"Wir haben nichts zu verbergen"
Der Kölner Kardinal Joachim Meisner bezeichnete zudem Christus in Gestalt der Hostie als "die große Kraftreserve" der Kirche: "Darum gehen wir Fronleichnam auf die Straßen. Wir haben nichts zu verbergen", so der Kardinal.
An Fronleichnam, dem "Fest des Leibes und Blutes Christi", verehren die Katholiken die Gegenwart Jesu im Sakrament der Eucharistie. In Prozessionen tragen Geistliche Monstranzen mit der als Leib Christi verehrten Hostie durch die Straßen. Fronleichnam ist gesetzlicher Feiertag in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland sowie in einigen Gemeinden in Sachsen und Thüringen
Mehr als katholische Folklore
Fronleichnam sei mehr als katholische Folklore, sagte der Münchner Kardinal Reinhard Marx auf dem Marienplatz der Stadt. "Die Prozession ist nicht eine Demonstration gegen irgendetwas, sondern sie ist ein Zeichen dafür, dass Christus hier lebt und leben soll!", so Marx.
Die Kirche habe "keine Angst vor dem Pluralismus, vor einer vielfältigen Kultur, vor anderen Religionen, vor anderen Überzeugungen". Marx rief dazu auf, die christliche Botschaft in die Gesellschaft hineinzutragen: "Wenn wir das Zeugnis für Christus relativieren, dann bringen wir die Menschen darum, Christus zu begegnen."
In Bamberg appellierte Erzbischof Ludwig Schick an die Christen, nicht in der eigenen Frömmigkeit zu schmoren. Zwar werde die Kirche als Träger sozialer Einrichtungen akzeptiert; wer jedoch ein Leben nach dem Evangelium führe, ernte oft nur ein müdes Lächeln, so Schick. Jesus habe dazu aufgerufen, in die Welt zu gehen und das Evangelium zu verkünden.
Der Passauer Bischof Wilhelm Schraml betonte: "Wer zu Christus gehört, muss die Welt gestalten." Schraml verwies auf kriegerische Auseinandersetzungen sowie auf Debatten um die Würde menschlichen Lebens und zur Institution Ehe.
"Unser ganzes Leben ist ein Unterwegssein mit Christus"
Der Rottenburg-Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst kritisierte Experimente zum therapeutischen Klonen menschlicher Zellen. Bei ihnen handele es sich um einen gottvergessenen und "letztlich hilflosen Versuch der Selbsterlösung", sagte Fürst in Rottenburg. Wer sich an Christus erinnere und ihm in Gestalt des Brotes begegne, könne zerstörerischem Allmachtswahn entgehen.
Der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen nannte "die Gegenwart Gottes in der Feier der Eucharistie die innerste Mitte des Geheimnisses". Die Liturgie müsse das Bestreben haben, Gott zu verehren; sie dürfe sich nicht "den Menschen als gefällig oder unterhaltsam anbiedern".
Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige sieht Christen auch in Europa zunehmend diskriminiert. Manche Parteien und Gruppierungen wollten "Religion wieder aus der Öffentlichkeit ins Abseits drängen". Religiöse Symbole wie das Kreuz würden von Menschen anderer Gesinnung immer mehr als unzumutbare Provokation angesehen, so der Bischof am Donnerstagabend.
Die Fronleichnamsprozession zeigt nach Worten des Hamburger Erzbischofs Werner Thissen dass die Christen nicht nur in der Kirche mit Christus unterwegs seien: "Unser ganzes Leben ist ein Unterwegssein mit Christus." Bei der Prozession sei die Begegnung mit Menschen unvermeidlich, die ihr Leben mehr als fortwährende Momentaufnahme ohne Richtung und Ziel sähen. "Wir wollen das respektieren. Aber wir möchten auch respektiert werden", so Thissen.
Papst: Solidarität ein Schüsselbegriff
Papst Franziskus hat die Christen am Fest Fronleichnam zur Solidarität aufgerufen. Zwar sei dies für den mondänen Menschen ein unbequemes Wort, sagte er am Donnerstagabend bei einer feierlichen Messe vor der Lateranbasilika in Rom. Aber Solidarität müsse ein Schüsselbegriff in der Kirche wie in der Gesellschaft sein, vor dem man keine Angst haben dürfte, betonte Franziskus. Aus der Teilnahme an der Eucharistie ergebe sich für Christen die Pflicht, Christus nachzufolgen und mit ihm und den Mitmenschen eine Gemeinschaft zu bilden.
Es war das erste Fronleichnamsfest, das der Papst aus Argentinien auf dem Vorplatz seiner römischen Bischofskirche feierte. Nach der Messe zog eine Prozession mit der Monstranz und der als Leib Christi verehrten Hostie durch die Straßen Roms bis zur Basilika Santa Maria Maggiore.
Vor mehreren Tausend Menschen betonte der Papst, die Eucharistie sei das Sakrament der Gemeinschaft, das Gläubige gemeinsam mit Gott und den Mitmenschen feiern müssten. Es führe den Menschen aus dem Individualismus und aus der Anonymität heraus und halte ihn zum Leben mit Gott und den anderen an, so Franziskus.
Diese Gemeinschaft in der Eucharistie und die Nachfolge Jesu bedeuteten, «dass wir aus uns selbst herausgehen, dass wir unser Leben nicht zum eigenen Besitz machen, sondern uns ihm und den Mitmenschen schenken». Die Eucharistie gebe dem Menschen Kraft, auch in den Schwierigkeiten und Hindernissen des Lebens. (KNA)