Urlaub fällt aus
Das erste große Lehrschreiben von Papst Franziskus ist dem Vernehmen nach etwa 90 Seiten lang. Es unterstreicht die Bedeutung des Glaubens für die Kirche, und fügt sich damit zentral in das bis zum 24. November dauernde "Jahr des Glaubens" ein. Es geht dabei aber nicht nur um eine abstrakte theologische Reflexion über den Glauben der Kirche, wie ihn etwa der Katechismus darstellt. Das Lehrschreiben befasst sich offenbar auch mit dem Handeln - etwa in der Caritas und für die Armen - das sich zwingend aus diesem Glauben ergeben muss.
Besuch auf Lampedusa
Das Lehrschreiben erscheint rechtzeitig zu Beginn der Sommerpause, aber Papst Franziskus gönnt sich selbst offenbar kaum Ferien. Für kommenden Montag hat er einen rund vierstündigen Besuch auf der Flüchtlingsinsel Lampedusa angekündigt. Der Papst wolle für die Toten beten und mit Überlebenden zusammentreffen. Die Reise sei zugleich ein Appell an die Verantwortlichen, für diese Menschen "in extremster Not" zu sorgen. Der Besuch solle in "möglichst diskreter Form" erfolgen.
Einen Sommerurlaub - etwa in den norditalienischen Alpen, wie seine Vorgänger - hat Franziskus nicht vorgesehen. Er will im Wesentlichen im Vatikan bleiben und im Gästehaus Santa Marta wohnen, heißt es aus Kirchenkreisen. Allerdings wollen Beobachter nicht ausschließen, dass er sich in den Tagen vor seiner Brasilienreise Ende Juli doch für einen kurzen Aufenthalt nach Castel Gandolfo begibt. Zu einer Zeit, wo sich möglicherweise auch sein Vorgänger Benedikt XVI. dort aufhält.
Wichtige Wochen nach der Sommerpause
Etwas Entlastung findet Franziskus in den Sommermonaten dadurch, dass die wöchentlichen Generalaudienzen ausfallen. Bereits vor einiger Zeit hatte der Vatikan die Mittwochs-Treffen für den Monat Juli abgesagt. Jetzt hat er diese Begegnungen auch für den August abgesagt. In erster Linie wegen der römischen Hitze, meinen Vatikanbeobachter. Es sei nicht zumutbar und verantwortbar, dass die Gläubigen mehrere Stunden lang auf dem Petersplatz ausharrten, hört man. Denn wegen der zu erwartenden Menschenmassen könne man nicht in die Audienzhalle ausweichen.
Franziskus nimmt seine Begegnungen mit den Gläubigen daher erst am 4. September wieder auf. Dann aber beginnen für ihn und für sein Pontifikat wichtige Wochen. Anfang Oktober trifft erstmals die achtköpfige Kardinalsgruppe zusammen, die den Papst beraten und ihm Vorschläge zur Kurienreform unterbreiten soll. Natürlich wird die Gruppe dabei auch mit dem Papst zusammentreffen, der am 4. Oktober zu einem wichtigen Besuch im mittelitalienischen Assisi, dem Geburtsort des Heiligen Franziskus.
Personalentscheidungen stehen an
Die Gruppe wird im Oktober nicht bei Null anfangen. Dem Vernehmen nach gibt es bereits rege Kontakte unter den Mitgliedern. Zudem sollen Vorschläge und Anregungen aus allen Bereichen und Regionen der Weltkirche bei dem Gremium eintreffen.
In den kommenden Monaten wird Franziskus darüber hinaus wichtige Personalentscheidungen fällen, insbesondere muss er einen neuen Kardinalstaatssekretär ernennen. Italienische Vatikanexperten spekulieren seit Tagen über personelle Veränderungen, wonach einige Kurienkardinäle mit der Leitung italienischer Diözesen betraut werden sollen. Zumindest für das Erzbistum Bologna, wo mancher bereits Kardinal Mauro Piacenza von der Klerus-Kongregation als neuen Oberhirten sah, sind solche Überlegungen jedoch bereits überholt. Amtsinhaber Kardinal Carlo Caffarra werde auf Wunsch des Papstes, so heißt es, noch zwei weitere Jahre im Amt bleiben.
Von Johannes Schidelko (KNA)