Suche
Vatikan im Zeichen der Wirtschaftspolitik

Zukunft der Vatikanbank ungewiss

Dieser Inhalt ist nur erlaubt, wenn Sie Cookies vom Typ "readspeaker" zulassen.

Rio de Janeiro/Vatikanstadt - Die Zukunft der in die Schlagzeilen geratenen Vatikanbank IOR ist nach den Worten von Papst Franziskus noch völlig ungewiss. Einige rieten ihm, die Bank zu behalten, andere wollten sie in einen Hilfsfonds umwandeln oder ganz schließen, berichtete Franziskus auf dem Rückflug von Brasilien am Montag vor Journalisten.

Derzeit habe er noch keine klare Option. Er verlasse sich auf den Rat von Mitarbeitern des Geldinstituts und auf eine von ihm, Franziskus, eingesetzte Reformkommission. Kennzeichen der Vatikanbank müssten in jedem Fall Transparenz und Seriosität sein.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Vatikanbank, der Deutsche Ernst von Freyberg, bleibt nach Worten von Papst Franziskus weiterhin im Amt. Medien hatten gemutmaßt, Franziskus habe Vorbehalte gegenüber von Freyberg; den Berichten zufolge gab es zwischen den beiden noch nie ein Gespräch unter vier Augen.

Dafür setzte Franziskus im Juni eine Kommission ein, die Vorschläge für eine "bessere Harmonisierung" der Aktivitäten der Vatikanbank mit dem kirchlichen Auftrag erarbeiten soll. Von Freyberg war noch von Benedikt XVI. im Februar ernannt worden.

Papst distanziert sich von inhaftiertem Vatikan-Prälaten

Zugleich hat sich Papst Franziskus von dem unter Geldwäscheverdacht stehenden Vatikan-Prälaten Nunzio Scarano distanziert und das Gros der Kurienmitarbeiter in Schutz genommen. Scarano habe "schlecht gearbeitet" und müsse von der Kirche entsprechend bestraft werden, sagte Franziskus in einem Interview des brasilianischen TV-Senders "Globo", aus dessen Transkript die österreichische Presseagentur Kathpress am Montag zitiert.

Trotz der Kritik an der vatikanischen Kurie gebe es dort aber "viele Heilige - heilige Kardinäle, Bischöfe, Priester, Ordensschwestern und Laien - Menschen Gottes, die die Kirche lieben". Das werde zu wenig beachtet: "Ein fallender Baum macht mehr Lärm als ein wachsender Wald", sagte der Papst.

Das Interview ist das erste seit dem Amtsantritt von Papst Franziskus. Es war am Donnerstag in der erzbischöflichen Residenz in Rio de Janeiro aufgezeichnet worden und sollte am Montag in Brasilien ausgestrahlt werden.

Porträtfoto von Ernst von Freyberg.
Ernst von Freyberg ist Aufsichtsratsvorsitzende der Vatikanbank. Nach den Worten von Papst Franziskus soll das auch so bleiben.

Prälat Nunzio Scarano war Ende Juni von italienischen Behörden verhaftet worden, da er an einer versuchten illegalen Überführung von 20 Millionen Euro Bargeld in einem Privatjet aus der Schweiz nach Italien beteiligt gewesen sein soll.

Scarano war früher Rechnungsprüfer der vatikanischen Güterverwaltung APSA. Er erhob seinerseits schwere Vorwürfe gegen seine Vorgesetzten. Laut italienischen Medien erklärte er in einem Brief an Papst Franziskus, er habe Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone bereits 2010 über Missstände und Amtsmissbrauch in der Güterverwaltung informiert; Bertone habe aber nichts unternommen.

Vatikan und Italien kooperieren im Kampf gegen Geldwäsche

Unterdessen haben der Vatikan und Italien eine Zusammenarbeit im Kampf gegen Geldwäsche und Terrorismus-Finanzierung vereinbart. Die vatikanische Finanzaufsichtsbehörde AIF und ihr italienisches Pendant UIF unterzeichneten bereits am Freitag ein Abkommen, das einen Informationsaustausch nach den international vorgegebenen Standards vorsieht. Das teilte der Vatikan Montag mit. Ähnliche Abkommen waren in den vergangenen Monaten bereits mit einer Reihe anderer Länder vereinbart worden.

Das von Kardinal Attilio Nicora, dem AIF-Präsidenten, und dem UIF-Präsidenten Claudio Clemente unterzeichnete Protokoll sei gemäß den Vorgaben des internationalen Anti-Geldwäsche-Verbandes der Egmont-Gruppe angefertigt worden, heißt es in der Vatikanmitteilung.

"Der Heilige Stuhl und der Vatikanstaat nehmen ihre internationale Verantwortung gegen Geldwäsche und Terrorismus-Finanzierung sehr ernst, und Italien ist für uns dabei ein besonders wichtiger Partner", betonte AIF-Direktor Rene Brülhart in der Mitteilung. Er hoffe auf eine konstruktive und fruchtbare Zusammenarbeit mit den zuständigen italienischen Behörden. (meu/KNA)

kna-katholisch-swarm-node2 (0.012s)