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Die Trauer der Rebellen

Der angekündigte Rückzug des Papstes hat eine Vielzahl von Reaktionen ausgelöst. Besonders betroffen ist im deutschen Sprachraum eine Gruppe, die sich in ihren Überzeugungen durch das Ratzinger-Pontifikat von Anfang an bestätigt sah.

Papst-Rücktritt | Bonn - 25.02.2013

Der angekündigte Rückzug des Papstes hat eine Vielzahl von Reaktionen in Staat, Kirchen und Gesellschaft ausgelöst. Besonders betroffen ist im deutschen Sprachraum eine Gruppe, die sich in ihren Überzeugungen durch das Ratzinger-Pontifikat von Anfang an bestätigt sah.

Diese sehr gemischte Gruppe von Papstfans, Lebensschützern, Anhängern der alten lateinischen Messe, Kritikern der Kirchensteuer und Gegnern eines "kirchensteuerfinanzierten liberal-katholischen Establishments" bedauert den überraschenden Abgang "ihres" Papstes am lautesten - und blickt mit gemischten Gefühlen in die Zukunft.

Einer ihrer prominentesten Vertreter ist Matthias Matussek, ultramontaner Vorzeige-Katholik der "Spiegel"-Redaktion und gern gesehener Talkshowgast. Weniger bekannt, aber für das Netzwerk enorm wichtig ist das in Österreich beheimatete Internetportal "kath.net" um Roland Noe und den Rom-Korrespondenten Armin Schwibach. Eine der wenigen "Frontfrauen" der Gruppe ist die spät zum Katholizismus konvertierte freie Autorin Gabriele Kuby.

Kristallisationspunkt der konservativ-papsttreuen Gegenöffentlichkeit

In Kißlegg (Allgäu) gehört der "fe-medienverlag" der Gebrüder Müller dazu. Seit vielen Jahren verlegen sie das konservative "PUR"-Magazin. Bundesweit bekannt wurden sie 2011 durch den "Weltbild-Skandal". Sie wiesen nach, dass der größte katholische Verlag einen kleinen Teil seines Umsatzes mit pornografischer Literatur macht. Der Skandal zog Kreise bis nach Rom. Der Papst persönlich mahnte die deutschen Bischöfe, dagegen vorzugehen.

In Rom bildet das im fe-Verlag erscheinende "Vatican magazin" einen Kristallisationspunkt der konservativ-papsttreuen Gegenöffentlichkeit deutscher Zunge. Führende Köpfe des inhaltlich und ästhetisch anspruchsvollen Monatsmagazins sind Guido Horst und Paul Badde, die auch für "Tagespost" und "Welt" tätig waren oder sind.

Themenseite: Rücktritt von Papst Benedikt XVI.

Es war ein Paukenschlag: Als Papst Benedikt XVI. am Rosenmontag 2013 seinen Rücktritt verkündete, waren nicht nur Katholiken überrascht. Immerhin ist der Vorgang nahezug einmalig in der 2.000-jährigen Kirchengeschichte.

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Im Internetblog des Magazins waren nach der päpstlichen Ankündigung zwei Eintragungen zu finden. Die eine ("Der Schock sitzt tief") schildert das blanke Entsetzen der Redaktion über die Nachricht. Und ein Leser kommentiert: "Was diese Nachricht hinterlassen hat - eine hilflose Leere! Wo ist diese greifbare Leitfigur, die uns in dieser säkularisierten Welt mit ihren veränderten Werten Halt und Hoffnung gibt?"

Badde bezeichnet sich selbst als bekehrtes und geläutertes Kind der "Kulturrevolution" von 1968. Eine ähnliche Konversion wie Badde hat auch Peter Seewald hinter sich, der als junger Kommunist aus der Kirche austrat. Er wurde bekehrt, als er Joseph Ratzinger interviewte. Dem bayerischen Landsmann Seewald hat sich der Kardinal und später der Papst in sensationellen Interviewbüchern anvertraut, die internationale Bestseller wurden. Im letzten davon mit dem Titel "Licht der Welt" erklärte Benedikt XVI., ein Papst habe die Pflicht zurückzutreten, wenn seine Kräfte zur Erfüllung des Amtes nicht mehr ausreichten.

Misstrauische Distanz

Trotz mancher Meinungsunterschiede haben sich die Papstgetreuen des katholischen Journalismus in den vergangenen Jahren kreativ vernetzt und versucht, sich mit päpstlichem Rückenwind aus Rom und Unterstützung von Papstsekretär Georg Gänswein in die kirchenpolitische Debatte in Deutschland einzubringen. Der Mainstream katholischer Publizistik, der von eher unauffälligen kirchlichen Medienangestellten dominiert wird, hat zu den mitunter krawallig auftretenden Konservativen meist misstrauisch Distanz gehalten. Und die deutschen Bischöfe begegnen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, den hitzigen Idealisten mit kühler Nichtbeachtung. Mit dem deutschen Papst verlieren diese nun ihren wichtigsten Fürsprecher und Ideengeber.

Dass sie sich davon nicht entmutigen lassen, machte unlängst das "Netzwerk Generation Benedikt" deutlich, zu dem "junge Erwachsene" gehören, die nach eigenem Bekunden "versuchen, ihr Leben am katholischen Glauben in seiner ganzen Bandbreite auszurichten". Und die bereit sind, ihren Glauben und die daraus resultierenden Überzeugungen öffentlich zu bekennen und zu erklären. Nach der Rückzugsankündigung ihres Namensgebers teilten sie mit: "Die Generation Benedikt hätte sich Benedikt XVI. auch weiterhin als Steuermann für die Kirche gewünscht, gerade auch in stürmischen Zeiten. Die Mitglieder des Netzwerks vertrauen jedoch darauf: Der Heilige Geist wird beim kommenden Konklave genauso wirken, wie er es beim letzten Konklave getan hat."

Von Ludwig Ring-Eifel (KNA)

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