Benediktiner Odilo Lechner gestorben

Odilo Lechner war ein einfühlsamer Gesprächspartner, Ästhet und einer der bedeutendsten Ordensmänner Deutschlands. Jetzt ist der Alt-Abt von Sankt Bonifaz in München und Andechs mit 86 Jahren gestorben.

Orden | München - 03.11.2017

Odilo Lechner (86), Münchner Benediktiner und einer der bekanntesten Ordensleute Deutschlands, ist tot. Lechner starb nach Angaben eines Klostersprechers in der Nacht auf Freitag. Bereits mit 33 Jahren übernahm er 1964 die Leitung der Abtei Sankt Bonifaz in München und Andechs. Er war außerdem Präses der Bayerischen Benediktinerkongregation und Vorsitzender der Salzburger Äbtekonferenz. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx wird am kommenden Donnerstag im Liebfrauendom eine feierliche Totenmesse halten. Anschließend wird der Verstorbene in Sankt Bonifaz beigesetzt.  

Lechner wurde als einfühlsamer Gesprächspartner, Ästhet und Kunstförderer geschätzt. Besonders verbunden fühlte er sich mit dem Komponisten Carl Orff (1895-1982), der auf dem Heiligen Berg in Andechs begraben ist. Zur Pflege seines kulturellen Erbes ließ der Abt den Florian-Stadl zu einem Konzerthaus umbauen, wo 1998 bis 2015 jährlich Festspiele zu Orffs Ehren stattfanden. Der gebürtige Münchner verfasste zudem etliche Bücher. Zu seinem 85. Geburtstag veröffentlichte er 2016 den Titel "Wozu sind wir auf Erden?". Zuletzt erschien im vergangenen Monat "Engel an meiner Seite".

Nach seinem Ausscheiden in eine kleinere Zelle

Der Ordensmann, der mit bürgerlichem Namen Hans Helmut Lechner hieß, wurde am 25. Januar 1931 als Kind eines Bankbeamten in München-Bogenhausen geboren. Nach seinem Abitur im niederbayerischen Klostergymnasium Metten 1949 ging er zum Studium der Theologie und Philosophie zurück in die bayerische Landeshauptstadt. "Ich merkte, dass ich selbst nach dem Willen Gottes suchen musste, um ein sinnvolles Leben zu finden", erinnerte er sich später.

1952 trat Lechner dann im Alter von 21 Jahren in die Benediktinerabtei St. Bonifaz ein, wo er den Ordensnamen Odilo annahm. Seine Profess fand am 7. November 1953 statt, seine Priesterweihe am 23. Dezember 1956. Acht Jahre später wurde er schließlich zum Abt gewählt. Als Wahlspruch wählte sich Lechner "Dilatato corde - Mit weitem Herzen" aus der Regel des heiligen Benedikt. Bei seinem Ausscheiden 2003 war er der dienstälteste Benediktinerabt weltweit. Seine Klosterzelle tauscht er anschließend gegen eine kleinere ein. "Der Alt-Abt soll sich zurückhalten" - setzt er sich selbst zur Regel. (bod/KNA)

Im Herzen ein Seelsorger für die Menschen

Nachruf von Abtprimas em. Notker Wolf

Mit dem Tod von Abt Odilo Lechner am 3. November 2017 ist ein Münchner und benediktinisches Urgestein von uns gegangen. In München-Bogenhausen am 25. Januar 1931 geboren und 1952 in die Abtei St. Bonifaz eingetreten, ist er den Münchnern stets verbunden geblieben. Er war im Herzen ein Seelsorger für die Menschen, besonders auch für die Münchner, aber auch weit darüber hinaus.

Notker Wolf im Porträt
Notker Wolf war von 2000 bis 2016 Abtprimas der benediktinischen Konföderation. In seinem Nachruf würdigt er Abt Odilo Lechner als "Münchner und benediktinisches Urgestein".
 KNA

Schon mit 33 Jahren wurde er zum Abt gewählt. Eine große Herausforderung stand ihm mit der Wiederaufbau der kriegszerstörten Basilika seiner Abtei bevor. Dabei bewies sich sein feiner Kunstsinn, indem er nicht nur für das barocke Heiligtum in Andechs sorgte, das ebenfalls zu St. Bonifaz gehört, sondern moderne Künstler heranzog, um einen würdigen und froh stimmenden Raum für die liturgischen Feiern zu gestalten. Mit dem Komponisten Carl Orff verband ihn eine innige Freundschaft, dessen Begräbnisgottesdienst er zelebriert und ihm die letze Ruhestätte im Kloster Andechs ermöglichte.

Zahlreichen Menschen wurde er auch bekannt durch seine geistlichen Schriften. Er war ein Mann, der beseelt war von der Regel des heiligen Benedikt, dessen Spiritualität er den heutigen Menschen vermitteln wollte: das rechte Maß, die Geborgenheit in Gott, die Liebe zum Gottesdienst. Er war ein Mann des Herzens, der  nicht nur den Wahlspruch „Mit weitem Herzen“ gewählt hatte, sondern über seine Lebensstationen hinweg zu einer Weisheit gereift ist. Er hat die Verheißung des heiligen Benedikt verwirklicht: „Wer im klösterlichen und im Glauben fortschreitet, dem wir das Herz weit, und er läuft in unsagbarem Glück der Liebe die Gebote Gottes.“

Es war immer eine Wohltat, diesem bescheidenen und demütigen Menschenfreund mit seinem steten Lächeln zu begegnen. In seinem 87. Lebensjahr stehend hat er nun das Zeitliche gesegnet und ist der Herrlichkeit Gottes entgegen gegangen. Möge er nun ruhen in Frieden. Zahlreiche Menschen werden ihm ein treues Andenken bewahren und weiterhin von seiner Weisheit zehren.

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