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Das Kardinalskollegium verändert unter Franziskus deutlich sein Gesicht

Wohin steuert der "Senat" der Kirche?

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Vatikanstadt - Das Kardinalskollegium nimmt in der vatikanischen Struktur eine herausragende Stellung ein. Unter Franziskus hat es sich bereits deutlich verändert. Welchen kirchenpolitischen Kurs fährt der Papst dabei?

Deutlich aufgewertet hat Franziskus auch die Bischofssynode. Der Kardinalsrat für die Kurienreform - der K9-Rat - wurde zum wichtigen Gremium weit über vatikanische Strukturfragen hinaus. Davon unberührt ist jedoch die herausragende Stellung des Kardinalskollegiums. Der "Senat" der Kirche hat - mit seinen Mitgliedern, die jünger als 80 Jahre sind - nicht nur für die Papstwahl zu sorgen, sondern leistet dem Pontifex "in der täglichen Sorge für die Gesamtkirche Hilfe", wie das Kirchenrecht sagt. Will heißen: Es sind seine obersten Berater.

Papst Franziskus misst der Berufung in dieses ehrwürdige Kollegium allerhöchste Bedeutung zu. Und an der Auswahl werden in besonderer Weise die Anliegen seines Pontifikats deutlich. Schon zweimal seit seinem Amtsantritt hat er den Kreis der Kardinäle ergänzt und erweitert. Klassisches Datum für diese Konsistorien ist der 22. Februar, das liturgische Fest der "Kathedra Petri". 2014 kreierte er dabei 19 und im Folgejahr 20 neue Kardinäle. Mit Blick auf das Heilige Jahr verzichtete er bislang allerdings auf neue Erhebungen.

Bislang 31 neue Kardinäle unter Franziskus

Schon mit seinen ersten beiden Konsistorien hat Franziskus ein gutes Viertel der möglichen Papstwähler neu bestimmt: Von den derzeit 112 unter 80 Jahre alten Kardinälen gelangten 31 in seinem Pontifikat in diesen erlesenen Kreis. 57 wurden von Benedikt XVI. (2005-2013) berufen, 26 von Johannes Paul II. (1978-2005). Der Brasilianer Paolo Evaristo Arns stammt sogar noch aus der Ära Pauls VI. (1963-1978), hat jedoch - wie weitere 100 Kardinäle - die Altersgrenze von 80 Jahren überschritten und könnte nicht mehr an einer Papstwahl teilnehmen.

Papst Franziskus
Papst Franziskus misst der Berufung in das Kardinalskollegium allerhöchste Bedeutung zu. Und an der Auswahl der Mitglieder werden in besonderer Weise die Anliegen seines Pontifikats deutlich.

Bei der Auswahl der Kandidaten hielt sich Franziskus bislang weitgehend an die Linie seiner Vorgänger, freilich setzt er auch neue Akzente. So reduzierte er die Erhebung von Kurialen - nicht jedes leitende Vatikanamt müsse mit dem Kardinalpurpur ausgestattet sein, lautet seine Maxime. Das wiederum ließ ihm mehr Raum für die Auszeichnung von Diözesanbischöfen und Ortskirchen. Allerdings überging er dabei bislang traditionelle Kardinalssitze wie Turin oder Venedig, aber auch etliche große US-Diözesen. Stattdessen rückten Außenseiter wie der für die Flüchtlingsinsel Lampedusa zuständige Erzbischof oder der Oberhirte der bislang wenig auffälligen Adria-Diözese Ancona in den Kirchensenat ein.

Insgesamt setzt Franziskus die seit dem Konzil forcierte Internationalisierung des Heiligen Kollegiums weiter fort. Erstmals zogen 2015 Kardinäle aus Panama, Uruguay, Äthiopien, den Kapverden, Myanmar und Tonga ein - aus Ländern, die bislang weiße Flecken auf der Kardinalskarte bildeten. Der Anteil der Europäer sank dadurch deutlich unter die 50-Prozent-Marke, liegt aber nach wie vor weit über dem Anteil seiner Katholiken.

Auch Franziskus hat bislang noch nicht das oft beschworene Ziel erreicht, das Kollegium müsse die Weltkirche im Kleinen widerspiegeln. Die größte katholische Nation Brasilien (166 Millionen Katholiken) entsendet nur vier Papstwähler, die zweitgrößte Nation - Mexiko (102 Millionen) - zwei, ebenso wie die Philippinen (80 Millionen). Die USA mit ähnlich vielen Katholiken stellen dagegen sieben potenzielle Wahlmänner, und Indien mit knapp 20 Millionen Katholiken sogar fünf.

  • Kardinal Walter Brandmüller.
    Walter Brandmüller: Der am 5. Januar 1929 in Ansbach geborene Kirchenhistoriker Brandmüller war von 1998 bis 2009 Präsident des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaften, dem er seit 1981 angehörte. Dabei widmete er sich unter anderem dem Fall "Galilei" sowie der Rolle der katholischen Kirche während der NS-Zeit und dem Pontifikat Pius XII. Brandmüller wurde im Alter von 81 Jahren am 20. November 2010 von Papst Benedikt XVI. ins Kardinalskollegium aufgenommen.
  • Paul Josef Cordes: Als langjähriger Leiter des Päpstlichen Rates "Cor unum" war der emeritierte Kurienerzbischof Cordes (*1934) von 1995 bis 2010 für die entwicklungspolitische Arbeit des Heiligen Stuhls verantwortlich. Am 24. November 2007 nahm ihn Benedikt XVI. in das Kardinalskollegium auf; seit 2014 ist er altersbedingt nicht mehr zur Papstwahl berechtigt.
  • Walter Kasper: Kasper (*1933) war bis zum Jahr 2010 Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen. Bevor er 1989 Bischof von Rottenburg-Stuttgart wurde, war er in Münster und Tübingen als Dogmatikprofessor tätig. 1999 ging er schließlich nach Rom, um in den Diensten des Vatikans tätig zu werden und wurde am 21. Februar 2001 von Johannes Paul II. zum Kardinal kreiert. Er konnte 2013 noch ein letztes Mal an einem Konklave teilnehmen.
  • Kardinal Karl Lehmann: Lehmann (*1936) war von 1983 bis zu seinem 80. Geburtstag am 16. Mai 2016 Bischof von Mainz. Zudem war er mehr als 20 Jahre lang Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. 2008 gab er seinen Rücktritt von diesem Amt aus gesundheitlichen Gründen bekannt. Der promovierte Philosoph und Theologe lehrte von 1971 bis 1983 Ökumenische Theologie und Dogmatik an der Universität Mainz. Am 21. Februar 2001 erhob ihn der damalige Papst Johannes Paul II. zum Kardinal; er nahm 2005 und 2013 am Konklave teil.
  • Reinhard Marx: Ende 2007 wurde der Westfale auf den Bischofsstuhl der bayerischen Landeshauptstadt berufen. Zuvor war Marx (*1953) seit 1996 Weihbischof in Paderborn und seit 2001 Bischof von Trier. Er ist seit 2012 Präsident der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (Comece) und seit März 2014 Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Zudem gehört er dem sogenannten "K9"-Rat zur Reform der römischen Kurie an.
  • Gerhard Ludwig Müller: Der gebürtige Mainzer Müller (*1947) war von 2002 bis 2012 Bischof von Regensburg. Von 1986 bis zu seiner Bischofsweihe war er Dogmengeschichte-Professor in München. Seit 2. Juli 2012 ist Müller im Vatikan Präfekt der wichtigen Kongregation für die Glaubenslehre; am 22. Februar 2014 wurde er von Franziskus in das Kardinalskollegium aufgenommen.
  • Karl-Josef Rauber: Rauber (*1934) war von 2003 bis 2009 Apostolischer Nuntius in Belgien und Luxemburg. Zuvor war er als Diplomat unter anderem in Uganda, der Schweiz und Liechtenstein tätig. Rauber wurde 1959 zum Priester geweiht. Von 1962 bis 1966 studierte er Kirchenrecht in Rom. Gleichzeitig absolvierte er die Ausbildung an der Päpstlichen Diplomatenakademie. Seit 2015 gehört er dem "Senat" der Kirche an.
  • Joachim Meisner: Meisner (*1933) war über Jahrzehnte einer der bekanntesten und profiliertesten Oberhirten der katholischen Kirche in Deutschland. 1962 empfing er in Erfurt die Priesterweihe und wurde 1975 Weihbischof in der damaligen DDR. 1980 folgte die Ernennung zum Bischof von Berlin. Von 1989 bis zu seinem altersbedingten Rücktritt im Februar 2014 war Meisner Erzbischof von Köln. Am 2. Februar 1983 nahm ihn Johannes Paul II. in das Kardinalskollegium auf.
  • Friedrich Wetter: Kardinal Wetter (*1928) war von 1982 bis 2008 Oberhirte der Erzdiözese München und Freising. Jahrelang leitete er die Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz. Benedikt XVI. nahm Wetters altersbedingten Rücktritt im Februar 2007 an; seit 2008 ist er aufgrund seines hohen Alters nicht mehr papstwahlberechtigt.
  • Rainer Maria Woelki: Der gebürtige Kölner Woelki (*1956) war von 2011 bis 2014 Erzbischof von Berlin, seit September 2014 ist er Erzbischof von Köln. Er ist seit 1985 Priester und war lahrelang Geheimsekretär von Kardinal Joachim Meisner, Direktor des Theologenkonviktes Collegium Albertinum in Bonn und seit 2003 Weihbischof im Erzbistum Köln. Am 18. Februar 2012 nahm ihn Benedikt XVI. in das Kardinalskollegium auf.

    Dabei bemühte sich freilich auch Franziskus um eine gewisse Zahlensymmetrie. Afrika, Asien und Nordamerika stellten zuletzt je 13 Papstwähler. Daneben entfielen auf Lateinamerika 17 und auf Ozeanien drei. Aber weiterhin bilden die Europäer mit etwa 45 Prozent das größte Kontingent. Und darin stellen wiederum die Italiener knapp die Hälfte, nämlich 25 von 53. Auch für Europa ließ sich bislang eine gewisse Zahlensymmetrie ablesen. Die "großen" katholischen Nationen wie Frankreich, Spanien und Polen sind mit jeweils vier Kardinälen im Wahlgremium vertreten.

    Derzeit nur drei deutsche Papstwähler

    Aus Deutschland, das früher mit bis zu sieben papstwahlberechtigten Kardinälen gut bedacht war, kommen derzeit nur noch drei (neben sieben Über-80-Jährigen; siehe Bildergalerie): Reinhard Marx aus München, Rainer Maria Woelki aus Köln sowie Gerhard Ludwig Müller, der Präfekt der Glaubenskongregation. Ob Berlin Kardinalssitz bleibt scheint im Moment offen. Und unklar ist auch, ob darüber hinaus ein weiterer deutscher Bischof - wie zuletzt Karl Lehmann - aufgrund außerordentlicher Verdienste den Kardinalspurpur erhält.

    Bei einem nächsten Konsistorium - sei es im November zum Ende des Kirchenjahres oder im kommenden Februar - könnte Franziskus mindestens 13 neue Kardinäle kreieren. Vermutlich wird er aber erneut die Obergrenze von 120 überschreiten. Dazu dürften einzelne neue Kurienleiter gehören - denn in der Zwischenzeit wurden neue Behörden begründet und mehrere Kurienchefs haben die Altersgrenze überschritten. Vor allem aber wird der Papst den Kardinalspurpur an Leiter von Ortskirchen übergeben, die seinem Bischofsprofil entsprechen. Und danach wird fast die Hälfe der potentiellen Papstwähler seinem Pontifikat und seiner Personalpolitik entstammen.

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