Bistum Essen legt Dokumentation über Missbrauch vor

Hunderte Akten und Dokumente ließ das Bistum Essen durch unabhängige Anwälte überprüfen. Nun liegt eine umfassende Dokumentation der Missbrauchsfälle der letzten sechzig Jahre vor.

Missbrauch | Essen - 09.11.2017

Das Bistum Essen hat eine umfängliche Studie zu Vorwürfen sexualisierter Gewalt der letzten 60 Jahre vorgelegt. Die 2012 begonnene Dokumentation der Personalakten aller lebenden Priester und Diakone des Ruhrbistums im Rahmen eines sogenannten "Compliance"-Projekts habe keinerlei Hinweise auf bisher unbearbeitete Missbrauchsfälle ergeben, erklärte Rechtsanwalt Jochen Jungbluth von der Kölner Anwaltskanzlei axis am Donnerstag vor Journalisten in Essen. Das Ruhrbistum wirke transparent und vollumfänglich bei der Aufdeckung sexuellen Missbrauchs im eigenen Einflussbereich mit. Zudem habe die Diözese bereits vor Beginn des "Compliance"-Projekts eine eigene Aktenübersicht aufgestellt.

Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck betonte, Essen sei nach dem Erzbistum München-Freising die zweite deutsche Diözese, die eine solch detaillierte Dokumentation zum Zwecke der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in Auftrag gegeben habe. Hier gehe es auch um die Wiedergewinnung von Vertrauen. Es sei die Pflicht der Kirche, gegen die Strukturen vorzugehen, die die "schwere Sünde" Missbrauch ermöglicht hätten. Zudem gelte es, straf- oder kirchenrechtlich relevante Fälle zu verfolgen. 

Anwälte begutachten hunderte Akten und Dokumente

Im Rahmen des "Compliance"-Projekts wurden 1.549 Personalakten sowie 100 datengeschützte Dokumente aus dem sogenannten "Geheimarchiv" auf eventuelle Unregelmäßigkeiten und Hinweise auf Missbrauch überprüft, erklärte Jungbluth. 30 der Akten aus dem Geheimarchiv dokumentierten aufgedeckte und verfolgte Missbrauchsvorwürfe. Hier seien keinerlei weitere nicht erkannte Vorwürfe gefunden worden, so Jungbluth.

Dagegen wurden nach den Angaben in Personalakten von 17 Priestern Hinweise entdeckt, denen das Ruhrbistum nachgegangen ist und aus denen sich aber kein weiteres Verfahren ableiten ließ. Sie reichten von etwa 1960 bis zum Jahr 2000. Sechs der Fälle betrafen erwachsene Personen. Elf der betroffenen Priester stammten aus anderen Diözesen oder seien Ordenspriester. Die betreffenden Bistümer und Orden seien informiert worden, betonte die Missbrauchsbeauftragte des Ruhrbistums, Angelika von Schenk-Wilms. Zwei der Fälle seien straf- und kirchenrechtlich untersucht worden.

Seit Bekanntwerden des Missbrauchsskandals 2010 lagen dem Ruhrbistum nach eigenen Angaben 216 Hinweise auf sexualisierte Gewalt vor. Im vergangenen Jahr gab es demnach 24 Hinweise. 13 der Meldungen betrafen Altfälle, 10 bezogen sich auf 2015 und 2016. Von Schenk-Wilms betonte, jeder Hinweis werde mit einem standardisierten Verfahren behandelt und bis zu seinem Abschluss akribisch verfolgt. Nach Kenntnis des Ruhrbistums hat es 2015 und 2016 keine neuen gerichtlichen Verfahren gegeben. (KNA)

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Der Missbrauchsskandal erschütterte die katholische Kirche in ihren Grundfesten. Seit 2010 die ersten Fälle bekannt wurden, bemüht sich die Kirche um Aufarbeitung der Geschehnisse. Katholisch.de dokumentiert die wichtigsten Etappen.

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