Vier Heiligsprechungen und eine neue Behörde
Das mag auch an der Tagesordnung gelegen haben. Letztendlich berieten die Purpurträger eigentlich "nur" über Personalien – die waren jedoch besonders. So legte das Gremium den 18. Oktober als Termin für die erste Heiligsprechung eines Ehepaares fest, das nicht ein Martyrium erlitten hat. Die Rede ist von den französischen Eheleuten Louis und Zelie Martin (1823-1894 und 1831-1877).
Sind sie erst einmal zur Ehre der Altäre erhoben, ist die erste heilige Familie der Neuzeit komplett: Denn die Martins sind die Eltern der heiligen Therese von Lisieux. Die Karmelitin, die 1897 im Alter von nur 24 Jahren starb, wurde schon 1925 heiliggesprochen. 1997 ernannte sie Papst Johannes Paul II. nach Katharina von Siena und Theresa von Avila als dritte Frau zur Kirchenlehrerin.
Voraussetzung für eine Heiligsprechung ist die Anerkennung eines Wunders, das auf Fürsprache der jeweiligen Person geschehen ist. Im Falle der Martins hatte Franziskus eine medizinisch unerklärliche Heilung als solches anerkannt. Das Datum ihrer Kanonisierung ist übrigens symbolträchtig: Es fällt in die Zeit der mit Spannung erwarteten Familiensynode im Vatikan, die im Oktober tagt.
Auch ein Priester und eine Ordensfrau werden heiliggesprochen
Zusammen mit den Martins werden dann auch noch zwei weitere Vorbilder im Glauben heiliggesprochen. Der italienische Priester Vincenzo Grossi (1845-1917) gründete 1885 das "Institut der Schwestern des Oratoriums", das sich besonders dem Dienst für bedürftige Jugendliche widmet. Und die spanische Ordensfrau Maria Isabella Salvat Romero (1926-1998) war seit 1977 Generaloberin der Schwestern der Gesellschaft vom Kreuz.
Neben den bevorstehenden Heiligsprechungen war auch die Ökumene am Samstag ein Thema im Vatikan. Franziskus bezeichnete sie in einer Botschaft an eine Delegation des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel als eines seiner "Hauptanliegen". Eine Abordnung der orthodoxen Katholiken ist zu den Feierlichkeiten des Patronatsfests Peter und Paul am kommenden Montag in den Vatikan gekommen. Er hoffe, dass die noch bestehenden Vorurteile und Missverständnisse durch gegenseitige Kenntnis und Wertschätzung überwunden werden könnten, erklärte Franziskus.
Was sind Heilige? Ein Beitrag der Serie "Katholisch für Anfänger".
"Die Probleme, die wir im Zuge des theologischen Dialogs noch erleben, dürfen nicht zu Entmutigung und Resignation führen", so lautet sein Appell. Ziel bleibe die gemeinsame Eucharistiefeier von Katholiken und Orthodoxen. Auch der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I. betonte in einer Botschaft, es müsse auf die Vollendung der Einheit der Kirchen hingearbeitet werden.
Am Samstag wurde außerdem bekannt, dass bereits am Montag im Vatikan eine neue, nicht unwichtige Institution ihre Arbeit aufnimmt: Papst Franziskus hat - wie es sich in den vergangenen Wochen schon angekündigt hatte - alle vatikanischen Medienaktivitäten in einer einzigen Behörde gebündelt. Ein entsprechendes "Motu proprio" wurde am Wochenende veröffentlicht. Dienstsitz des neuen "Sekretariats für Kommunikation" ist vorläufig das Gebäude von Radio Vatikan.
Medien werden von neuem Sekretariat koordiniert
Dessen Einrichtung ist ein weiterer Schritt in der grundlegenden Reform der vatikanischen Medien. "Das momentane Kommunikationsumfeld, das durch die Präsenz und Entwicklung digitaler Medien, Konvergenz und Digitalität gekennzeichnet ist, macht ein Überdenken des Informationssystems des Vatikans nötig", so begründet Franziskus seinen Schritt.
Der Päpstliche Medienrat, der Pressesaal des Heiligen Stuhles, der vatikanische Internet-Service, Radio Vatikan, das Vatikan-Fernsehen CTV, die Zeitung L'Osservatore Romano mit ihrem Fotodienst, die vatikanische Druckerei und der Verlag Libreria Editrice Vaticana sollen in Zukunft weiter eigenständig arbeiten, jedoch von dem neuen Sekretariat koordiniert werden. Präfekt der neuen Behörde wird der italienische Priester und CTV-Direkor Dario Edoardo Vigano. Als promovierter Kommunikationswissenschaftler scheint er mindestens formal für die neue Aufgabe qualifiziert. (mit Material von dpa und KNA)