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Für Papst Franziskus kehrt der Alltag ein – eine arbeitsreiche Woche geht zu Ende

Unbekümmerter Franziskus

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Papst Franziskus während seiner ersten Generalaudienz.
Vatikanstadt - Vor allem die personellen Weichen für das Pontifikat müssen nun gestellt werden. Franziskus will die römische Kurie besser kennenlernen, die er bisher nur mit reichlichem Abstand aus Argentinien beobachtete. Dazu setzte er am Montag seine Gespräche mit Spitzenvertretern der römischen Kurie fort und traf den Präfekten der Kleruskongregation, Kardinal Mauro Piacenza.

Dem gleichen Zweck diente ein Termin, den Franziskus am Freitag absolvierte: Erstmals seit seinem Amtsantritt besuchte er das vatikanische Staatssekretariat, eine Art "Regierungszentrale" des Vatikan. Vor der Papstwahl hatten Kardinäle eine zu dominante Stellung des Verwaltungsapparats kritisiert. Auch die Rolle von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone an dessen Spitze ist umstritten. Franziskus hat den 78-Jährigen zwar zunächst kommissarisch im Amt bestätigt. Es wird aber erwartet, dass er den Posten möglicherweise bald neu besetzt.

An die Gläubigen wendete sich der neue Papst am Mittwoch erneut bei seiner Generalaudienz. Dabei betonte er, der Glaube sei mehr als nur das Befolgen von Geboten. Es gehe vielmehr darum, wie Christus zu leben, zu denken und zu handeln. Nur dann sei der Mensch "wirklich frei" und erhalte die "Kraft für die Mühen des Alltags". Grund für diese Freiheit sei die Auferstehung Christi.

Kardinal Tarcisio Bertone.
Kardinal Tarcisio Bertone.

Papst mahnt Bibelwissenschafter zu Kirchentreue

Zum Ende der diesjährigen Vollversammlung der päpstlichen Bibelkommission im Vatikan mahnte Franziskus am Freitag die Bibelwissenschaftler zur Kirchentreue. Jede Bibelinterpretation müsse dem Umstand Rechnung tragen, dass die Texte der Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen anvertraut seien, um den Glauben zu nähren, sagte der Papst. Eine allein subjektive oder analytische Interpretation werde dem umfassenden Sinn der kirchlichen Tradition der vergangenen Jahrhunderte nicht gerecht.

Die Ausstrahlung und das Charisma des Papstes hat auch in dieser Woche Prominente begeistert. Im Interview mit katholisch.de sagte der deutsche Kurienkardinal Paul Josef Cordes: "Wie er im Augenblick die vatikanischen Gewohnheiten durcheinander bringt, das gefällt mir durchaus". Mit seiner Art bringe Franziskus im Vatikan einige Leute in Unruhe und treibe ihnen den Schweiß auf die Stirn: "Aber er ist da sehr unbekümmert", so Cordes.

EKD-Vorsitzender schwärmt - gemeinsames Dokument fast fertig

Geradezu ins Schwärmen kam Nikolaus Schneider, Ratsvorsitzender der Evangelischen in Deutschland (EKD). Drei Tage nach der rund zwanzig-minütigen Begegnung mit Franziskus im Vatikan sagte er der Wochenzeitung "die Zeit": "Das Schönste am Besuch bei dem neuen Papst war für mich die Emotionalität. Man merkte, da sucht einer die Nähe zum anderen Menschen." Bei dem Empfang habe Franziskus die protokollarische Inszenierung in den Hintergrund treten lassen. Der Argentinier habe das Talent, die menschlichen Dimensionen seines Amtes klarzumachen: "das Dienende, nicht das Prunkvolle und Imposante".

Am Tag nach dem Besuch Schneiders im Vatikan wurde bekannt, dass das Dokument der katholisch-evangelisch-lutherischen Kommission zum gemeinsamen Reformationsgedenken 2017 kurz vor der Veröffentlichung steht. Der Text mit dem Titel "Vom Konflikt zur Gemeinschaft" sei fertig, sagte der vatikanische Ökumeneminister Kardinal Kurt Koch am Dienstag gegenüber Radio Vatikan.

Ban Ki Moon lädt Papst zur UNO nach New York ein

Am Dienstag traf Franziskus mit dem Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki Moon zusammen. Beide verliehen ihrer Besorgnis um die Konflikte in Nordkorea und Syrien sowie über die Lage der Menschen in Afrika Ausdruck. Im Anschluss an das Treffen sagte Ban Ki Moon, es sei eine "erhebende und hoffnungsvolle" Begegnung gewesen. Er lud Franziskus zu einer Rede vor den Vereinten Nationen in New York ein.

Leidenschaft für den Fußball: Bergoglio ist Fan und Mitglied des Vereins San Lorenzo de Almagro.
Leidenschaft für den Fußball: Bergoglio ist Fan und Mitglied des Vereins San Lorenzo de Almagro.

Geradezu untypisch für den neuen Papst wäre es, wäre aus der vergangenen Woche nicht auch von einigen symbolträchtigen Gesten zu berichten. So nutzte Franziskus am Sonntag bei der Inbesitznahme der Lateranbasilika nicht mehr den Kreuzstab seines Vorgängers, sondern kehrte zu dem Stab von Paul VI. (1963-1978) und Johannes Paul II. (1978-2005) zurück. Die bronzene sogenannte "Ferula" Pauls VI. ist schlichter als die zuletzt von Benedikt XVI. verwendete und ist um die Darstellung des gekreuzigten Christus ergänzt. Auch der deutsche Papst hatte diesen Stab zunächst benutzt, dann aber das Geschenk eines römischen Wohltätigkeitsvereins angenommen.

Papst trifft Fußballclub und Punksängerin

Für Überraschung sorgte der Papst auch mit einer anderen Geste: Erstmals richtete Franziskus während seiner dritten Generalaudienz an Teilnehmer einen nichtitalienischen Gruß. Anlass war die Anwesenheit von Mitgliedern des Fußballclubs San Lorenzo aus Buenos Aires, seinem früheren Erzbistum. Ihr Besuch sei "sehr wichtig", sagte Franziskus auf Spanisch. Bislang hatte er selbst Pilger aus seiner argentinischen Heimat nur auf Italienisch begrüßt. Als Dank erhielt er ein Trikot des Vereins, dem Franziskus schon seit seiner Kindheit die Treue hält.

Im Anschluss an die Generalaudienz auf dem Petersplatz schüttelte auch die amerikanische Punksängerin Patti Smith (66) dem Papst die Hand. "Ich finde, dass er eine interessante Persönlichkeit ist, er gefällt mir sehr", sagte sie daraufhin. Sie habe sich sehr gefreut, dass der neue Papst den Namen Franziskus gewählt habe. "Ich bin nicht katholisch und sehe die Dinge ohne die Last der Dogmen, aber ich finde es schön und mutig, dass er einen Namen ausgewählt hat, der Bescheidenheit ausdrückt." (mit Martial von KNA und dpa)

Von Gabriele Höfling

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