"Ab diesem Moment wollte ich mehr wissen"

Mehrere Schlüsselerlebnisse führten ihn zum Glauben: Thomas Lillis hat sich vergangenes Jahr in der Osternacht taufen lassen. Der Jurastudent erzählt im Interview, wie er zu Gott gefunden hat.

Serie: Mein Glaube | Bonn - 22.11.2016

Thomas Lillis (29) studiert Rechtswissenschaften in Köln. Sein Traumberuf: Anwalt. Doch in der letzten Zeit hat er nicht nur Jura gelernt, sondern auch auf ein ganz anderes Ziel hingelebt. Nach neun Monaten Vorbereitung ist Lillis in der Osternacht 2015 in der Kölner Gemeinde St. Aposteln getauft worden. Im Gespräch mit katholisch.de erklärt er, warum er die Entscheidung gerade jetzt fällte.    

Frage: Herr Lillis, was war der Moment, an dem Sie sich entschieden haben, Christ zu werden?

Thomas Lillis: Ich hatte mehrere Schlüsselerlebnisse. An eines kann ich mich deutlich erinnern. Meine Mutter war schwer krank, mein Großvater starb, und ich steckte mitten in der Klausurzeit und konnte nicht nach Hause fahren. Ich kam mir so hilflos vor. Ich wusste nicht wohin mit mir. Mir fiel dann nur die nächste Kirche ein. Weil sie offen stand, bin ich hineingegangen. Ich habe eine kleine Kerze gekauft und mich in eine Bank gesetzt. Was mir dann durch den Kopf ging war wohl die erste Fürbitte meines Lebens.

Frage: Und ihr zweites Schlüsselerlebnis?

Lillis: Das zweite Schlüsselerlebnis hatte ich in Paris während meines Studiums. Wir haben immer wieder zusammen in einer kleinen Gruppe gelernt. Einer machte dann plötzlich eine abfällige Bemerkung über Maria, die Mutter Gottes und ihre Jungfräulichkeit. Eine Kommilitonin von mir war auch dabei. Sie ist tief gläubig und hat sehr emotional reagiert. Ich sah ihr an wie sehr sie verletzt war. Sie ist aber besonnen und deutlich auf den Bemerkenden zugegangen und hat sofort das Gespräch gesucht. Ich weiß nicht mehr genau, was sie gesagt hat, ich weiß nur: Es hat mich sehr berührt, weil ich, trotz des Schmerzes, Vergebung gesehen habe. Da wurde mir schlagartig klar, dass ich auch so überzeugt von diesem Glauben sprechen möchte. Ab jetzt wollte ich mehr vom Christentum wissen und wie das geht, Christ zu werden. Ich glaube, in diesem Moment habe ich Gott in mir gefunden.

Thomas Lillis wird während seiner Tauffeier von Pater Sebastian Annas OP mit dem Chrisamöl gesalbt. Dabei spricht er die Worte: "Der allmächtige Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, hat dich von der Schuld Adams befreit und dir aus dem Wasser und dem Heiligen Geist neues Leben geschenkt. Aufgenommen in das Volk Gottes wirst du nun mit dem heiligen Chrisam gesalbt, damit du für immer ein Glied Christi bleibst, der Priester, König und Prophet ist in Ewigkeit."
 Marcel Stuhlmann

Frage: Ihre Familie ging diesen Weg mit?

Lillis: Meine Eltern wollten es mir alleine überlassen, ob und wann ich mich zur Taufe entscheide, deshalb wurde ich als Kind nicht getauft. Sie wollten, dass es meine Entscheidung wird. Ich hatte zuerst absolut kein Bedürfnis danach. Erst meine Freunde haben mir Mut gemacht und mich dabei unterstützt, mich taufen zu lassen.

Frage: Wie war Ihre Taufe?

Lillis: Nass. Ich habe mich über das Taufbecken gebeugt und Pater Sebastian hat mir mit der Hand ein bisschen Wasser über den Hinterkopf geschüttet. Das war wirklich ein nasser Moment. Ich habe gleich ein Handtuch in die Hände gedrückt bekommen, aber ich hatte nicht das Bedürfnis, mir das Wasser vom Kopf zu wischen. Ich wollte es in mich einwirken lassen und so ganz bewusst die Weihe in mich aufnehmen.

Frage: Was ging Ihnen da durch den Kopf?

Lillis: Ich habe mich in dem Moment einfach nur gefreut. Mir wurde klar, dass ich eigentlich schon längst katholisch war, bevor dieses Wasser kam. Ich hatte mir die Taufe und den ganzen Ablauf schon tausende Male ausgemalt. Ich bin ja ein fantasievoller Mensch. Als ich dann so vor dem Taufbecken mitten in der Kirche im Gottesdienst stand, war es dann doch weniger wild als ich gedacht habe. Es war ein behaglicher Moment.

Frage: Inwiefern weniger wild?

Lillis: Mir wurde es immer so präsentiert, dass ich nach der Taufe ein komplett neuer Mensch werde. Ein Neu-Aufbruch sozusagen. Ich dachte, es wird sich vieles verändern für mich.

Frage: Und war das dann so?

Lillis: Nein, ich war danach noch immer der Gleiche. In dem Moment, als ich getauft wurde, spürte ich eher eine Erleichterung. Ein Prozess, der schon länger andauerte, kam zu seinem Ende. Endlich, dachte ich mir. Die Taufe war für mich die Bestätigung dafür, dass ich nun vor der ganzen Welt sagen kann: Ja ich bin katholisch und ich bin Christ.

Thomas Lillis mit seiner Taufpatin und 19 weiteren erwachsenen Täuflingen rund um das Taufbecken in der Kirche St. Aposteln in Köln.
 Marcel Stuhlmann

Frage: Wen haben Sie als erstes nach der Taufe angesehen?

Lillis: Wir Täuflinge standen ja im Kreis zusammen und ich sah zuerst nur diesen Kreis von Menschen, mit denen ich acht Monate gemeinsam auf dem Weg war zur Taufe. Wir waren insgesamt 20 Taufbewerber, die da um das Taufbecken standen. Es war schön, diesen Rückhalt in der Kirche zu spüren. Ich fühlte mich sehr geborgen und mir wurde klar, wie sehr man eine Gemeinschaft braucht und dass man seinen Glauben nicht alleine leben kann. Und dann habe ich meine Taufpatin angesehen, auch eine Kommilitonin von mir. Sie stand ja hinter mir und hatte ihre Hand auf meine Schulter gelegt. Ich musste mich umdrehen, um auf meinen Platz zurück zu gehen. Wir haben uns kurz angelächelt und dann habe ich nochmals in die Runde geschaut. Meine Freunde haben mich angegrinst, die waren auch da. Die meisten kannte ich aus dem Studium. Viele von ihnen dachten bestimmt nicht daran, dass wir mal zusammen in die Kirche gehen werden und noch dazu zu meiner Taufe.

Frage:  Was haben Ihre Eltern nach der Taufe gesagt?

Lillis: Mein Vater ist eher zurückhaltend. Alleine die Tatsache, dass er zu meiner Taufe gekommen ist, zeigte mir, dass er damit einverstanden war. Ich denke, er hat es auch erwartet, er ist ja auch katholisch. Ich kannte von Kindheit an katholische Traditionen, aber mir wurde nichts aufgezwungen. Meine Mutter hingegen ist aus der Kirche ausgetreten. Die Gründe dafür kenne ich nicht. Ich glaube, sie hatte ihre Schwierigkeiten mit der Institution Kirche.

Frage: Hat sich seitdem etwas verändert in Ihrer Familie?

Lillis: Ja, es hat sich etwas gewandelt. Letztes Jahr an Weihnachten waren wir im Gottesdienst. Das ist auf Antrieb meiner Mutter passiert und das hat mich wirklich überrascht. Ich habe ihren Wunsch in die Kirche zu gehen gespürt. Ich weiß nicht, ob das mit meiner Taufe zusammenhing, aber irgendwie hat sie einen Weg zurück in die Kirche gefunden. Sie hat mir auch gesagt, dass sie sich für mich freut, das fand ich schön.

Frage: Wie stellen Sie sich Gott vor?

Lillis: Ich stelle ihn mir gar nicht vor. Ich glaube, dass es Gott gibt. Das Wohlsein, das ich empfinde, wenn ich an ihn denke, genügt mir als Beweis für seine Existenz.

Von Madeleine Spendier

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