Sondierungen an der Basis
Während der Papst den Kontakt mit seinen Ministerien in der Regel in Audienzen für deren Präfekten oder Präsidenten führt, suchte er diesmal das Gespräch auch mit der niedrigeren Ebene: mit den Sachbearbeitern, den Referenten und Kurienprälaten, die in ihren Behörden wesentliche Vorarbeiten leisten.
Am Montag besuchte Franziskus den Sitz der Kongregationen für die Bischöfe, für Heiligsprechungsverfahren sowie für Liturgie und Gottesdienst. Außerdem befinden sich dort die Büros des Rates für die Gesetzestexte. In den vergangenen Tagen hatte Franziskus ähnliche Gespräche im gegenüberliegenden Gebäude mit den Behörden für Bildung, Klerus und Ordensleuten. Zuvor hatte er in ähnlichem Rahmen im Staatssekretariat konferiert.
Kardinalsrat kommt zur zehnten Beratungsrunde zusammen
Die Eindrücke dieser Besuche werden zweifellos in die Beratungen des Kardinalsrates eingehen, der in der kommenden Woche zu seiner zehnten Konferenzrunde mit dem Papst zusammentritt. Denn immer mehr verstärkt sich der Eindruck, dass die neue Kurien-Konstitution mehr Zeit in Anspruch nimmt als zunächst erwartet; dass Franziskus Sondierungen auf unterschiedlichen Ebenen vorsieht. Zudem müssen anschließend auch noch die Juristen des Rates für die Gesetzestexte das Dokument gründlich überprüfen.
Wesentliche Arbeiten an der Kurienreform leistet der aus neun Mitgliedern bestehende Kardinalsrat, dem auch der Münchner Kardinal Reinhard Marx angehört. Daneben hatte Franziskus im November die Betroffenen selbst, die amtierenden Leiter der Kurienbehörden, zu einer eigenen Konferenz zu dem Thema eingeladen. Offenbar gab es manche Kritik an den Plänen und am Vorgehen der Planer. Denn Anfang 2014 waren ein Wirtschaftsrat und ein Wirtschaftssekretariat eingerichtet worden, die ihre Arbeit aufnahmen, ohne dass klare Statuten vorlagen.
Als nächste Instanz wurde das Kardinalskollegium insgesamt beim Konsistorium im Februar 2015 mit dem - zwischenzeitlich überarbeiteten - Konzept für die Kurienreform befasst. Aufgrund der schlechten Erfahrungen mit den Wirtschaftsinstitutionen blieben weitere, bereits fertige Pläne zunächst in der Schublade, etwa die Zusammenlegung von sechs nachkonziliaren Räten zu zwei Großministerien. Aber bevor die Bereiche "Familie und Laien" sowie Caritas, Gerechtigkeit und Frieden samt der Zuständigkeit für Migranten und für Krankenpastoral operativ werden, sind noch manche Fragen zu klären.
Bernhard Remmers kommentiert im Standpunkt die Reform der Kommunikation im Vatikan. "Eine Herausforderung für Hierarchien, die eine Kommunikation von Oben nach Unten gewohnt sind."
Unklar ist weiter, wann der Vatikan seinen Mediensektor neu ordnet. Die unter dem Briten Chris Patten gebildete Medienkommission hat ihre Arbeiten abgeschlossen. Patten selbst hat zur Überraschung seiner Auftraggeber über seine dem Vatikan überreichten Ergebnisse berichtet. Demnach sollte der gesamte Medienbereich des Heiligen Stuhls in einer Stelle zusammengeführt und über ein Budget gesteuert werden. Zudem sollten Doppel- und Mehrfacharbeit, die bislang Radio Vatikan, der Fernsehdienst CTV, das Internetportal news.va oder der Informationsdienst VIS leisteten, künftig vermieden werden.
Kurienreform könnte noch bis 2017 dauern
Durch einen Personalaustausch könnten etwa die Öffnungszeiten des Presseamtes verlängert und von diesem ein mehrsprachiger Informationsservice angeboten werden. Aber zunächst soll eine neue Kommission von kirchlichen Medienfachleuten die Pläne für die vatikanischen Gegebenheiten umsetzen. Wann dieses Konzept das Licht der Welt erblickt, ist offen.
So rechnen Beobachter damit, dass die Kurienreform möglicherweise bis 2017 dauert. Offen bleibt dabei, ob es sich wirklich um einen neuen großen Wurf handelt oder nur um eine Reihe kleinerer Maßnahmen, die die ungenügende Koordination der verschiedenen Behörden verbessen.