Wunder geschehen
Das Wunder soll eine Heilung sein, die am 1. Mai 2011 stattgefunden hat - dem Tag der Seligsprechung von Johannes Paul II. Der Vatikan bestätigte den neuen Medienbericht zunächst nicht offiziell.
Der langjährige Papstsekretär und heutige Krakauer Kardinal Stanislaw Dziwisz jedoch sagte am Dienstag einem polnischen Radiosender, die Krakauer Kirche danke Gott "dafür, dass die Gebete auf Fürsprache des seligen Johannes Paul II." erhört worden seien. Die vatikanische Kongregation habe mit ihrer Entscheidung die "Heiligkeit" des Papstes aus Polen bestätigt und den Weg aufgezeigt, um ihn zum Vorbild zu erklären.
Vorletzter Schritt auf dem Weg zur Heiligsprechung
Mit dem Votum ist der vorletzte Schritt auf dem Weg zu einer Heiligsprechung des Vorgängers von Benedikt XVI. getan. Ob das Wunder offiziell anerkannt wird, liegt im Ermessen von Papst Franziskus. Nach dessen positiver Entscheidung wäre der Weg für eine Heiligsprechung frei. Sie könnte bereits im Dezember stattfinden.
In den vergangenen Wochen hatte es mehrfach Spekulationen gegeben, eine Heiligsprechung des polnischen Papstes könnte noch in diesem Jahr erfolgen. Als Datum war auch der 20. Oktober im Gespräch - in zeitlicher Nähe zum 35. Jahrestag seiner Papstwahl. Johannes Paul II. war am 16. Oktober 1978 gewählt worden und hatte am 22. Oktober das Papstamt angetreten.
Er war im Mai 2011 von seinem Nachfolger Benedikt XVI. (2005-2013) seliggesprochen worden. Es war das kürzeste Seligsprechungsverfahren der Neuzeit. Damals war die unerklärliche Heilung einer französischen Ordensfrau von der Parkinson-Krankheit als Wunder anerkannt worden.
Zweitlängstes Ponitifkat der Kirchengeschichte
Die Heiligsprechung ist in der katholischen Kirche eine feierliche Erklärung des Papstes über das vorbildlich christliche Leben eines Menschen und über seine endgültige Aufnahme zu Gott. Doch vorher müssen Kandidaten in der katholischen Kirche zunächst seliggesprochen werden. Für beide Stufen ist die Anerkennung eines Wunders notwendig. Die Seligsprechung erlaubt die offizielle Verehrung eines gestorbenen Menschen in einer bestimmten Region, die Heiligsprechung dehnt diese Verehrung auf die gesamte katholische Weltkirche aus.
Johannes Paul II. war am 2. April 2005 im Alter von fast 85 Jahren gestorben. Sein 26-jähriges Pontifikat war das zweitlängste der Kirchengeschichte. (gho/dpa/KNA)
Für die Polen ist "ihr" Papst sowieso ein Heiliger. In seinem Heimatland gibt es sogar schon ein "Heiligtum" für Johannes Paul II.: Erst vor wenigen Tagen hat der polnische Kardinal und Erzbischof von Krakau, Stanislaw Dziwisz Johannes, die weltweit größte Gedenkkirche für den verstorbenen Papst geweiht. Schließlich müsse man auf die offizielle Heiligsprechung des polnischen Papstes vorbereitet sein, begründete Dziwisz seine Freude über das Projekt. Bei dem sogenannten Johannes-Paul.-II.-Heiligtum handelt sich um eine der bedeutendsten sakralen Neubauten in Polen seit Jahrzehnten. Im Rahmen der Eröffnungsfeierlichkeiten machte der Erzbischof kein Geheimnis aus seiner Hoffnung, dass der neue Papst Johannes Paul II. bereits sehr bald heiligspricht. Laut polnischen Medienberichten hatte er darüber kurz zuvor mit Franziskus im Vatikan gesprochen. Und dieser werde "die Geduld nicht überstrapazieren", meinte Dziwisz. (gho/KNA)