Antisemitismus: Kirche kritisiert "Echo" für Rapper

Eine Auschwitz-Zeile sorgt für eine Skandal: Die "Echo"-Verleihung an die Rapper Kollegah und Farid Bang stößt auch in der Kirche auf Kritik. Und das nicht erst, seit die Entscheidung öffentlich wurde.

Musik | Bonn/Frankfurt - 15.04.2018

Die Verleihung des "Echo" an die Rapper Kollegah und Farid Bang stößt auch in der katholischen Kirche auf deutliche Kritik. Limburgs Bischof Georg Bätzing erklärte am Samstag, es sei unerträglich, wenn "über die Musik aggressiv zu Antisemitismus und Hass auf Religionen und Kulturen" aufgerufen werde. Bei einem einem Besuch auf der internationalen Musikmesse in Frankfurt forderte er: "In unserem Land sollen alle Menschen frei leben können. Das friedliche Miteinander, die unterschiedlichen Kulturen machen uns reich, nicht arm!"

Zugleich sei Bätzing dankbar, dass sich nach der Echo-Preisverleihung ein "Aufstand der Vernünftigen" gegen über Musik transportierte Ideologien formiere. Dabei hatte die Verleihung des "Echo" in der Kategorie "Hip-Hop/Urban National" an Kollegah und Farid Bang bereits zuvor für Kontroversen gesorgt. Gegen die beiden Musiker häufen sich Antisemitismus-Vorwürfe. In einem Liedtext von ihnen heißt es: "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen."

Katholische Vertreterin hatte gegen Preisverleihung gestimmt

Am Samstag wurden auch Details aus den Beratungen des "Echo"-eigenen Ethik-Beirates bekannt. Dieser hatte sich vor der Preisverleihung am Donnerstagabend in Berlin allerdings mehrheitlich gegen einen Ausschluss der Rapper ausgesprochen hatte. "Die katholische Vertreterin im Beirat hat sich gegen die Nominierung entschieden, weil bei den Texten die Grenzen der Kunstfreiheit überschritten sind", sagte der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, am Samstag auf Anfrage.

Deutliche Kritik an der Preisverleihung äußerten auch Vertreter des Judentums. Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses kommentierte am Samstag in der "Bild"-Zeitung: "In Deutschland bekommt man jetzt also einen Preis dafür, dass man Frauen verächtlich macht, Gewalt verherrlicht und sich über Auschwitz-Opfer lustig macht?" Bereits am Freitag hatte der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, die Entscheidung für den Preis als "Schande" bezeichnet. Auch der neue Antisemitimus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, verurteilte die "Echo"-Ehrung für die Rapper scharf. (kim/KNA)

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