Richter im Verfahren gegen Asia Bibi zurückgetreten

Im Verfahren gegen die in Pakistan zum Tode verurteilen Asia Bibi ist kein Ende in Sicht. Der Druck auf das Richterkollegium steigt, Islamisten fordern den Tod der Christin.

Christenverfolgung | Rom - 27.10.2016

In der pakistanischen Justiz steigt offenbar der Druck auf die höchsten Richter. Der am Obersten Gericht tätige Richter Iqbal Hamid-ur-Rehman hat nun offiziell seinen Rücktritt aus dem Gericht verkündet, wie der vatikanische Pressedienst Fides berichtet. Der Richter hatte eine Vertagung der Anhörung im Fall der wegen Blasphemie zum Tode verurteilten pakistanischen Christin Asia Bibi verursacht, weil er sich selbst für befangen erklärt hatte. Seinen Amtsverzicht gab Rehman in einem Schreiben an den pakistanischen Staatspräsidenten Mamnoon Hussain bekannt, so Fides. Darin habe er keine Gründe für seinen Schritt genannt.

Am 13. Oktober hätte Rehman zusammen mit zwei Kollegen in der letzten Berufungsinstanz über den Fall Asia Bibi richten müssen. Damals gab er an, er sei befangen, weil er auch Mitglied jenes Richter-Kollegiums gewesen war, das im Mordfall von Punjabs Ex-Gouverneur Salman Taseer das Urteil sprach. Dieser war von seinem Leibwächter wegen seines Engagements für Asia Bibi getötet worden.

2010 zum Tode verurteilt

Asia Bibi wurde wegen Blasphemie angezeigt, verhaftet und im November 2010 in erster Instanz zum Tod durch den Strang verurteilt. Im Oktober 2014 bestätigte ein Berufungsgericht das Urteil; im Juli 2015 setzte der Oberste Gerichtshof die Todesstrafe aus und machte damit den Weg frei für die erneute Anhörung. Die Berufungsverhandlung am 13. Oktober wurde dann aber verschoben.

Wenn ein Richter zurücktritt, muss der Präsident des Obersten Gerichts einen anderen Richter ernennen, wobei es keine genauen Fristen für eine solche Ernennung gibt. "Wir sind zuversichtlich und hoffen, dass der Präsident den Fall Asia Bibi einem komplett neuen Richterkolleg anvertraut", so der Tutor der Familie von Asia Bibi, Joseph Nadeem. "Uns überrascht die ungünstige Wahl des Zeitpunkts.

Islamisten drohen mit "Krieg"

Hätte sich Rehman in den Tagen vor dem Prozess zurückgezogen, dann hätte der Fall direkt einem anderen Kolleg anvertraut werden können", so Nadeem weiter.

Unterdessen forderten radikale islamistische Gruppen in den vergangenen Tagen in Karachi, Islamabad und Lahore die Hinrichtung Asia Bibis. Sollte es zu einer Freilassung kommen, dann werde man einen "Krieg entfachen", drohten die Kundgebungsteilnehmer. (KNA)

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Nicht erst seit dem Anschlag am Ostersonntag 2016 ist die Lage für Christen in Pakistan schwierig: In der islamischen Republik, in der 96 Prozent Muslime leben, gehören sie zu den Minderheiten. Was ihnen besonders zu schaffen macht, ist das sogenannte Blasphemiegesetz.

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