Bischöfe wollen Kommunionfrage bald klären

Einstimmigkeit oder Einmütigkeit? Auch der Katholikentag in Münster stand im Zeichen der Kommunion-Debatte. Dabei zeigten sich die deutschen Bischöfe gesprächsbereit - trotz Bedenken.

Ökumene | Bonn - 14.05.2018

Mehrere deutsche Bischöfe haben am Wochenende ihren Willen bekundet, den Kommunionstreit bald beizulegen. Allerdings scheint das weitere Vorgehen noch nicht festzustehen. Der Vatikan hatte den Bischöfen aufgetragen, sich noch einmal mit der Angelegenheit zu befassen und "in kirchlicher Gemeinschaft" eine "möglichst einmütige Lösung" zu der Frage zu finden, ob nichtkatholische Ehepartner in Einzelfällen zur Kommunion zugelassen werden können.

Die Bischöfe hatten sich im Februar mit Dreiviertel-Mehrheit auf eine entsprechende Handreichung geeinigt. Sieben Bischöfe mit dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki an der Spitze baten daraufhin schriftlich den Vatikan um Klarstellung, ob eine solche Regelung von einer Bischofskonferenz beschlossen werden kann. Der Vatikan verwies den Konflikt an die deutschen Bischöfe zurück.

Marx: Einvernehmliche Lösung bei "einem der nächsten Treffen"

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Münster, er werde seine Mitbrüder "in den nächsten Tagen" ausführlich über die Gespräche in Rom informieren, um spätestens beim Treffen des Ständigen Rats im Juni weiter beraten zu können. Er zeigte sich zuversichtlich, bei "einem der nächsten Treffen" zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen. Auf der Bilanzpressekonferenz zum Katholikentag ergänzte Marx, dass die Bischofskonferenz keine Weisungskompetenz für alle Bistümer habe. Jeder Bischof müsse Handreichungen für sein Bistum in Kraft setzen: "Wir wollen möglichst große Einmütigkeit suchen, aber man kann nicht bis zur Einstimmigkeit suchen und diskutieren." Marx betonte, alle müssten aufeinander zugehen und nicht nur eine Seite auf die andere.

Der emeritierte Kurienkardinal Walter Kasper sagte dem Portal Vatican Insider, er halte die Handreichung für "seriös und in der Substanz akzeptabel", habe lediglich bei einigen Details Bedenken. "Es gibt Raum, die Diskussion fortzuführen und zu einer Einigung zu kommen, die kein unseriöser Kompromiss sein muss."

Kardinal Reinhard Marx präsentiert eine Hostie.
Kardinal Reinhard Marx sagt über die Kommuniondebatte der Bischöfe: Nicht nur eine Seite kann auf die andere zugehen.
 KNA

Auch der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf mahnte ein Einlenken an, zeigte sich jedoch zugleich von dem Brief Kardinal Rainer Maria Woelkis an den Vatikan "persönlich getroffen". Dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Montag) sagte Kohlgraf: "Wir müssen heraus aus dieser Logik der Unterstellung und des Verdachts, die so tut, als wäre die Mehrheitsposition lehramtlich nicht mehr in der Spur." Er gehe davon aus, "dass wir über unsere Handreichung noch einmal so diskutieren, dass die Minderheit nicht das Gesicht verliert, aber auch keinem der anderen mehr das Katholischsein abspricht."

Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende der Ökumene-Kommission Gerhard Feige gegenüber dem Portal Vatican News. Der Bischof von Magdeburg fügte hinzu, er rechne damit, dass Rom die Angelegenheit aufmerksam verfolge. Während einer Podiumsdisussion richtet er dann den Blick auf die Realität vor Ort: Die Bischöfe wüssten, was in den Gemeinden praktiziert werde und dass es zahlreiche Menschen gebe, "die auf ein Wort der Ermutigung und Bestätigung warten".

Woelki weist Vorwürfe zurück

Kardinal Woelki wies unterdessen Vorwürfe zurück, dass er in der Debatte hinter dem Rücken der Bischofskonferenz agiert habe. Erstmals habe er bereits am 16. März 2017 einen Brief an den Vorsitzenden, Kardinal Reinhard Marx, geschrieben: "Ich habe ihm darin meine Sorge mitgeteilt und ihm schriftlich meine persönliche Position dargelegt." Die von Papst Franziskus geforderte einvernehmliche Lösung des Streits durch die deutschen Bischöfe werde eine große Herausforderung sein. "Ich bin gespannt, wie uns das gelingen wird", sagte Woelki. Er finde es allerdings "toll, dass der Papst uns dieses Vertrauen schenkt".

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick bedauerte Verunsicherungen durch den Konflikt. Er habe den durch Indiskretion bekannt gewordenen Brief an Rom unterschrieben, weil ihm als Weltkirche-Bischof an einer in allen Ländern gültigen Regelung gelegen sei. Der Brief habe sich nicht gegen ökumenische Ehepaare gerichtet, so Schick. Er wünsche sich nun eine einmütige Regelung, wie der Papst sie anstrebe, "und vielleicht hilft er uns noch ein bisschen dabei".

Auch dem Passauer Bischof Stefan Oster war eine weltweite Regelung ein Anliegen. Wenn Rom allerdings die Lösung dieser Frage nach Deutschland zurückgebe, "dann machen wir es". Er wolle jedoch zunächst genauer hören, was bei dem mehrstündigen Gespräch in Rom gesagt wurde. Oster warnte gleichzeitig vor der Gefahr einer "Wischi-Waschi-Ökumene", bei der hintergründig die Wahrheitsfrage eliminiert werde. (bod/KNA)

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