Im Schein der Heiligen

Als der heiligen Bernadette in Lourdes die Muttergottes erschienen war, wollte ihr zunächst niemand so recht glauben. Doch heute zählt der Erscheinungsort zu den wichtigsten Wallfahrtsorten der Welt. Und auch Bernadette wird hoch in Ehren gehalten.

Heilige | Nevers - 08.02.2016

Die heilige Bernadette, "Seherin von Lourdes", gehört zu den Ikonen der katholischen Kirche. In Nevers im Westen von Burgund kümmern sich einige wenige verbliebene Ordensschwestern um die Kapelle mit den sterblichen Überresten der Heiligen in ihrem Glassarg. Sie feiern in diesem Jahr ein großes, qua Überalterung womöglich letztes Jubiläum, gemeinsam mit der Diözese Nevers: den 150. Jahrestag der Ankunft der heiligen Bernadette im Kloster Saint-Gildard am 7. Juli 1866.

Posthum wurde Bernadette ein Star - einer, an dem sich bis heute die Geister scheiden. Die Lebensgeschichte der Heiligen jedenfalls ist eine gebrochene, sowohl in ihrer Heimat als auch in ihrem Orden. Ein Mädchen aus bettelarmem Elternhaus, Jahrgang 1844, kränklich, lernschwach und ob ihrer materiellen und körperlichen Mängel verachtet, erfährt mit 14 Jahren beim Schafehüten das Schlüsselerlebnis ihres kurzen Lebens: Zwischen dem 11. Februar und dem 16. Juli 1858 erscheint ihr nach eigener Schilderung in einer Grotte bei Lourdes 18 Mal eine schöne Dame, die sich als die "Unbefleckte Empfängnis" zu erkennen gibt.

Strenge Verhöre und Lügenvorwürfe

Die Gottesmutter selbst habe sie beauftragt, eine Kapelle errichten und Wallfahrten abhalten zu lassen, berichtet Bernadette. Nirgends zählt ein Prophet so wenig wie in seiner Vaterstadt - das Bibelwort gilt zunächst auch in dem verschlafenen Ort am Fuß der Pyrenäen. Pilgerströme und Journalisten fallen ein in das Provinzidyll; erste Berichte über unerklärliche Heilungen. Doch zu Hause wird Bernadette von ihrer Mutter der Lüge bezichtigt für ihren "Faschingsrummel". Der Ortspfarrer und der Bischof unterziehen sie strengen Verhören. Und der Bürgermeister, dem die Behörden drohen, man werde die geplante Zugtrasse an Lourdes vorbeilegen, wenn der Ort nicht bald zur Besinnung komme, klagt: "Sie werden sehen, diese kleine Landplage hat uns die Eisenbahn vermasselt."

Die Muttergottes von Lourdes zählt heute zu einem der wichtigsten Marienwallfahrtsorte der katholischen Kirche.
Die Muttergottes von Lourdes zählt heute zu einem der wichtigsten Marienwallfahrtsorte der katholischen Kirche.
 KNA

Der "Fall Soubirous" verselbstständigt sich: 1862 werden die Erscheinungen vom Ortsbischof, 1891 von Papst Leo XIII. kirchlich anerkannt. 1925 wird Bernadette selig-, 1933 heiliggesprochen. Ihr irdisches Leben endet unspektakulär: Die einstige Hilfsschülerin, selbst immer wieder schwer krank, tritt 1866 in den Krankenpflegeorden der «Dames de Nevers» ein. Dort stirbt sie 1879 mit nur 35 Jahren - laut der Überlieferung durchaus von der ein oder anderen Mitschwester um ihre Erscheinungen beneidet.

Bei der Exhumierung aus Anlass der Seligsprechung Bernadettes 1925 wurden ihre Reliquien intakt aufgefunden. Der Glasschrein zieht bis heute viele Pilger und Touristen an. Der Orden könne sein großes Klosterareal nur noch aufgrund der Reliquien aufrechterhalten, heißt es. Das Tourismusamt von Nevers beziffert die Einnahmen in Zusammenhang mit der Seherin von Lourdes auf rund 2,5 Millionen Euro jährlich.

Linktipp: Kampf um Bernadette

Die heilige Bernadette, "Seherin von Lourdes", gehört zu den Ikonen der katholischen Kirche. Nun ist ein Streit um ihre Reliquien entbrannt. Sie sollen von Nevers zurück nach Lourdes gebracht werden.

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Im vergangenen Jahr gab es ein unschönes Zerren um ihre sterblichen Überreste. Eine Vereinigung "Zur Rückkehr von Bernadette Soubirous nach Lourdes" will die größte Tochter der Stadt aus ihrem Sterbeort Nevers zurück ans Ufer der Gave holen. Sie stützt sich auf die Nachkommen der Familien; ein kommerzielles Interesse weist sie zurück. Bernadettes Orden dagegen verweist auf ihren Letzten Willen, an ihrem Sterbeort und bei ihrem Orden beigesetzt zu werden - ein Wunsch, der allerdings nicht schriftlich hinterlegt ist.

Die Jubiläumsfeiern beginnen am 11. Februar

Einer der wichtigsten Termine im Gedenkjahr von Nevers ist der Festtag Unserer Lieben Frau von Lourdes, der Jahrestag der ersten Erscheinung am 11. Februar. Dann wird ein festlicher Gottesdienst unter der Leitung des Bischofs von Nevers, Thierry Brac de la Perriere, gefeiert. Eine Woche später, am 18., folgt das Fest der heiligen Bernadette - der Tag, an dem Maria das erste Mal zu dem Hirtenmädchen von Lourdes sprach. Die eigentliche Ankunft in Nevers wird dann am 7. Juli begangen, mit einer Messe unter der Leitung des päpstlichen Nuntius in Frankreich, Erzbischof Luigi Ventura, einer siebentägigen Wanderung auf dem "Weg der Bernadette", einem großen Festprogramm und einem abendlichen Feuerwerk.

Von Alexander Brüggemann (KNA)

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