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Franziskus gilt als Technikmuffel. Warum empfängt er dann den Google-Chef?

Unter Weltmarktführern

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Papst Franziskus empfängt Google-Chef Eric Schmidt im Vatikan.
Bonn - In der Vatikan-Kolumne "Franz & Friends" geht es in dieser Woche um den Empfang von Google-Chef Eric Schmidt im Vatikan und Spekulationen über dieses Treffen.

Der einst so öffentlichkeitsscheue Jorge Bergoglio trifft ja so manchen Promi, seit er Papst Franziskus ist. Nun war es der Vorstandsvorsitzende des Google-Mutterkonzerns. Doch warum das? Schließlich geschieht es nur ziemlich selten, dass das römische Kirchenoberhaupt Führungsspitzen von Wirtschaftskonzernen empfängt. Nun, man weiß es nicht – denn Einzelheiten über das Gespräch teilte der Vatikan nicht mit. Da eine solche Begegnung unter Weltmarktführern doch aber einen außergewöhnlichen Reiz hat, müssen zumindest ein paar Spekulationen erlaubt sein.

Eric Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Alphabet-Holding, unterstützt unter anderem US-Präsident Barack Obama als Berater für Technologiefragen. Zudem hat er laut Radio Vatikan unter anderem auch schon die Präsidenten Kubas und Nordkoreas getroffen. Damit wären schon mal drei Spielplätze der internationalen Diplomatie 2016 benannt. Noch spannender aber ist das mediale Kerngeschäft Schmidts. Der heute 60-jährige Manager gehörte von 2006 bis 2009 zum "inner circle" des Software-Riesen Apple. Von 2011 bis 2015 war er Executive Chairman von Google. Und im Zuge der jüngsten Umstrukturierung des Konzerns übernahm er diese Funktion nun in der neuen Holding Alphabet. Sie umfasst 26 Unternehmen, darunter Google und Youtube.

Dass der bald 80-jährige Franziskus nicht gerade technikaffin ist, ist bekannt. Offizielle Fotos zeigten einen sichtlich unwilligen Papst mit einem iPad, das ihm womöglich ein vatikanischer
PR-Manager in die Hand gedrückt hatte. Und bosnischen Jugendlichen riet er großväterlich, die Verantwortung, das richtige Programm auszuwählen, selbst wahrzunehmen. "Wenn
da etwas läuft, was die Werte niedermacht, auch Schweinereien: den Kanal wechseln!" Das habe er auch "in der Steinzeit mit den Büchern so gemacht". Die "Aus"-Taste als wichtigste von allen – mehr als das wird er dem Software-Boss schon angeboten haben.

Google, das ist der neue Markt, die neue Wirtschaft, der neue Kapitalismus. "Diese Wirtschaft tötet" – der Satz von Papst Franziskus hat in die Welt eingeschlagen wie kaum ein zweiter. Er ist ihm aber auch häufig um die Ohren geflogen, denn er fußt auf einem Kapitalismusbild des 20. Jahrhunderts, das so nicht mehr unbedingt den Kern der Sache trifft. Klar: Arbeiterrechte werden nicht nur in Bergwerken und Fabriken mit Füßen getreten. Niedrige Löhne werden auch in Callcentern und im Internet-Versandhandel gezahlt. Die Umwelt wird auch geschädigt, wenn eine einzelne DVD in Plastik verpackt und über Tausende Kilometer nach Deutschland verschickt wird.

Jedoch: Unterschätze nie einen Jesuiten! Hinter verschlossenen Türen haben zwei so kluge wie weltläufige Menschen gesprochen. Wenn der Papst dem Google-Manager mit auf den Weg gegeben hat: Shitstorming tötet, Dschihad 2.0 auch und Flashmobs à la Köln und Kalkutta sowieso – das wär doch schon eine Hausaufgabe! Und wenn Schmidt den Papst gefragt hat: Wie können wir da gemeinsam marschieren? Umso besser.

Hintergrund: Christ & Welt

Diesen Text der Kolumne "Franz & Friends" publiziert katholisch.de mit freundlicher Genehmigung von "Christ & Welt", einer Beilage der Wochenzeitung "Die Zeit". "Christ & Welt" - das sind sechs Seiten, die sich auf Glaube, Geist und Gesellschaft konzentrieren, sechs Seiten mit Debatten, Reportagen und Interviews aus der Welt der Religionen. "Christ & Welt" ist im Jahr 2010 aus der traditionsreichen Wochenzeitung "Rheinischer Merkur" hervorgegangen.

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