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Kirchenoberhaupt ignoriere Bemühungen des Politikers

Sozialethiker: Papst Leo XIV. verkennt Schumans Haltung zur Nato

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Frankfurt - Bei seinem Besuch in Metz hatte Papst Leo XIV. die Aufrüstung in Europa kritisiert – und am Beispiel von Robert Schuman zum Frieden aufgerufen. Der Sozialethiker Manfred Spieker widerspricht dieser Deutung.

Der Sozialethiker Manfred Spieker wirft Papst Leo XIV. Verkürzungen bei dessen Kritik an der Nato und der aktuellen Aufrüstung in Europa vor. Bei seinem Besuch im französischen Metz Ende September habe der Papst die sicherheitspolitischen Entwicklungen auf dem Kontinent als Negativbeispiel der europäischen Einigung und deren Gründervater Robert Schuman (1886–1963) gegenübergestellt. Damit sei das Kirchenoberhaupt den Vorstellungen des französischen Außenpolitikers aber nicht gerecht geworden, schreibt der ehemalige Osnabrücker Hochschullehrer Spieker in einem am Dienstag erschienenen Leserbrief in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Er ignorierte Schumans Bemühungen um die militärische Verteidigungsfähigkeit Europas."

Für Schuman sei die militärische Rüstung nie eine Illusion gewesen, argumentiert Spieker. "Sie war für ihn eine Bedingung für die Sicherung des Völkerrechts, des Friedens und der Freiheit." Deshalb habe Schuman die Gründung der Nato und das Schutzversprechen der USA begrüßt. Diese Position habe er mit dem damaligen ersten deutschen Bundeskanzler, Konrad Adenauer, geteilt. "Europas rechtliche und politische Einheit und Europas militärische Verteidigungsfähigkeit bildeten für Schuman wie für Adenauer eine Einheit."

Warnung vor "Illusion der Wiederaufrüstung"

Bei seiner Rede im Robert-Schuman-Kongresszentrum am 28. September hatte Leo XIV. eindringlich für ein geeintes, friedliches Europa geworben und scharfe Kritik an aktuellen Aufrüstungsplänen geübt. Während sich Europa mit 800 Milliarden Euro bis 2030 kriegstüchtig machen will, warnte der Papst Leo XIV. vor einer "Illusion der Wiederaufrüstung": "Es ist kein Zufall, dass die wiederkehrenden Forderungen nach einer Erhöhung der Militärausgaben und die daraus resultierenden Entscheidungen von vielen Regierenden mit der Gefährlichkeit anderer gerechtfertigt werden."

Europa könne dieser Abwärtsspirale ein Ende setzen, so das Kirchenoberhaupt. Es habe in den vergangenen 80 Jahren eindrucksvoll bewiesen, dass Begegnung statt Kampf möglich sei. Völkerrecht und Multilateralismus bildeten das beste Gegenmittel gegen jeden Herrschaftswillen, der die Ursache jedes Konflikts ist.

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