Kämpferin für die Opfer der Industrialisierung

Sie hatte einen wachen Blick für die Nöte ihrer Zeit: Clara Fey eröffnete eine Armenschule für Mädchen und gründete einen Orden, der in der ganzen Welt tätig ist. Dabei sah es am Anfang gar nicht danach aus. Heute wird sie seliggesprochen.

Orden | Aachen - 10.05.2017

Karitatives Engagement war Clara Fey nicht unbedingt in die Wiege gelegt. 1815 als Tochter wohlhabender Tuchfabrikanten in Aachen geboren, hatte sie zunächst einen Platz auf der Sonnenseite des Lebens. Doch angesichts der Verelendung der Arbeiter und ihrer Familien im Zuge der Frühindustrialisierung machte sich Clara die Hilfe für die Armen und Benachteiligten zum Ziel. Daraus erwuchsen ein Orden, viele Schulen und unzählige Initiativen in zahlreichen Ländern. Für ihr unermüdliches Handeln aus dem Glauben heraus wird Fey am 5. Mai 2018 seliggesprochen.

Schon als junges Mädchen ließ sie der Gedanke an bettelnde und verwahrloste Kinder nicht ruhen. Auch der frühe Tod des Vaters und die sozial aufgeschlossene Mutter beeinflussten Fey. Als Vorbild standen ihre beiden Brüder, die Priester waren, sowie die Erzieherin und Dichterin Luise Hensel (1798-1876) vor Augen. All dies bestärkte ihren Willen, sich selbst für die Nöte der Arbeiterschaft einzusetzen und dabei Gleichgesinnte mitzuziehen. Während der "Sonntagsgespräche", die Claras Mutter in ihrem Haus abhielt, tauchte schließlich eine Idee auf: "Wir wollen ein Schülchen anfangen!" Fey und ihre Freundinnen machten ernst, realisierten 1837 das Projekt Armenschule in Aachen - damals Boomtown der Industrialisierung. Doch Erziehung allein reichte nicht, mussten die "frommen Fräuleins" feststellen.

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So verschrieb sich Fey mit drei Gefährtinnen am 2. Februar 1844 offiziell einer Güter- und Lebensgemeinschaft mit der Verpflichtung zur Ehelosigkeit: Die Gemeinschaft der Schwestern vom armen Kinde Jesus war geboren. Als Leitwort wählten sie ein Wort aus dem Johannesevangelium "Manete in me" ("Bleibt in mir"). Clara wuchs mit kaum 30 Jahren in die Rolle der Oberin hinein, beraten von ihren geistlichen Freunden. Im Laufe der Jahre mauserte sich der Freundinnenkreis zu einer klösterlichen Gemeinschaft mit der Aufgabe, verwahrlosten Mädchen zu Schulbildung und einem menschenwürdigen Platz in der Gesellschaft zu verhelfen.

Der Vatikan erkannte ein Wunder an

Ab dem Revolutionsjahr 1848 erlebte die Gemeinschaft vom armen Kinde Jesus, nun offiziell als Kongregation von staatlicher und bischöflicher Seite anerkannt, rasantes Wachstum. Die Oberin, einfach "Mutter" genannt, gründete nach und nach 27 Niederlassungen mit fast 600 Nonnen. Im September 1878 - in der Folge des Kulturkampfes - siedelte Mutter Clara ins niederländische Simpelveld über, von wo aus sie die Ausbreitung ihrer Kongregation in Europa leitete. Dort starb sie am 8. Mai 1894 mit 79 Jahren. 2012 wurden ihre sterblichen Überreste nach Aachen übertragen, wo seitdem wieder die Generalleitung ihren Sitz im ehemaligen Mutterhaus in der Jakobstraße hat. Heute sind rund 450 Ordensfrauen in vielen Ländern Europas, in Indonesien, Kasachstan, Kolumbien und Peru tätig.

Für ihre imposante Lebensleistung als sozial engagierte Ordensfrau wird Fey nun seliggesprochen. Vor wenigen Tagen hatte der Vatikan bekanntgegeben, dass ein dafür erforderliches Wunder auf Fürsprache Feys anerkannt wurde. "Mit dieser Entscheidung wird die Gründerin des Ordens der Schwestern vom armen Kinde Jesus für ihren Glauben, ihre Spiritualität und ihr Werk der tätigen Nächstenliebe gewürdigt", erklärte der Aachener Bischof Helmut Dieser. Der genaue Termin der Feier im kommenden Jahr im Aachener Dom steht noch aus. Fest steht dagegen: Mit der Seligsprechung Clara Feys rückt sie in eine Reihe mit ihren Mitstreiterinnen Franziska Schervier (1819-1876) und Pauline von Mallinckrodt (1817-1881). Alle drei stammten aus begüterten Familien und gründeten Sozialorden.

Von Sabine Kleyboldt und Anselm Verbeek (KNA)

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