"Es geht nicht um Zensur"

Nach dem Trierer Bischof Stephan Ackermann sind Kommunikationsprobleme die Hauptursache für das Stocken des Forschungsprojekts zum Missbrauch in der katholischen Kirche. Die inhaltlichen Differenzen hätten sich lösen lassen, sagte der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz am Mittwoch in einem Interview. Darin erklärt er auch, wie es mit dem Projekt weitergehen könnte.

Missbrauch | Bonn/Trier - 09.01.2013

Nach dem Trierer Bischof Stephan Ackermann sind Kommunikationsprobleme die Hauptursache für das Stocken des Forschungsprojekts zum Missbrauch in der katholischen Kirche. Die inhaltlichen Differenzen hätten sich lösen lassen, sagte der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz am Mittwoch in einem Interview. Darin erklärt er auch, wie es mit dem Projekt weitergehen könnte.

Frage: Bischof Ackermann, fürchten Sie nach der Aufkündigung der Zusammenarbeit mit Christian Pfeiffer nicht einen massiven Image-Schaden für die katholische Kirche?

Ackermann: Ich bedauere zutiefst, dass die jetzige Situation entstanden ist. Es ist sowohl für uns Bischöfe als auch für Herrn Pfeiffer eine schwierige Situation. Und natürlich werden Zweifel genährt, ob die Kirche überhaupt an unabhängiger Aufklärung interessiert ist.

Frage: Wie wollen Sie solchen Vorwürfen begegnen?

Ackermann: Indem wir klar darlegen, dass es nicht um Zensur und Kontrolle geht, sondern um Aufarbeitung. Wir haben ein hohes Interesse an unabhängiger wissenschaftlicher Forschung zu dem Thema.

Das beweist doch auch das erste Forschungsprojekt, dessen Ergebnisse wir im Dezember vorgestellt haben. Es wurde vom Direktor des Instituts für Forensische Psychiatrie der Universität Duisburg-Essen, Norbert Leygraf, verantwortet, der auch für uns schmerzliche Erkenntnisse dokumentiert hat. Da hat es solche Probleme nie gegeben.

Ich bin fest davon überzeugt, dass sich die Sachfragen - also etwa Datenschutz und Untersuchungsmethoden - mit gutem Willen hätten lösen lassen.

Bischof Stphan Ackermann

Frage: Es ging also mit Blick auf Pfeiffer gar nicht um sachliche Fragen, sondern um Persönliches?

Ackermann: Es ging bei dem Konflikt vor allem um Kommunikation. Ich bin fest davon überzeugt, dass sich die Sachfragen - also etwa Datenschutz und Untersuchungsmethoden - mit gutem Willen hätten lösen lassen. Und wir müssen sie ja auch lösen, weil wir das Forschungsprojekt mit anderen Partnern fortführen wollen. Bis in den Spätherbst haben wir mit Hochdruck an diesen Fragen gearbeitet und unendlich viel Energie, Zeit und Nerven investiert. Natürlich war die Diskussion manchmal mühsam. Für so ein sensibles Forschungsprojekt ist aber ein hohes Grundvertrauen notwendig.

Frage: Warum?

Ackermann: Es geht hier um Personalakten von aktiven, lebenden Priestern und von verstorbenen Priestern. Das ist insgesamt eine sehr sensible Materie. Ein Knackpunkt war die Anonymisierung von Daten, ein anderer die Frage der Veröffentlichung und der Bewertung der Erkenntnisse auf Augenhöhe. Da gab es unterschiedliche Vorstellungen, die man aber hätte zusammenführen können.

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Die Studie zum Missbrauchsskandal werde in jedem Fall mit neuem Partner weitergeführt, so die Bischofskonferenz zur Kündigung des Vertrags mit dem Kriminologen Pfeiffer.
 S. Schortemeyer und P. Philipp

Frage: Wird der neue wissenschaftliche Partner die gleichen Anforderungen erhalten wie Professor Pfeiffer?

Ackermann: Natürlich haben Pfeiffer und sein Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen eigene Vorstellungen mit eingebracht, auf die ein anderer Wissenschaftler vielleicht weniger Wert legt. Professor Pfeiffer hat stark auf Interviews mit Opfern und Tätern gedrungen. Hier haben wir aber schon viele Erkenntnisse, unter anderem aus dem Forschungsprojekt mit Professor Leygraf oder durch die wissenschaftliche Auswertung der Anrufe bei der Hotline für Missbrauchsopfer. Für uns zentral ist die Erforschung der Personalakten.

Frage: Waren sich die Bistümer einig beim Umgang mit Professor Pfeiffer?

Ackermann: Es gab einen gemeinsamen Beschluss für das Forschungsprojekt, und wir haben gemeinsam den Vertrag unterzeichnet. Da kann man die Bistümer nicht auseinanderdividieren.

Frage: Es wird spekuliert, dass das Erzbistum München-Freising deshalb als Bremser auftritt, um den früheren Erzbischof Joseph Ratzinger und heutigen Papst zu schützen...

Ackermann: Das sind unredliche Spekulationen. Das Erzbistum München hat bereits 2010 einen von einer externen Rechtsanwältin erstellten Bericht veröffentlicht und dabei im großen Stil alte Personalakten ausgewertet. Da gab es also nichts zu verheimlichen.

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Von Christoph Arens

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