Theologe wirft neuem Medjugorje-Beauftragten Naivität vor
Der italienische Theologe Andrea Grillo hat den neu ernannten päpstlichen Sonderbeauftragten für Medjugorje, Francesco Cavina, scharf kritisiert. In einem am Dienstag auf dem Portal der "Cittadella Editrice" veröffentlichten Beitrag wirft er dem emeritierten Bischof von Carpi vor, in einem Interview eher wie der "PR-Manager" des Wallfahrtsortes als wie ein Apostolischer Visitator aufzutreten.
In einem nur in Teilen am Montag veröffentlichten Interview mit der Zeitschrift "Il Timone", für die er seit Jahren schreibt, begrüßte Cavina die Entscheidung des Vatikans von 2024, die Wallfahrten nach Medjugorje offiziell zu erlauben. Er verwies auf zahlreiche Bekehrungen und andere geistliche Früchte. Die angeblichen Marienbotschaften bezeichnete er insgesamt als erbaulich und mit der katholischen Lehre vereinbar.
Keinerlei Vorbehalte
Grillo hingegen kritisiert den Ton des Interviews als apologetisch und "naiv enthusiastisch". Anders als die Note des vatikanischen Glaubensdikasteriums von 2024 äußere Cavina keinerlei Vorbehalte gegenüber den angeblichen Seherinnen und Seher oder den Widersprüchen in den Botschaften. Stattdessen vermittle er den Eindruck einer Zustimmung und spiele die Vorbehalte des Vatikans herunter. Allerdings sieht der Theologe bereits in der Vatikan-Note selbst ein grundlegendes Problem, wie er in seinem Beitrag schreibt. Die Note stelle die positiven geistlichen Früchte von Medjugorje über die Frage nach der Glaubwürdigkeit der Botschaften und ihrer Herkunft. Damit drohe die notwendige kirchliche Prüfung in den Hintergrund zu treten.
Die Aufgabe eines Apostolischen Visitators dürfe nicht mit der eines Förderers des Wallfahrtsortes verwechselt werden, mahnt Grillo. Andernfalls wäre Cavinas Ernennung ein Zeichen für ein "gravierendes Desinteresse Roms" an einer ernsthaften Untersuchung des Phänomens. Gerade der Visitator müsse vor Ort für die notwendige Unterscheidung sorgen. "Ein entfesselter Apostolischer Visitator ist jedoch ein Widerspruch in sich", so der Theologe, der seit 1994 Sakramententheologie und Religionsphilosophie am Päpstlichen Athenäum Sant'Anselmo in Rom lehrt.
Papst Leo XIV. hatte den 71-jährigen Cavina am Wochenende zum Apostolischen Visitator für den Marienwallfahrtsort in Bosnien-Herzegowina ernannt. Er war von 1996 bis 2011 im vatikanischen Staatssekretariat tätig, 2012 erfolgte Ernennung zum Bischof von Carpi in Mittelitalien. 2019 trat er nach Korruptionsvorwürfen von der Leitung der Diözese zurück. Die Anschuldigungen erwiesen sich laut der Staatsanwaltschaft allerdings als unbegründet.