Ein Tag mit Bischof Gregor Maria Hanke

Laudes, Gottesdienst und dann ab zur ersten Besprechung: im Alltag von Bischof Gregor Maria Hanke folgt ein Termin auf den anderen. Wir haben den Eichstätter Bischof einen Tag lang begleitet.

Bischöfe | Bonn/Eichstätt - 09.10.2017

Kurz vor 7 Uhr. An einem nebelverhangenen Septembermorgen kämpft sich die Sonne langsam in den Tag. Im Innenhof des Bischofshauses ist die Kapelle die einzige Lichtquelle, die sich durch die Sprossenfenster bricht. Von außen ist schemenhaft ein Mensch in dunkler Kleidung zu erkennen: Bischof Gregor Maria Hanke betet dort die Laudes, das liturgische Morgengebet. Für ihn ist das keine Pflichterfüllung. Als Benediktinermönch war sein Tag in der Benediktinerabtei Plankstetten von diesen Gebetszeiten durchzogen – und auch strukturiert. "Die Psalmen sind für mich ein spirituelles Haus, in dem ich wohnen darf und möchte", erklärt er als er in die Sakristei kommt, um sich für die anschließende Heilige Messe umzuziehen. Er trägt seinen Benediktinerhabit. Im Alltag immer. Und nicht nur äußerlich ist Bischof Hanke von seinem Mönchtum geprägt.

Gebetszeiten von Bischof Gregor Maria Hanke

Es war der 2. Dezember 2006 als aus dem Benediktinerabt Gregor Maria der Bischof von Eichstätt wurde. Traditionell ist in Bayern stets ein Bischofsstuhl von einem Benediktiner besetzt. Mit der Bischofsweihe tauschte Hanke Klostergemeinschaft gegen Bischofshaus, geregelten monastischen Tagesablauf gegen vollen Terminkalender. Denn so viel ist klar: als Bischof ist für ihn kein Tag wie der andere.

Dieser Tag beginnt bereits mit einer Ausnahme: Bischof Hanke frühstückt. Im Normalfall würde ihm sein Espresso reichen. Doch am Vorabend ist er spät von einem Termin gekommen, hatte auch vorher keine Zeit zum Essen. "Da habe ich dann heute Früh doch Hunger", schmunzelt er. Das Frühstück ist zugleich – spontan – erster dienstlicher Termin des Tages: Mit Pressesprecher Martin Swientek bespricht er die Berichterstattung zur Veranstaltung am Vortag vorher. Eine Podiumsdiskussion mit dem im Bistum ansässigen Automobilhersteller Audi. Der Bischof ist ganz Gastgeber, reicht den Brötchenkorb und preist die selbstgemachte Sauerkirschmarmelade an.

Bischof Gregor Maria Hanke liest beim Frühstück einen Artikel, den ihm sein Pressesprecher Martin Swientek mitgebracht hat.
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9 Uhr: Der Bischof trifft sich im Büro mit seinem Sekretär Markus Demeter zur "Postbesprechung". Auf dem Tisch stapeln sich Papiere, Demeter hat eine dicke Fächermappe vor sich liegen. In jedem Fach, fein säuberlich getrennt, eine andere Korrespondenz. Im Sekretariat des Bischofs arbeiten drei Personen. Unter anderem sichten sie die Post und planen Termine für den Bischof. Eineinhalb Jahre im Voraus. Hanke nimmt sich Zeit für jeden Brief, runzelt die Stirn beim Lesen, fragt nach. Bei einem Schreiben dauert es dann auch länger. In Ruhe schaut der Bischof die beigelegten Fotos an, lächelt. "Den beantworte ich selbst." Nicht der einzige Brief, bei dem er persönlich ein paar Zeilen zurückschreibt. Nach 45 Minuten geht es zum nächsten Termin.

Bischof Gregor Maria Hanke lässt sich von seinem Sekretär Markus Demeter ein Dokument näher erklären.
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9.45 Uhr: Heute findet wieder die Medienrunde mit der Stabsstelle Medien- und Öffentlichkeitsarbeit statt. Die Besprechung steht alle sechs Wochen auf dem Plan und ist dem Bischof persönlich besonders wichtig. Am Anfang seiner Amtszeit strukturierte er die Abteilung um: bessere Zusammenarbeit der Ressorts war das Ziel. Auch hier geht es um den Termin am Vorabend, außerdem um Termine der kommenden Wochen. Unser Besuch wird spontan für das nächste Facebook-Posting des Bistums verwendet.

10.45 Uhr. Abfahrt zum nächsten Termin: ein Krankenbesuch. Jedenfalls laut Plan. Denn der Wagen wartet auf Wunsch des Bischofs nicht vor der Tür des Ordinariats, sondern vor dem Bischofshaus. Hanke will ein paar Meter zu Fuß gehen. Auf dem Weg trifft er eine Ordensfrau. Zeit für ein kurzes Gespräch? Natürlich nimmt er sich die.

Um 11 Uhr sitzt Bischof Hanke schließlich im Auto, vorne beim Fahrer. Er erzählt über den anstehenden Krankenbesuch bei einem Gemeindereferenten. Der Bischof kennt ihn von einer seiner Visitationen. Auf dem Rücksitz liegt ein Geschenk: das Matthäusevangelium. Bei seinem Besuch hört er viel zu. Bevor der Bischof sich zum nächsten Termin verabschiedet, betet er gemeinsam mit Albert Ecker und seiner Frau das Vaterunser, segnet sie und verspricht, sie in sein Gebet einzuschließen. Abfahrtszeit: 12 Uhr. Eigentlich. Auf dem Weg zum Auto macht Hanke noch einen Abstecher und lässt sich den Garten der Familie zeigen. Auf der Rückfahrt nach Eichstätt bleibt der Bischof still.

12:30 Uhr: zurück am Bischofshaus. Aus einem im Innenhof abgetrennten Garten kommt Hundegebell: Bischofshund Pami fordert die Aufmerksamkeit von seinem Herrchen. Doch auch wenn er gerne möchte, muss Bischof Hanke den schwanzwedelnden Neufundländermischling vertrösten und verschwindet schon wieder in der Kapelle. Dort warten nämlich die nächsten Gäste: Eine Gruppe von Priestern und ein Diakon, die gerade an einer Lebenswende stehen. Manche von ihnen sind kürzlich in den Ruhestand gegangen, die anderen haben ihre Pfarrstelle gewechselt. Hanke hat sie heute zum Mittagessen eingeladen. Vorher beten sie gemeinsam die Mittagshore.

Dann ist Essenszeit. Es gibt Schweinebraten mit Klößen. Fünf Priester und ein Diakon sind heute zu Gast. Bischof Hanke erkundigt sich bei allen. Nach der Familie, nach dem Leben im Seniorenheim, der Arbeit an der neuen Pfarrstelle. Solche Gespräche und auch die persönlichen Briefe vom Bischof, die sie bekommen, seien für die Seelsorger wichtig, wie sie alle betonen. Irgendwann blickt der Bischof auf die Uhr. Zeit für den nächsten Termin.

Bischof Gregor Maria Hanke nach dem Mittagessen im Gespräch mit den Priestern.
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14.30 Uhr: Treffen des Priesterrates. Auf dem Weg vom Bischofshaus ins Büro trifft Hanke einen Bekannten. Das kurze Gespräch sorgt für ein paar Minuten Verspätung. Doch das macht nichts, denn auch die übrigen Teilnehmer der Sitzung sind nicht alle pünktlich. Vor der Besprechung geht es für die Priester zum Gebet in die Kapelle im 3. Stock. Der Bischof nimmt die Treppe statt den Aufzug. Im Anschluss eröffnet Hanke die Sitzung mit einem Appell an die Verantwortung seiner Priester: Sie sollten nicht zulassen, dass sich jemand abkapselt und füreinander da sein. Der Bischof beschwört die Gemeinschaft seines Klerus. Gegen 17 Uhr ist die Sitzung vorbei.

Bischof Gregor Maria Hanke beim Priesterrat

In die halbe Stunde bis zum nächsten Gespräch schiebt Hanke einen privaten Termin: ein Besuch bei Pami. Der Bischofshund hat einen ganz besonderen Stellenwert für Hanke. Wenn er über "seinen Pami" spricht, bekommen seine Augen ein ganz besonderes Strahlen. Seit acht Jahren lebt der Neufundländermischling mit im Bischofshaus. Aus Plankstetten hatte der Bischof seinen Klosterhund Hasso mitgebracht. Doch der habe sich in Eichstätt nicht wohl gefühlt, erzählt Hanke. Statt "Stadthundeleben" in Eichstätt durfte Hasso zurück auf den Klosterbauernhof. Doch auch Tierheimhund Pami hat schnell das Herz des Bischofs erobert. Und der hat nun etwas Besonderes für seinen treuen Begleiter: Mit einem Brett voll kleingeschnittener Wurst kommt Hanke aus dem Haus. "Das bekommt er aber nicht alles auf einmal!" Dafür setzt sich Pami auch bereitwillig hin und gibt Pfote. Doch auch ohne Futter als "Bestechungsmittel" ist der große schwarze Hund ganz auf sein Herrchen fixiert.

Auf dem Weg zurück ins Haus bleibt der Bischof plötzlich vor der Hauswand stehen: "Na, ein bisschen was haben uns die Amseln ja übrig gelassen." Die Trauben am Weinstock reichen zwar nicht für einen bischofseigenen Hauswein, aber allemal für einen Snack zwischendurch. Und vor allem für eine kurze Unterbrechung vor dem nächsten Termin. Die hat der Bischof im Gegensatz zu seinem vorherigen Leben in der Abtei eher seltener. "Früher hat die Konventglocke meinen Alltag strukturiert, wenn sie zum Stundengebet geläutet hat." Heute muss sich Hanke die Zeiten für das Stundengebet selbst suchen. Und manchmal auch selbst nehmen.

Im Kalender stehen für diesen Tag noch drei Termine: Zwei Sendungsgespräche mit pastoralen Mitarbeitern und ein Gespräch mit dem Regens des Priesterseminars. Die Sendungsgespräche sind dem Bischof wichtig. Er möchte bei seinen Mitarbeitern hören, wie es ihnen geht und was sie konkret mit ihrer Beauftragung planen.

Bischof Gregor Maria Hanke bei einem von zwei Sendungsgesprächen an diesem Tag.
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18.30 Uhr: Feierabendzeit? Bei Bischof Hanke noch nicht. Doch seinen letzten Termin verbindet er mit einer Brotzeit. Michael Wohner, der Regens des Priesterseminars ist zu Gast im Bischofshaus. Er erzählt von der Lourdes-Wallfahrt der Priesteramtskandidaten. Über 20 Männer sind derzeit in der Priesterausbildung. Zumindest die, die in der römisch-katholischen Kirche Priester werden wollen. Denn das Bistum Eichstätt bildet am Collegium Orientale zusätzlich auch Priester für die Ostkirchen aus. Doch diese unterstehen nicht dem Regens. Nach dem Gespräch ist für Bischof Hanke aber auch noch nicht "Feierabend": Vorbereitung auf Termine am nächsten Tag. Und der beginnt für den Bischof wieder frühmorgens mit den Laudes.

Der letzte Termin läuft in entspannter Atmosphäre ab: Bischof Gregor Maria Hanke beim Abendessen mit dem Regens des Priesterseminars.
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Von Julia Martin

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