einer christlichen Sozialethik, die sich universal verständlich machen kann“, so Söding.