Theologe: Segnungsdebatte ist Chance – Synodaler Weg unabdingbar
Der Theologe Martin Kirschner sieht in der Debatte um die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare "die Chance für die Erneuerung von Kirche und Glauben". Die Frage sei nur, "wie mit den Konflikten umgegangen wird und ob dies in einer integrativen Weise geschieht", sagte Kirschner am Dienstag laut Mitteilung der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU). Kirschner hat dort den Lehrstuhl für Theologie in Transformationsprozessen der Gegenwart inne und leitet das "Zentrum Kirche, Religion, Gesellschaft im Wandel".
Am 16. März hatte die Glaubenskongregation im Vatikan erklärt, die katholische Kirche habe keine Vollmacht, gleichgeschlechtliche Beziehungen zu segnen. Diese Verbindungen entsprächen nicht dem göttlichen Willen.
"Mit ihrer Antwort hat die Glaubenskongregation die Debatte nicht beendet, sondern gerade losgetreten", so der Professor. Autorität entstehe dort, wo man sich Konflikten und Widersprüchen stelle. Wer Teile der Wirklichkeit ausblende und die Konflikte zu unterbinden versuche, untergrabe die eigene Autorität.
Diskussionen zeigten, welche Empörung undifferenziertes Nein hervorrufe
Es gehe nun darum, "Lebenswirklichkeiten in den Blick zu nehmen, die innerhalb der Kirche an den Rand gedrängt und unsichtbar gemacht wurden", sagte Kirschner. "Die Frage ist, wie Lernprozesse auf beiden Seiten, Dialog und Verständigung möglich sind - und wie diese Prozesse so stattfinden können, dass sie den Menschen gerecht werden, die von diesen Fragen betroffen sind." Die Diskussionen zeigten, welche Empörung ein undifferenziertes Nein hervorrufe. Nötig sei eine Öffnung der Debatte.
Deshalb sei der aktuelle Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland, der Synodale Weg, unausweichlich. Es brauche viele weitere solche Prozesse in den verschiedenen Ortskirchen. Schnelle Lösungen seien dabei nicht absehbar, dafür reichten die Konflikte viel zu tief. "Die katholische Kirche ist zudem eine Weltkirche und muss auch die Ökumene in Ost- und Westkirche im Blick behalten. Das sind ungeheuer komplexe Kommunikationsprozesse, die nötig sind und die möglicherweise mittelfristig ein neues Konzil vorbereiten müssen", so Kirschner.
Der Professor mahnte, es gehe darum, bereits bestehende Spaltungen zu überwinden und die Kirche aus dem Glauben heraus zu erneuern. "Wenn wir das nicht mehr für möglich halten, hätten wir den Glauben schon aufgegeben." (KNA)