Vatikan-Mitarbeiter: Kirche würdigt Ordensfrauen nicht genug
Michael Weninger, Mitarbeiter des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog, hat Kritik am Umgang der Kirche mit Ordensfrauen geübt. Im Hinblick auf deren Position und Behandlung gebe es Nachholbedarf, sagte der Priester der Erzdiözese Wien am Dienstag der österreichischen Nachrichtenagentur "kathpress". So würden Ordensfrauen teilweise "für die Zwecke einer männerzentrierten Kirche instrumentalisiert". Die Folgen seien Fälle von Ausbeutung, die in den vergangenen Jahren öffentlich geworden sind.
"Ordensfrauen werden aktuell nicht genug gewürdigt und an den Rand gedrängt", so Weninger weiter. Grund sei unter anderem das Kirchenrecht, das Ordensfrauen "wie Laien behandelt". Durch ihren "frommen Lebenswandel" und eine "exzellente Ausbildung" müssten sie eigentlich führende Rollen in der Kirche einnehmen, appellierte der Vatikan-Mitarbeiter.
"Geschwisterliche Kirche" müsse Ziel sein
Es gelte nun, "den Schatz der Frauen" zu heben und ihr Potenzial für die Kirche zu nutzen. Ziel müsse eine "geschwisterliche Kirche" sein. Weninger wies in diesem Zusammenhang auch auf die Enzyklika "Fratelli tutti" hin. Darin hob Papst Franziskus die Geschwisterlichkeit der Kirche und die Gleichwürdigkeit der Geschlechter hervor. "Wir müssen weg von einer männerzentrierten klerikalen Kirche", so der Vatikan-Mitarbeiter. Eine "klerikalisierte Frauenkirche" sei aber auch kein Ausweg, betonte er.
Zuletzt hatte eine Umfrage des katholischen Hilfswerks missio Aachen ergeben, dass der Missbrauch an Ordensfrauen durch Kleriker weltweit ein Problem sei. Die Teilnehmer an der Erhebung hätten von Angst, Scham sowie einer Kultur des Schweigens und der Vertuschung berichtet sowie eine Stigmatisierung der Opfer nach Übergriffen beklagt. Zugleich hätten sich patriarchalische Machtstrukturen und ein überkommener Klerikalismus als größte Herausforderungen bei der Nachverfolgung von Vorfällen gezeigt. Es gelte, das Leid der missbrauchten Ordensfrauen zu sehen, anzuerkennen und zum Thema in der Weltkirche machen, so missio-Präsident Dirk Bingener. (mal)