Viel Lob für die Päpste
Das Gespräch mit Franziskus drehte sich nach Seehofers Worten insbesondere um die Bereiche Wirtschaftsethik und Flüchtlingspolitik. Franziskus habe darauf gepocht, dass der einzelne Mensch bei allen politischen Entscheidungen das Maß der Dinge sein müsse, sagte der CSU-Politiker nach der Begegnung in Rom. Man sei sich einig gewesen in der Kritik eines ungezügelten Spekulationskapitalismus, der seit der Jahrtausendwende um sich gegriffen habe und nun gescheitert sei.
Mit Franziskus sei große Bewegung in die katholische Kirche gekommen, sagte Seehofer. Er freue sich über die "Aufbruchstimmung", die auch beim jüngsten Katholikentag in Regensburg "mit Händen zu greifen" gewesen sei. Es sei gut für die ganze Menschheit, dass derzeit ein Papst die Welt verändere, so der katholische Politiker. Franziskus bezeichnete er als eine extrem starke Persönlichkeit mit unabänderlichen Überzeugungen.
Landesregierung habe sich mehrmals von der Kirche überzeugen lassen
Seehofer begrüßte eine Kirche, die sich in die Politik einmischt und kompromisslos christliche Werte vertritt: "Es muss schon diese Instanz geben, die das unerbittlich immer wieder einfordert." Mehrfach habe sich die bayerische Landesregierung in den vergangenen Jahren bei bestimmten Entscheidungen von Einwänden der Kirchen überzeugen lassen, etwa in der Flüchtlingspolitik.
Im Gespräch mit Franziskus habe er die gute Zusammenarbeit zwischen dem Land Bayern und der katholischen Kirche hervorgehoben, sagte der Ministerpräsident vor Journalisten. Es sei wichtig, dass die Kirche die Menschen erreiche. Als Beispiel nannte er den volkstümlichen Münchner Kardinal Reinhard Marx. Er wünsche sich eine selbstbewusste, starke Kirche, so Seehofer.
Großer Präsentkorb für Papst Franziskus
Seehofer überreichte Franziskus einen großen Präsentkorb mit bayerischen Spezialitäten, darunter Bier, Dauerbrezen, Griebenschmalz, Würzburger Silvaner, Senf und Obstler - und einen Scheck über 5000 Euro für syrische Flüchtlingskinder im Libanon. Der Papst bedankte sich auf Deutsch - und überreichte Seehofer im Gegenzug ein Exemplar seines ersten apostolischen Lehrschreibens "Evangelii Gaudium" (Freude des Evangeliums). Gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten waren auch Landtagspräsidentin Barbara Stamm, die stellvertretende Ministerpräsidentin Ilse Aigner, Kultusminister Ludwig Spaenle, Europaministerin Beate Merk und der Integrationsbeauftragte Martin Neumeyer (alle CSU) nach Rom gereist.
Im Anschluss an die Audienz mit Papst Franziskus hat die bayerische Delegation auch Papst Benedikt XVI. besucht. Seehofer zeigte sich in der anschließenden Pressebegegnung beeindruckt von der geistigen Präsenz des 87-Jährigen. "Er ist voll da", sagte Seehofer. Gesundheitlich mache Benedikt einen den Umständen entsprechend stabilen Eindruck. Im persönlichen Gespräch sei der emeritierte Papst entspannt und humorvoll. Von seinem Rücktritt als amtierender Pontifex sei er nach wie vor völlig überzeugt, so der Ministerpräsident.
Trotz aller Vorfreude gab es aber doch einen Wehrmutstropfen: Einen weiteren Besuch in seiner Heimat Bayern habe Papst Benedikt ausgeschlossen, berichtete Seehofer den Journalisten. "Er hat gesagt, dass er sich eine Regel auferlegt habe: Er ist jetzt Mönch, und diese Regel möchte er nicht aufgeben." (som/KNA/dpa)