Trickst der Papst?
Merkwürdige Zwischentöne gab es während des ersten Drittels der Welt-Bischofssynode in Rom. Zwar blieb die große Konfrontation zwischen Bewahrern und Reformern zunächst aus, doch unter der Oberfläche rumorte es. Unter den 270 Oberhirten, die mit dem Papst über die Zukunft der christlichen Ehe und Familie beraten, machten Mutmaßungen die Runde, das eine oder das andere Lager versuche, Dinge zu manipulieren. Selbst der Papst geriet in den Verdacht, er wolle die Synodenväter austricksen.
Zu Beginn beklagten die "Bewahrer", die italienische Einführungsrede des konservativen ungarischen Kardinals Peter Erdö sei zunächst nicht in andere Sprachen übersetzt worden. Das sei unfair. Die Reformer kritisierten, die große Predigt des Papstes mit dem Appell, neue Brücken zu bauen, sei nicht übersetzt worden. Das sei Manipulation. Dann meldet sich der Papst zu Wort und sagt: "Hütet euch vor Verschwörungstheorien!". Doch dann verschweigt der vatikanische Pressesprecher genau diese Warnung. Warum? Und dann twittert ein Vertrauter des Papstes dessen deutliche Warnung aus der Synodenaula – was er aber eigentlich nicht darf. Dennoch wird der Satz später inhaltlich bestätigt. Und die Beobachter fragen sich: Was soll das?
Aber es kommt noch besser. Mehrere Kardinäle beklagten gleich zu Beginn in einem vertraulichen Brief an den Papst, dass die Namen der Theologen, die das Abschlusspapier aus den Synodenbeiträgen zusammenstellen sollen, einfach von oben bestimmt worden seien. Die Synode sei deshalb, so war am Rande öfters zu hören, eine Farce, weil eh schon feststehe, welche Reformen am Ende rauskommen solle. Der mutmaßliche Brief kommt an die Öffentlichkeit. Dann werden die Namen einiger Unterzeichner dementiert, die Verwirrung wächst. Schließlich stiftet der Vatikansprecher neue Unsicherheit, als er erklärt, man wisse gar nicht, ob es am Ende überhaupt ein Abschlusspapier der Synode geben werde.
Papst Franziskus wird nachgesagt, er freue sich daran, feste Strukturen aufzumischen. Denn produktives Chaos schaffe Raum für neue Ideen und anderes Denken. In Rom hatte ich den Eindruck, dass er mit dieser Methode - wenn es denn eine ist - derzeit einiges riskiert: Entweder wird die Verwirrung so ausgelegt, dass er "den Laden nicht im Griff hat" – und das beschädigt seine Autorität. Oder er gerät in den Geruch, dass er Dinge in seine Richtung manipuliert und das Chaos wie eine Nebelkerze einsetzt, damit die Tricksereien nicht so leicht durchschaubar sind. Wenn es ihm nicht gelingt, diesen Verdacht auszuräumen, würde er im Falle eines Triumphs für seine Öffnungs-Ideen eine vergiftete Atmosphäre unter den Bischöfen zurücklassen. Beides wäre kein gutes Resultat.
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