Festing bei Malteser-Wahl unerwünscht

Die Malteser wählen Ende April einen neuen Großmeister. Einer wird dann wohl nicht dabei sein: Der bisherige Großmeister Matthew Festing. Diese Entscheidung fällte er jedoch nicht selbst.

Orden | Rom - 19.04.2017

Matthew Festing, zurückgetretener Großmeister der Malteser, ist von der Wahl zum neuen Leiter des Ordens in Rom am 29. April ausgeladen worden. Der päpstliche Sonderbeauftragte für den Malteserorden, Erzbischof Giovanni Angelo Becciu, hatte ihn gebeten, weder an der Wahl teilzunehmen noch nach Rom zu reisen. Das geht aus einem Brief des Erzbischofs hervor, den die Internetseite "National Catholic Register" veröffentlichte.

In seinem Schreiben vom 15. April berichtet Erzbischof Becciu vom Wunsch vieler Mitglieder des Ordens, dass Festing nicht anreise. Sie befürchteten, seine Anwesenheit lasse Wunden wieder aufreißen und "würde verhindern, dass die Veranstaltung in einer Atmosphäre des Friedens und der wiedergewonnenen Harmonie stattfindet". Becciu habe seine Entscheidung Papst Franziskus mitgeteilt und bitte Festing nun, auf seine Reise als "Akt des Gehorsams" zu verzichten.

Noch im März dachte Festing an Wiederwahl

Diese Ausladung ist überraschend, da Festing noch Ende März erklärt hatte, dass er wiedergewählt werden könne und auch darüber nachdenke, die Wahl anzunehmen. Papst Franziskus hätte nach Festings damaliger Aussage seine Wiederwahl akzeptiert. Festing war im Januar auf Druck von Franziskus von dem Amt des Großmeisters zurückgetreten. Dem war ein Konflikt über die Amtsenthebung des Großkanzlers Albrecht von Boeselager vorausgegangen: Matthew Festing hatte den deutschen Freiherrn im Dezember 2016 wegen einer angeblichen "Kondom-Affäre" abgesetzt. Daraufhin hatte Papst Franziskus eine Untersuchungskommission eingerichtet. Von Boeselager ist inzwischen wieder im Amt. (jhe)

Linktipp: Von Boeselager: Bin ein kirchentreuer Katholik

War er dem ehemaligen Großmeister Matthew Festing zu liberal? Oder wollten die deutschen Malteser rund um Albrecht von Boeselager sogar eine Revolte anzetteln? Ein Interview mit dem Großkanzler. (Artikel von Februar 2017)

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