Von der Socke
Lücking-Michel hatte am Samstag bei einem Referat über die "Zukunftshorizonte christlicher Sexualethik" lobend erwähnt, dass Papst Franziskus am Gründonnerstag auch weiblichen Strafgefangenen die Füße gewaschen und geküsst habe. In der "gleichen Szene in den Jahren vorher" habe dagegen Papst Benedikt XVI. "ausgewählten Männern, in der Regel Priestern", die Füße gewaschen, "die sie ihm mit angezogenen Socken entgegen halten, damit er ihnen einige wenige Tropfen Weihwasser draufsprengen kann".
Im Zentrum des Sturms
Daraufhin hatten zahlreiche Internetuser auf Twitter, Facebook und in Internet-Blogs Lücking-Michel und das ZdK insgesamt heftig kritisiert. Viele hatten dabei auch auf Filmaufnahmen verwiesen, die Fußwaschungen zeigen, bei denen Papst Benedikt XVI. auch Männern ohne Socken die nackten Füße gewaschen hatte.
Lücking-Michel betonte in ihrer Erklärung, "dass es nicht in meiner Absicht lag mich rückblickend über die liturgische Praxis von Papst Benedikt lustig zu machen oder sein Wirken in irgendeiner Form herabzuwürdigen". Es tue ihr leid, dass dieser Eindruck entstanden sein könnte.
Ihr Anliegen sei es vielmehr hervorzuheben, "wie großartig das Zeichen von Papst Francesco war, als er am Gründonnerstag jungen Gefangenen, darunter auch Frauen, die Füße gewaschen und diese auch tatsächlich geküsst hat". Distanzierend und sehr kritisch habe sie sich im Weiteren vor allem bezogen auf die nachfolgende Debatte in Teilen des Internets, die diese Praxis des neuen Papstes heftig kritisiert hatte.
Konservative kritisierten Geste von Papst Franziskus
Konservative und traditionalistischer Katholiken hatten vor allem argumentiert, Jesus habe den zwölf Aposteln, also nur Männern, die Füße gewaschen. Der Vatikan hatte daraufhin entgegnet, die Fußwaschung an Frauen sei "pastoral begründet" und zulässig gewesen. Bei der Geste der Fußwaschung handele es sich nicht um ein Sakrament, wenn auch um einen wichtigen Ritus, für den es jedoch keine Gesetze gebe
Bei den orientalischen Völkern des Altertums war die Fußwaschung Gebot der Gastfreundschaft. Jesus wollte mit dieser Geste beim letzten Abendmahl der biblischen Überlieferung zufolge ein Zeichen dienender Liebe setzen. Fußwaschung und Abendmahl stehen demnach für eine Selbsthingabe Jesu.