"Glaubensvertiefung ist das Gebot der Stunde"

Vor der Jugendsynode 2018 spricht Jugendbischof Oster über seine Erwartungen, die Frage, wie junge Menschen zum Glauben finden und sein Verhältnis zu den Jugendverbänden. Und er verrät, was ihn selbst jung hält.

Jugend | Passau - 10.07.2017

Frage: Herr Bischof Oster, Ihr Ordensgründer betete: "Herr, gib mir Seelen - alles andere nimm." Lässt sich nach dieser Maxime heute noch katholische Jugendarbeit machen?

Oster: Don Bosco wollte daran mitwirken, dass das Leben junger Menschen gelingt. Ich würde das so übersetzen: Hilf mir, dass aus ihnen gläubige Christen und verantwortungsvolle Mitglieder der Gesellschaft werden.

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Der Passauer Bischof Stefan Oster ist neuer Vorsitzender der Jugendkommission der Bischofskonferenz. Im Interview mit katholisch.de nimmt er Stellung zur kirchlichen Sexualmoral.
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Frage: Bei Ihrem Antrittsbesuch im Hauptquartier der katholischen Jugendverbände Deutschlands ging es hoch her. Wie wollen Sie Ihr Verhältnis zu diesen Organisationen künftig gestalten?

Oster: Da wurde im Anschluss manches zugespitzt, wobei ich das als Journalist wohl auch getan hätte. Keineswegs will ich als Jugendbischof auf die Verbände draufhauen, gar nicht. Mir ist der Dialog wichtig, dass man einander mit Wohlwollen zuhört. Aber es geht auch darum, sich vom Evangelium und von dieser Zeit herausfordern zu lassen. Wir in der Kirche insgesamt, die Jugendverbände nicht ausgenommen, gehen immer noch wie selbstverständlich davon aus, dass Gläubigwerden institutionell irgendwie gelingt. Und das stimmt einfach nicht.

Frage: Zu Pfingsten hielten Sie in Salzburg eine Katechese vor über 6.000 Jugendlichen. Ist das Ihr Kontrastprogramm zu Teestube, Zeltlager und dem Mitmischen in der Politik?

Oster: Das war nicht mein Kontrastprogramm, ich war eingeladen. Übrigens kamen die Teilnehmer fast zur Hälfte aus Deutschland. Ich finde spannend, was bei dieser Gemeinschaft in Salzburg passiert. Da geht es in einer sehr klaren Weise um das Evangelium, um traditionelle Inhalte des Glaubens. Wenn darüber tiefgründig und trotzdem jugendgemäß gesprochen wird, zieht das offenbar viele an. Klar wird oft gefragt: Machen solche Gruppen nur happy-clappy Lobpreis und sonst nichts? Die in Salzburg betreibt auch dauerhaft eine Obdachlosenküche.

Frage: Wie schon als Theologieprofessor in Benediktbeuern haben Sie an Ihrem Bischofssitz einen jugendlichen Gebetskreis um sich geschart. Was geschieht dort über die Pflege persönlicher Frömmigkeit und Glaubensvertiefung hinaus?

Oster: Wenn das passiert, ist es schon gar nicht mal schlecht, denn Glaubensvertiefung ist ein Gebot der Stunde. Mein Versuch ist da nur einer von vielen, wenn auch durchaus anspruchsvoll. Wir sind jeweils zwei Stunden intensiv beieinander, mit Gebet, Stille, Vortrag und dem Ringen um Verständnis. Einige sagen, genau das hat uns gefehlt, wir brauchen Orte, wo wir erfahren, was der Glaube heute bedeutet. Da bewegt sich dann auch etwas. Vor kurzem haben wir einen intellektuellen jungen Mann getauft, der am Anfang ganz weit weg war.

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Frage: Sehen Sie die Gefahr, dass da ein Zirkel von Schülern von Ihnen wie von einem Guru abhängig wird?

Oster: So eine Gefahr besteht überall, wo in der Kirche Charismen aufbrechen. Ein Rattenfänger will Menschen an sich binden. Uns muss es darum gehen, Menschen auf Christus hin freizugeben. Das reflektiere ich und versuche mit den Jugendlichen so umzugehen, dass ich sie nicht an mich kette.

Frage: Was haben Sie zuletzt von einem jungen Menschen gelernt?

Oster: Ich finde es großartig, mit welcher Geduld, gegenseitiger Aufmerksamkeit und Beteiligung junge Leute in den Verbänden Demokratie leben und organisieren. Die können stundenlang Anträge diskutieren, bis eine Mehrheit steht. Das ist ein wunderbarer Beitrag zur Stärkung unserer Demokratie, die gerade vor der Frage steht, ob sie eine Episode unserer Geschichte ist oder ob sie wirklich lebensfähig bleibt. Das habe ich an den Jugendverbänden schätzen gelernt.

Frage: 2018 findet im Vatikan eine Jugendsynode statt. Was soll dort behandelt werden?

Oster: Meine zentrale Frage ist: Wie finden junge Menschen heute in den Glauben? In den USA wurde untersucht, warum jemand wegbleibt von der Kirche. Bei ungefähr einem Viertel der 15- bis 35-Jährigen sind es die Themen rund um Sexualität, also die Klassiker wie Zölibat und Homosexualität. Aber über 60 Prozent bleiben weg, weil sie ein wissenschaftlich-modernes Weltbild nicht mehr für vereinbar halten mit dem Glauben. Der Rest sieht in der Religion eine Ursache von Gewalt und Kriegen. Ich hoffe, dass die Synode ein paar Ergebnisse hervorbringt, wie wir dieses kirchliche Kommunikationsdefizit verringern können. Und ich hoffe sehr, dass junge Menschen auch vor den versammelten Bischöfen zu Wort kommen.

Frage: Sie wirken selbst sehr jugendlich, obwohl Sie sich statistisch auch schon länger in der zweiten Lebenshälfte bewegen. Wie kommt das?

Oster (lacht): Ehrlich gesagt hält mich vor allem die Begegnung mit jungen Leuten fit. Ich wohne in einer WG, da ist eine Mitbewohnerin gerade 30 geworden, einer ist noch jünger. Und mir hilft das Gebet. Wenn das eigene geistliche Leben einen nicht liebes- und begegnungsfähiger macht, ist etwas faul. Rein biologisch vergreist das Leben von selbst, das merken wir doch beide - oder?

Von Christoph Renzikowski (KNA)

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