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Andreas Püttmann plädiert für die Beichte

Wider die doktrinellen Sündenallergiker!

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Schachfigur
Bonn - Andreas Püttmann plädiert für die Beichte

Der "progressive", menschenfreundliche Papst wirbt eindringlich für etwas, das "aufgeklärte" Geister mit einem vakuumverpackten Kirchenbild von vor Jahrzehnten als Folterwerkzeug aus der Asservatenkammer des Christentums betrachten: für die Beichte. In der modernen Theologie und Pastoral wurde sie wie der Teufel und die Erbsünde so lange verpönt, relativiert und beschwiegen, bis sie im Leben deutscher Pfarrgemeinden, so Franziskus, "vielfach verschwunden" war. Als Residuen blieben: Wallfahrtsorte, Klöster, zentrale Großstadtkirchen, Glaubens-Massenevents. Ein Verlust für unsere Gewissenskultur!

Gleichzeitig breitete sich in der Gesellschaft eine Tendenz zur Selbstentschuldigung und Fremdattribution aus. Als Ursachen moralischen Versagens gelten stets soziale Missstände, psychische Bedrückungen, verfehlte Pädagogik, falsche Politik: Umstände, Strukturen, die Anderen. Ich staune immer wieder, wie schwer es selbst ethisch gebildeten Menschen – einschließlich Klerikern – fällt, einen evidenten Verstoß gegen moralische Regeln einzugestehen und um Vergebung zu bitten.

Das chronisch gute Gewissen ist nicht nur unter doktrinellen Sündenallergikern und Relativisten verbreitet, sondern auch unter "glühenden" Katholiken. Alleine und mit anderen. So geriet der Limburger Lügen- und Verschwendungsskandal zum Offenbarungseid ausgerechnet jener Kreise, die die Unverzichtbarkeit des Schuldbekenntnisses in Liturgie und Beichtstuhl eifrig verteidigen. Statt demütig den eigenen Irrtum und die Schuld ihres Idols einzugestehen, fräste sich eine "narzisstische Kirche" im Unschuldswahn katakombensüchtig in den Domfelsen.

"Der Mensch ist nie so schön, als wenn er um Verzeihung bittet oder selbst verzeiht", fand Jean Paul. Dabei dürfen aber selbst im "Jahr der Barmherzigkeit" Einsicht, Reue, Bekenntnis, Buße bzw. Wiedergutmachung und Besserungsvorsatz – die fünf Stufen christlicher Versöhnung – nicht übersprungen und durch ein fromm verbrämtes "Schwamm drüber" ersetzt werden. Es gibt keine Versöhnung mit Gott am verletzten Mitmenschen vorbei. Nutzen wir die verbleibende Fastenzeit zur Gewissenserforschung und zum Neuanfang in der Osterbeichte. Lassen wir unsere Priester nicht vergeblich im Beichtstuhl warten. Es gibt kaum ein traurigeres Symbol für eine Gesellschaft ohne Gott und für Christen ohne Sehnsucht nach "Erlösung von dem Bösen", die sie im Vaterunser auf den Lippen tragen.

Hinweis

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