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Der Vatikan am Ende eines ereignisreichen Jahres 2014

Zwischen Reisen und Reformen

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Vatikanstadt - Die Attraktivität von Papst Franziskus hält auch in seinem zweiten Pontifikatsjahr an. Besucher und Pilger strömen zu den öffentlichen Terminen mit dem charismatischen Pontifex aus Argentinien. Das gute Image in Öffentlichkeit und Medien besteht fort, auch wenn mitunter intern, in der Kurie, Rumoren zu vernehmen ist.

Das 77-jährige Kirchenoberhaupt absolviert ein dichtes Arbeitsprogramm, mit vielen Dienstgesprächen und Begegnungen. Die fünf Auslandsreisen des Jahres und noch stärker die Bischofssynode lassen Profil und Schwerpunkte des Pontifikats samt seinen Reformplänen zunehmend deutlicher werden.

Eigentlich wollte Franziskus so wenig wie möglich reisen. Jedoch war er 2014 so häufig unterwegs wie der Reisepapst Johannes Paul II. (1978-2005) in seinen frühen Jahren. Die Besuche boten dem Papst eine exzellente und von den Weltmedien beobachtete Möglichkeit, die Kernanliegen seines Pontifikats voranzubringen. Dazu gehört der Einsatz für die Ökumene, die im Mittelpunkt der Reisen ins Heilige Land und in die Türkei stand. Die Begegnungen mit dem orthodoxen Patriarchen Bartholomaios I. in Jerusalem und Istanbul, die Worte und Gesten waren bewegende Momente des christlichen Einheitswillens.

Papst Franziskus und der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. in der Grabekirche in Jerusalem.
Papst Franziskus und der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. in der Grabekirche in Jerusalem.

Dazu gehört weiter der Einsatz für interreligiösen Dialog und Zusammenarbeit, insbesondere mit dem Judentum und dem Islam. Die Umarmung mit einem jüdischen und einem islamischen Freund vor der Klagemauer in Jerusalem war ebenso werbend wie die klugen Gespräche mit dem Mufti der Al Aqsa-Moschee oder den Oberrabbinern, oder wie das stille "Gebet" in der Blauen Moschee von Istanbul.

Frieden und Gerechtigkeit

Die Reisen standen aber auch im Zeichen von Frieden und Gerechtigkeit - wozu auch die Religionsfreiheit gehört. Zu den prägenden Bildern gehört das Gedenken in der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem, aber auch der spontane Stopp an der israelisch-palästinensischen Trennungsmauer von Bethlehem. Von Amman, Tel Aviv und Ankara aus warb Franziskus für gerechte und dauerhafte Friedenslösungen in den verschiedenen Nahost-Konflikten. Außerdem lud er die Präsidenten Israels und Palästinas, Schimon Peres und Mahmud Abbas, zum Friedensgebet auf den idyllischen grünen Rasen des Vatikan ein.

Franziskus begab sich bei seinen Reisen auch an die "Peripherien", die er so oft als Ziel christlichen Engagements nennt. Als erster Papst seit 26 Jahren fuhr er nach Fernost. In Südkorea begrüßte er eine ungewöhnlich blühende Ortskirche in einem boomenden Wirtschaftsland. Von dem zweigeteilten Land an der Nahtstelle zwischen China, Russland und Japan aus richtete er eine Friedensbotschaft und ein Dialogangebot an die Hochkulturen und Gesellschaften Asiens.

Zwei Priester mit Bildern der beiden Päpste Johannes Paul II (li) und Papst Johannes XXIII vor der Sicherheitkontrolle am Eingang zum Vatikan.

An die Peripherie Europas führte sein erster Besuch des Alten Kontinents außerhalb Italiens, nach Albanien. Im lange Zeit isolierten Balkanland beschwor er die Religionsfreiheit ebenso wie den interreligiösen Dialog. Danach begab sich der Papst aus Lateinamerika aber auch ins Zentrum Europas. Sein Weckruf an den müden und alternden Kontinent, den er mit einem Plädoyer zu Rückbesinnung auf seine christliche Identität verband, fand Anerkennung in allen politischen Lagern.

Neue Mentalität

Erste konkrete Ergebnisse verzeichnete 2014 auch das primäre Reformprojekt des Pontifex, die Kurienreform. Im Frühjahr nahmen der Wirtschaftsrat und das Wirtschaftssekretariat ihre Arbeit auf, um die weitverstreuten Besitz- und Finanzbelange zu erfassen und zu koordinieren. Ansonsten ist noch nicht absehbar, ob die Kurienreform eine komplette Neustrukturierung bringt, oder sie es bei der Zusammenlegung einiger Behörden belässt. Wichtiger als ein neues Organigramm erscheint eine neue Mentalität, die den Dienstcharakter der Kurie für die Ortskirchen bekräftigt.

Das katholische Rom hat 2014 etliche große Kirchenfeiern erlebt. Im Februar kreierte Franziskus 19 neue Kardinäle, darunter den deutschen Präfekten der Glaubenskongregation Gerhard Ludwig Müller, vor allem aber Diözesanbischöfe aus aller Welt. Ende April kamen dann rund eine Million Menschen zur Heiligsprechung der Päpste Johannes XXIII. (1958-63) und Johannes Paul II. (1978-2005) in den Vatikan. Und mehrere Zehntausend nahmen an der Seligsprechung von Paul VI. (1963-78) teil.

Diese Feier am 19. Oktober stand am Abschluss der zweiwöchigen Außerordentlichen Bischofssynode, der zweifellos wichtigsten Kirchenkonferenz des Jahres. Die Themen Familie, Ehe und Sexualität wurden, wie vom Papst zu Beginn ausdrücklich angemahnt, in aller Offenheit diskutiert. In turbulenten Debatten trafen kontroverse Positionen - insbesondere zu einem Kommunionempfang für wiederverheiratete Geschiedene, aber auch zur Haltung gegenüber Homosexuellen oder zur Stellung von Zivilehen - aufeinander. Am Ende blieb unklar, ob Anhänger einer größeren Offenheit oder Verfechter eines entschiedenen Festhaltens an der Kirchenlehre die Oberhand behielten.

Die Beratungen sollen im Oktober 2015 bei einer Ordentlichen Synode fortgesetzt werden. Bis dahin sollen Synodale wie Ortskirchen die angestoßenen Fragen vertiefen. Mit diesem synodalen Prozess steht auch der Kurs des neuen Pontifikats auf dem Prüfstand. Er muss zeigen, ob und wie sich Rolle, Bedeutung und Kompetenz der Bischofssynode als kollegialem Organ der Kirchenleitung ändern.

Von Johannes Schidelko (KNA)

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