Suche
Die Woche mit Papst Franziskus

Wenn ein 80-Jähriger sich keine Ruhe gönnt

Dieser Inhalt ist nur erlaubt, wenn Sie Cookies vom Typ "readspeaker" zulassen.

Vatikan - Franziskus gönnt sich keine Ruhe. Gerade erst von einer anstrengenden Asien-Reise zurück, stürzt er sich wieder in die Arbeit. Dabei vermischen sich Offizielles, Persönliches und Humorvolles. Ein Wochenrückblick.

Andere Leute im Alter von 80 Jahren brauchen nach einer sechstägigen Reise nach Myanmar und Bangladesch erstmal zwei Wochen Urlaub. Nicht so Franziskus. Der Papst absolvierte in der vergangenen Woche sein übliches Arbeitspensum, so als wäre er die ganze Zeit im Vatikan geblieben. Am Samstag um 21.40 Uhr nach einem sechsstündigen Flug von Dhaka in Rom gelandet, präsentierte er sich bereits am Sonntag wieder pünktlich um 12 Uhr zum Angelus-Gebet am Fenster des Apostolischen Palastes. Als Franziskus die Gläubigen auf dem Petersplatz aufforderte, im Advent wachsam zu sein, fragte sich wohl so mancher Zuhörer, wie der Papst selbst es schafft, nach solchen Strapazen noch derart wach auszusehen. Und am Montag standen dann schon wieder fünf Privataudienzen auf dem Programm von Franziskus, unter anderem für den neuen Botschafter von Ecuador und einen emeritierten Bischof aus seinem Heimatland Argentinien.

Papst: Beim Beten die Augen schließen, ist keine Demut

Der Dienstag stand im Zeichen einer ungewöhnlichen Geste: Der Papst begab sich persönlich in die römische Ordenszentrale der Jesuiten, um an der Totenmesse für seinen früheren Sekretär und Fahrer teilzunehmen. Der Jesuit Salvador Angel Mura war in seiner Zeit als Ordensoberer der argentinischen Jeusiten seine rechte Hand gewesen und chauffierte ihn durch das Verkehrschaos der argentinischen Hauptstadt und die Pampa. Fotos vom stillen Gebet des Papstes für seinen verstorbenen Weggefährten gibt es nicht. Die Augen dürfte Franziskus jedoch nicht geschlossen haben. Schließlich hatte er zuvor in der Morgenmesse gesagt, mancher Christ glaube fälschlicherweise Demut bedeute, "beim Beten die Augen zu schließen". Tatsächlich bedeute Demut, dass man in der Lage sei, Demütigungen zu ertragen, so der Papst in der Kapelle des vatikanischen Gästehauses Santa Marta.

Der Nikolaus ist am Mittwoch nicht zum Papst gekommen, jedenfalls wurde nichts davon bekannt. Einige Beobachter hatten aber spekuliert, es könnte zumindest ein neuer päpstlicher Zeremonienmeister kommen, der den bisherigen Amtsinhaber Guido Marini ablöst. Doch das geschah nicht. Die einzige Personalie an diesem Tag war ein neuer Bischof für das brasilianische Campo Mourao.

Eine Geburtstagsmesse für einen Kardinal

Normalerweise feiert der Papst keine besonderen Messen zu Geburtstagen. Doch in diesem Fall machte er eine Ausnahme: Am Donnerstag zelebrierte Franziskus einen Gottesdienst anlässlich des 90. Geburtstags des italienischen Kardinals Angelo Sodano, dem Dekan und damit ranghöchsten Vertreter des Kardinalskollegiums. Der liegt allerdings schon zwei Wochen zurück. Nach der Messe in der Paulinischen Kapelle des Apostolischen Palastes machte er Sodano ein Kompliment, das aus seinem Mund für manche ungewohnt klingen mag: Das Geburtstagskind sei ein „disziplinierter Mann der Kirche“, so Franziskus.

Zum Abschluss des Reformationsjahrs gab Franziskus am Donnerstag auch noch einen Impuls für die Ökumene. "Wer stillsteht, der kehrt in Wirklichkeit um, sagte er vor einer Delegation des Lutherischen Weltbundes. "Sich zufriedengeben, zurückbleiben aus Angst, Faulheit, Müdigkeit oder Bequemlichkeit, statt mit den Geschwistern zusammen auf den Herrn zuzugehen, heißt seine Einladung auszuschlagen."

Marias Geheimnis ewiger Jugend

Heute hat der Papst ein wenig Luft. Zumindest stehen keine Audienzen auf dem päpstlichen Programm. Das Hochfest "Mariä Empfängnis" ist traditionell Feiertag im Vatikan. Am Nachmittag begibt er sich wie üblich zum Gebet zur Mariensäule an der Spanischen Treppe in der römischen Innenstadt. Bereits in seiner Ansprache zum Angelus-Gebet machte der Papst deutlich, dass die unbefleckte Empfängnis Mariens nicht nur eine theologische, sondern auch eine kosmetische Komponente hat: Die Gottesmutter Maria werde immer jung dargestellt, weil sie ohne Sünde sei, erklärte er. Nicht die Zahl der Jahre mache einen Menschen alt, sondern die Sünde, "weil sie das Herz verknöchert", so Franziskus.

Wie jung die Maria in der Krippe auf dem Petersplatz aussieht, die seit Donnerstagabend erleuchtet ist, dürfte der Papst allerdings erst nach Weihnachten mit eigenen Augen sehen, wenn er traditionell die Krippe besucht. Franziskus selbst wird jedenfalls nicht jünger: Am Sonntag feiert er seinen 81. Geburtstrag. (tja)

kna-katholisch-swarm-node2 (0.014s)