Benedikt: Episode XVI – Die dunkle Bedrohung

Ein satirischer Wochenrückblick von Björn Odendahl

War's das? | Bonn - 07.10.2017

Achtung, liebe Leser: Wenn Sie dachten, jemanden mit seiner Liebe "zu erdrücken", sei nur eine Metapher, dann haben Sie sich getäuscht. Denn in Belgien setzen die Brüder der Nächstenliebe (Broeders van Liefde) diese Worte nun in die Tat um. Ob der Nächste mit einem Kissen – und damit nah am Wortlaut der Metapher – oder doch medikamentös zur Strecke gebracht werden soll, ist zwar nicht bekannt. Aber aktive Sterbehilfe "für psychisch Kranke im nicht-terminalen Stadium" wollen die Brüder grundsätzlich nicht mehr ausschließen. An sich eine gute Idee zum Wohle der Menschheit: Aber wie überredet man Donald Trump und Kim Jong-un zu einem gemeinsamen Belgienbesuch?

Ebenfalls tot – bitte jetzt stark sein, liebe Kinder und Junggebliebene – ist wohl der heilige Nikolaus. Archäologen haben im südtürkischen Demre unterhalb einer antiken Kirche einen Sarkophag gefunden, der die Überreste des Bischofs von Myra enthalten könnte. Das ist gleich doppelt schlimm: Nicht nur, dass uns die Moslems jetzt auch noch einen unserer Lieblingsheiligen klauen. Viel wichtiger ist: Wer füllt künftig am 6. Dezember die Stiefel vor den deutschen Haustüren? Wenn wir nicht diesen schrecklichen Amerikaner importieren wollen (Santa Claus, nicht Trump), dann bleibt nur eins: Alexander Gauland, übernehmen Sie und retten das christliche Abendland!

Gruselige Geschichten für Gänswein und die Kinder

Nicht mehr zu retten ist dagegen unsere Kirche. Zumindest wenn man dem emeritierten Papst glaubt. Der wollte sich zwar eigentlich nach seinem Rücktritt aus der Öffentlichkeit zurückziehen, hat das aber wohl das ein oder andere Mal vergessen. Kann ja passieren in dem Alter. Das neueste Kapitel seines Doch-nicht-ganz-Rückzugs lautet "Benedikt: Episode XVI – Die dunkle Bedrohung" und ist jetzt in der russischen, ungekürzten Originalversion erschienen. Darin macht der Ex-Pontifex nicht etwa Missbräuche, Säkularisierung oder ähnliches für die gegenwärtige Krise der Kirche verantwortlich, sondern die "Verdunkelung Gottes in der Liturgie". Vielleicht sind es aber auch nur die nachlassende Sehkraft und die schlechten Lichtverhältnisse in der Kapelle von Mater Ecclesia, die den Emeritus zu seinem Urteil kommen lassen.

Zur Belastung wird das Ganze langsam für Erzbischof Georg Gänswein. Als Sekretär des alten und des neuen Papstes sitzt er irgendwie zwischen den heiligen Stühlen und muss sich dauernd das Geplapper der beiden älteren Herren anhören: "Früher war alles besser, Georg", tönt es in Erinnerungen schwelgend von der einen Seite. "Wir brauchen eine arme Kirche für die Armen, Georg", phantasiert es von der anderen. Die Konsequenz: Hörsturz, Klinikaufenthalt und anschließend verordnete Ruhe. Am Krankenbett liest ihm wahrscheinlich nun Benedikt Geschichten vor. Gruselige Geschichten von der gegenwärtigen Krise der Kirche – auf Russisch.

Gruselig soll es laut Buchautor Paul Maar künftig auch in deutschen Kinderzimmern werden. Der "Sams"-Erfinder empfiehlt Eltern nämlich jetzt, Kindern aus der Bibel vorzulesen. Und zwar nicht nur den weichgespülten Kram aus dem Neuen Testament, sondern das volle Programm; zum Beispiel die Geschichte von David und Goliat, um den Kindern Mut zu machen. Wir unterstützen das – und liefern gleich noch eine nette Gute-Nacht-Lektüre für die Kleinen aus dem Alten Testament mit: "Unser Sohn hier ist störrisch und widerspenstig, er hört nicht auf unsere Stimme, er ist ein Verschwender und Trinker. Dann sollen alle Männer der Stadt ihn steinigen und er soll sterben." (Dtn 21,20f) Übrigens: Die Stelle taugt NICHT als Erziehungstipp!

Von Björn Odendahl

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