Evangelischer Kirchentag verteidigt AfD-Einladung

Was die Katholiken vor einem Jahr ablehnten, machen jetzt die Protestanten: Zu ihrem Kirchentag im Mai in Berlin und Wittenberg laden sie auch die AfD ein. Das sorgt schon jetzt für Protest.

Kirchentag | Berlin - 21.03.2017

Zum Reformationsjubiläum sucht der Deutsche Evangelische Kirchentag das Gespräch mit Andersdenkenden und geht dabei auch auf die AfD zu. Im Gegensatz zum Katholikentag in Leipzig haben die deutschen Protestanten auf ihrem Berliner Treffen Ende Mai eine AfD-Politikerin eingeladen. Anette Schultner, Vorsitzende der Bundesvereinigung Christen in der AfD, komme aber nicht wegen ihres Parteibuchs, sondern weil sie die Christen in der Alternative für Deutschland (AfD) vertrete, sagte Generalsekretärin Ellen Ueberschär am Dienstag bei der Vorstellung des Kirchentagsprogramms in Berlin. Dabei wolle man "Klartext" reden. Der Kirchentag solle die Stärke des "liberalen Protestantismus" unter Beweis stellen.

"Angst ist kein politisches Argument."

Schultner soll auf einer Podiumsrunde mit dem Berliner Landesbischof Markus Dröge diskutieren. Gegen die Einladung regt sich indes Widerstand, im Internet läuft eine Unterschriftensammlung dazu. Dialog sei die Grundhaltung des Kirchentags, sagte hingegen Präsidentin Christina Aus der Au. "Angst ist kein politisches Argument." Man wolle in "reformatorischer Gelassenheit" einander zuhören und mit "protestantischem Selbstverständnis" streiten.

Unter dem Motto "Du sieht mich" werden zum Kirchentag von 24. bis 28. Mai in Berlin mehr als 100.000 Menschen erwartet. Zu den Gästen zählen unter anderem Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der Kanzlerkandidat und SPD-Vorsitzende Martin Schulz. Auch Menschenrechtler aus Polen, Russland und der Ukraine sollen zu Wort kommen.

Linktipp: Protestanten wollen AfD nicht ausschließen

Politiker der AfD sollen nicht pauschal von Veranstaltungen des Evangelischen Kirchentags 2017 ausgeschlossen werden. Beim Katholikentag in Leipzig darf die islamkritische Partei hingegen nicht auftreten. (Artikel vom Mai 2016)

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Aus der Ökumene werden unter anderen der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland, Metropolit Augoustinos, sowie erstmals der Primas der anglikanischen Kirche, Erzbischof Justin Welby, erwartet. Zum interreligiösen Dialog gibt es wieder die Zentren "Juden und Christen" sowie "Muslime und Christen".

Gedenken an gestorbene Flüchtlinge vorgesehen

Nach dem Berliner Auftakt mit Gottesdiensten am Reichstag, dem Brandenburger Tor und dem Gendarmenmarkt plant der Kirchentag an den Folgetagen Podiumsrunden und andere Veranstaltungen auf dem Messegelände. Auf der Bühne am Brandenburger Tor stehen während des Kirchentags Konzerte auf dem Programm. Zu dem Festgottesdienst zum Abschluss werden dann am 28. Mai vor den Toren der Lutherstadt Wittenberg mehr als 200.000 Menschen erwartet. An die mehr als 10.000 Flüchtlinge, die seit 2014 auf ihrem Weg nach Europa umgekommen sind, will der Kirchentag nach Angaben Ueberschärs am Freitag (26. Mai) mit einer Schweigeminute in allen Veranstaltungen erinnern. Der Deutsche Evangelische Kirchentag besteht seit 1949 und ist alle zwei Jahre in einer anderen deutschen Stadt zu Gast. (rom/KNA/dpa)

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