Ein neuer Hirte in der Hauptstadt

Berlin hat einen neuen Bischof: Mit einem Pontifikalgottesdienst in der Berliner Hedwigskathedrale hat Erzbischof Heiner Koch sein neues Amt angetreten. An der Messe nahmen auch seine Vorgänger Kardinal Rainer Maria Woelki und Kardinal Joachim Meisner teil.

Erzbistum Berlin | Berlin - 19.09.2015

Das Erzbistum Berlin hat wieder einen Erzbischof. Heiner Koch (61) trat am Samstag bei einem Festgottesdienst in der Sankt-Hedwigs-Kathedrale der Hauptstadt sein neues Amt an. Der bisherige Bischof von Dresden-Meißen ist Nachfolger von Kardinal Rainer Maria Woelki (59), der vor einem Jahr Erzbischof von Köln wurde. Koch steht nun an der Spitze von 409.000 Katholiken in Berlin, Brandenburg und Vorpommern.

An der Einführung nahmen hochrangige Vertreter aus Politik und Kirchen teil, darunter Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), der Papst-Botschafter in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterovic, und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx (München und Freising). Unter den rund 30 weiteren Bischöfen aus Deutschland, Polen, Tschechien und den Niederlanden waren Kochs Berliner Amtsvorgänger, die Kardinäle Joachim Meisner und Rainer Maria Woelki (beide Köln). Die evangelische Kirche vertrat der Berliner Bischof Markus Dröge, die griechisch-orthodoxe Kirche Erzbischof Augoustinos Lambardakis.

Christen sollen für das Leben eintreten

In seiner Predigt rief Koch die Christen auf, aus ihrem Glauben praktische Konsequenzen zu ziehen. So müssten sie dafür eintreten, dass ungeborene, schwache, arme und sterbende Menschen sowie Flüchtlinge nicht ausgegrenzt werden. Der Erzbischof mahnte, "wenn es nötig ist, auf die Straße zu gehen, um dies zu bekunden". Er lud die Angehörigen anderer Religionen und Weltanschauungen sowie nichtglaubende Menschen zum Dialog ein. "Ihre Erfahrungen sind für uns eine große Bereicherung", betonte er. "Nehmen Sie auch unsere Erfahrungen an." Zudem warb Koch für ein "gemeinsames Suchen" der christlichen Kirchen nach neuen Wegen

Linktipp: Zwischen Hauptstadt und Provinz

Kirchlich gesehen gehört das "Hauptstadt"-Erzbistum Berlin nicht zu den wichtigsten Diözesen in Deutschland. Bis auf die Fäche liegt es eher im unteren Mittelfeld der deutschen Bistümer. Wir stellen die Wirkstätte von Erzbischof Heiner Koch vor.

Zum Artikel

Eterovic hatte zuvor Prälat Tobias Przytarski dafür gedankt, dass er das Erzbistum nach dem Weggang Woelkis übergangsweise "mit Weisheit verwaltet" habe. Dann überreichte der Nuntius dem neuen Erzbischof die Ernennungsurkunde von Papst Franziskus. Als dienstältester Bischof der Berliner Kirchenprovinz geleitete der Görlitzer Oberhirte Wolfgang Ipolt anschließend Koch zum Bischöflichen Stuhl, der Kathedra. Damit trat der Erzbischof offiziell sein Amt an.

Eterovic legt Koch das Pallium um

In einem weiteren feierlichen Akt legte der Papst-Botschafter dem Erzbischof das Pallium über die Schulter. Die weiße Stola aus Lammwolle mit schwarzen aufgestickten Kreuzen ist ein Symbol der Verbundenheit mit dem Papst. Zum Abschluss der Zeremonie überreichte Kardinal Woelki seinem Nachfolger den Hirtenstab.

Hunderte Gläubige, Vertreter von Politik, Gesellschaft und anderen Religionen, nahmen an der Amtseinführung von Erzbischof Heiner Koch in der Berliner Hedwigskathedrale teil.
Hunderte Gläubige, Vertreter von Politik, Gesellschaft und anderen Religionen, nahmen an der Amtseinführung von Erzbischof Heiner Koch in der Berliner Hedwigskathedrale teil.
 KNA

Marx: Schnelle Bistumswechsel sollen nicht die Regel sein

Kardinal Marx würdigte Koch in seinem Grußwort als "Mann mit offenen Herzen und großer theologischer Kompetenz". Im Bistum Dresden-Meißen sei er nicht als "belehrender Ober-Wessi" aufgetreten, sondern habe "mit großer Einfühlsamkeit im Osten Fuß gefasst". Zugleich äußerte Marx Verständnis für die Kritik, dass Koch bereits nach gut zwei Amtsjahren von Dresden nach Berlin berufen wurde. "Das sollte nicht die Regel sein", betonte der Vorsitzende der Bischofskonferenz mit Blick auf den Nuntius.

Der evangelische Berliner Bischof Markus Dröge hob die bereits bestehende Zusammenarbeit der Kirchen hervor, "eine Willkommenskultur für Flüchtlinge zu schaffen". Auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) würdigte dieses Engagement der Kirchen als "wichtige Arbeit in unserer Stadt". Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) betonte, die Christen lebten derzeit der Gesellschaft vor, "wie es gehen kann".

Der Diözesanratsvorsitzende der Katholiken im Erzbistum Berlin, Wolfgang Klose, wünschte Koch "das richtige Maß und eine glückliche Hand, besonders bei der Gestaltung neuer Räume, seien sie aus Stein oder pastoraler Natur". Dabei spielte der obertse Laienvertreter im Erzbistum auf die umstrittenen Projekte der Kathedralsanierung und der Reform von Gemeindestrukturen an.

Wichtige Personalentscheidungen direkt nach Amtsübernahme

Bei seiner Einführung gab Koch zwei wichtige Personalentscheidungen bekannt. Er ernannte Prälat Tobias Przytarski (55) wie sein Vorgänger Woelki zum Generalvikar, den Verwaltungschef des Erzbistums. Zudem bestätigte er Weihbischof Matthias Heinrich (61) als Leiter des Kirchengerichts im Erzbistum. (KNA)

13.45 Uhr: Ergänzt um die Grußworte und die Meldung zu den Personalien.

RSS-Feeds  |  Jobs  |  Impressum  |  Über uns  |  Datenschutz  |  © 2018