Das Ziel kommt langsam in Sicht

So richtig weiß noch niemand, wann die Kurienreform zum Abschluss kommen wird. Doch nach der jüngsten Beratungsrunde von Papst Franziskus mit seinem K9-Rat zeigt man sich im Vatikan zuversichtlich.

Vatikan | Vatikanstadt - 10.06.2016

Die Arbeit an der Kurienreform, einem der ehrgeizigsten Großprojekte von Papst Franziskus, nähert sich allmählich der Zielgeraden. Zwar sei das Ende noch nicht absehbar und die Nennung eines Termins unmöglich, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi am Mittwoch vor Journalisten. Aber man befinde sich "eher im Landeanflug als im Steigflug", sagte er nach der 15. Konferenzrunde des zuständigen Kardinalsrates (K9-Rat).

Die neun Kardinäle aus aller Welt, darunter der Münchner Erzbischof Reinhard Marx, befassten sich bei den dreitägigen Beratungen erneut mit der Arbeit einzelner Behörden. So widmeten sie sich erstmals ausführlich dem für Ökumene zuständigen Einheitsrat und dem Rat für den interreligiösen Dialog. Weiter standen erneut die Kongregationen für die Bischöfe, die Bildung, die Ostkirchen und den Klerus sowie das Staatssekretariat auf der Tagesordnung. Abschließend ging es um die Kongregationen für Glaubenslehre, für Sakramente, Heiligsprechungsverfahren und Orden. Hierfür würden nun entsprechende Vorschläge dem Papst übergeben, der die letzte Entscheidung über die Kurienreform hat.

Kriterien für das Vorhaben sind, wie Lombardi erneut betonte: eine Vereinfachung der Strukturen, eine Harmonisierung zwischen den verschiedenen Behörden und Zuständigkeiten sowie mögliche Formen einer Dezentralisierung zugunsten der Bischofskonferenzen.

Fragen der Besetzung von Posten bleiben offen

Bereits am Vorabend der Konferenzrunde hatte der Papst die Bildung einer neuen Großbehörde für "Laien, Familie, Leben" angekündigt, die Anfang September ihren Dienst aufnehmen soll. In ihr werden die bisherigen Räte für die Laien und für die Familie zusammengeführt, denen die Akademie für das Leben angegliedert wird. Sie soll unter Leitung eines Präfekten, eines Sekretärs sowie drei Sektionschefs im Rang von Untersekretären stehen. Ob der Präfekt den Rang eines Kardinals oder eines Bischofs haben soll, ließ der Papst offen. Sekretär könne auch ein Laie sein, für die drei Sektionsleiter solle dies in jedem Fall zutreffen. Offen ließ Franziskus auch alle Personalfragen.

Die Mitglieder des K9-Rats beraten mit Papst Franziskus über die Kurienreform.
Die Mitglieder des K9-Rats beraten mit Papst Franziskus über die Kurienreform.
 KNA

Erneut stand diesmal eine andere Großbehörde auf der K9-Tagesordnung. Der in den Planungen mehrfach geänderte Titel soll nun "Caritas, Gerechtigkeit und Frieden" lauten. Zusammengeführt werden darin die bisherigen vier Räte "Iustitia et Pax", "Cor unum" sowie für Migranten und Krankenpastoral. Unklar scheint unterdessen, welchen Status die beiden neuen Behörden haben sollen, ob sie weiterhin "Räte" mit beratender Funktion oder "Kongregationen" mit Entscheidungsfunktion sein sollen. Bislang verwendet der Vatikan den vagen Terminus "Dikasterium" (Behörde).

Damit nimmt die Kurienreform inzwischen doch einige Konturen an. Aus dem Bereich der bisherigen Päpstlichen Räte dürften die Behörden für Ökumene, für interreligiösen Dialog und für Kultur ihre Eigenständigkeit bewahren. Unterdessen ist der Rat für die Soziale Kommunikation dem neuen Medien-Sekretariat zugeordnet worden. Dieses Sekretariat, in dem innerhalb von vier Jahren die neun vatikanischen Medieneinrichtungen zusammengeführt werden sollen, gehört neben dem Wirtschaftsrat und dem Wirtschaftssekretariat zu den bereits auf den Weg gebrachten neuen Strukturen.

Franziskus wünscht eine Reform der Mentalität

Derweil scheint offen, ob das "Außenministerium" auch künftig mit dem Staatssekretariat verbunden bleibt oder wieder eigenständig wird. Wenig Veränderungen zeichnen sich für den Bereich der Kongregationen ab. Noch wichtiger als strukturelle Veränderungen ist dem Papst bei dem Reformprojekt wohl aber eine neue Mentalität. Für ihn stehen der Dienstcharakter der vatikanischen Kurie für den Papst und die Weltkirche im Vordergrund - und nicht Macht, Einfluss und Prestige.

Linktipp: Papst schafft neue Behörde für Laien und Familie

Mit der Behörde will der Papst die Zuständigkeiten für Laien, Familie und Lebensschutz zusammenfassen. Der zweithöchste Posten dieser Behörde steht auch Laien offen, eine Neuheit für Vatikan-Ministerien.

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Von Johannes Schidelko (KNA)

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