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"Kölscher Kaviar" statt Currywurst

Mit einem feierlichen und streckenweise emotionalen Pontifikalhochamt ist am Samstag der aus Köln stammende Kardinal Rainer Maria Woelki als neuer Erzbischof von Köln eingeführt worden. Tausende Gläubige in und vor dem überfüllten Kölner Dom unterbrachen die fast drei Stunden dauernde Zeremonie immer wieder mit langem Applaus.

Erzbistum Köln | Köln - 20.09.2014

Mit einem feierlichen und streckenweise emotionalen Pontifikalhochamt ist am Samstag der aus Köln stammende Kardinal Rainer Maria Woelki als neuer Erzbischof von Köln eingeführt worden. Tausende Gläubige in und vor dem überfüllten Kölner Dom unterbrachen die fast drei Stunden dauernde Zeremonie immer wieder mit langem Applaus.

Den längsten Applaus gab es, als Dompropst Norbert Feldhoff verkündete, dass Woelki nun, nach der Übergabe der päpstlichen Ernennungsbulle an das Domkapitel, der neue Kölner Erzbischof sei und Gott ihn segnen möge. Als später Menschen aus allen Regionen des Erzbistums Gaben zum Altar brachten und an Woelki überreichten - darunter auch ein Fässchen Kölsch sowie Düsseldorfer Senf - gab es so viele Applausunterbrechungen, dass der liturgische Zeitplan endgültig aus dem Ruder lief.

Der im Kölner Stadtteil Mülheim geborene Woelki genoss sichtlich die warme Welle der Sympathie, die ihm als neuer Hirte seines Heimatbistums schon seit Wochen entgegenschlägt. Als Berliner Erzbischof wurden ihm in der Öffentlichkeit seine einfache Wohnung im Arbeiter-Kiez Wedding und seine Besuche an der Currywurstbude von nebenan zugutegehalten.

Bei einem Glas Kölsch gesichtet

In Köln setzte Woelki diese Linie fort mit einem emotionalen Heimatbesuch in dem Kleine-Leute-Viertel, aus dem er stammt. Und später mit einem Gang in eines der traditionellen Kölsch-Brauhäuser im Schatten des Doms, wo die Blutwurst als der "Kölsche Kaviar" auf der Speisekarte steht. Dort wurde er, unscheinbar und ohne offizielle Begleitung, am Vorabend seiner Amtsübernahme bei einem Glas Kölsch gesichtet.

Aber Woelki wäre nicht Woelki, wenn er bei der Pflege von Sentimentalität und Lokalkolorit stehen bliebe. Wie schon vor drei Jahren bei seinen ersten bischöflichen Predigten in Berlin setzte er auch bei seiner Einführungspredigt im überfüllten Kölner Dom unüberhörbare theologische und kirchenpolitische Akzente. Den Dank an seinen zu Tränen gerührten Vorgänger, Kardinal Joachim Meisner, verband er mit dem Hinweis, dass schon immer jeder Kölner Erzbischof das Erbe des christlichen Glaubens auf seine jeweils eigene Art weitergegeben habe.

Erinnerung an den legendären Kardinal Josef Frings

Was seine eigene Art als Kölner Erzbischof sein werde, deutete er an, indem er sich symbolisch in die Nachfolge des legendären Kölner Kardinals Josef Frings (1887-1978) stellte. Beim Gottesdienst hielt er den Fringsschen Bischofsstab in der Hand und stellte ihn auch in den Mittelpunkt seiner Predigt.

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Kardinal Woelki wird neuer Erzbischof von Köln. Die meisten Kölner äußern sich positiv über diese Nachricht. Nur die Berliner haben das Nachsehen.
 Tobias Böcher

Mit dem Namen Frings verbinden die Menschen im Rheinland bis heute das Bild einer menschenfreundlichen und sozial engagierten Kirche. Frings leitete die Kölner Kirche durch die Notzeit der Kriegs- und Nachkriegsjahre und war beim Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) eine der treibenden Reformkräfte bei der Durchsetzung von mehr kollegialer Mitbestimmung in der Kirchenleitung.

Kardinal Marx hofft auf Unterstützung aus Köln

Zugleich erinnerte die Anwesenheit des Präfekten der Römischen Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, als Konzelebrant am Domaltar, daran, dass auch unter Woelki die Kirche von Köln eine "Tochter Roms" bleibt und dass "Kölsch-Katholisch" trotz mancher Eigenheiten keine eigene Konfession ist, sondern vor allem eine sympathische und flexible Variante desselben katholischen Glaubens darstellt, den Müller repräsentiert.

Einen Akzent besonderer Art setzte am Ende der Feier der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Münchens Kardinal Reinhard Marx. Unter dem Eindruck der gewaltigen Sympathiewelle für Woelki formulierte er den Wunsch, dass auch der neue Mann an der Spitze des großen und ehrwürdigen Kölner Erzbistums den Vorsitzenden der Bischofskonferenz unterstützen möge.

Für Kenner der jüngeren Kirchengeschichte war der Hinweis mehr als eine nette Floskel. Denn Köln und München, die beiden Kraftpole der katholischen Kirche in Deutschland, sind einander seit vielen Jahrzehnten in herzlicher Rivalität verbunden. Die Bischofskonferenz-Vorsitzenden stellten in der Vergangenheit mal München, mal Köln. Die beiden bislang letzten Vorsitzenden aus der Domstadt am Rhein waren Kardinal Frings (1945-1965) und Kardinal Joseph Höffner (1976-1987).

Von Ludwig Ring-Eifel (KNA)

Stichwort: Erzbistum Köln

Das Erzbistum Köln hat knapp 2,1 Millionen Katholiken und ist damit bundesweit die mitgliederstärkste Diözese. Zudem ist Köln mit einem derzeitigen Etat von rund 800 Millionen Euro das finanzstärkste deutsche Bistum. In sieben Stadt- und acht Kreisdekanaten liegen etwa 180 Seelsorgebereiche mit 529 Pfarreien. Dazu gehören etwa 800 Kirchen und Kapellen und rund 400 Filialkirchen, von denen etwa 600 unter Denkmalschutz stehen. Die Leitung hat mit seiner offiziellen Einführung am Samstag Kardinal Rainer Maria Woelki (58) übernommen. Der frühere Kölner Weihbischof war zuletzt drei Jahre lang Erzbischof von Berlin. Er folgt als 95. Erzbischof von Köln auf Kardinal Joachim Meisner, der bis Ende Februar 25 Jahre lang an der Spitze der Erzdiözese stand. Erster Bischof in Köln war der heilige Maternus, dessen Wirken für die Jahre 313/314 belegt ist. Seit dem achten Jahrhundert ist Köln Erzbistum. Weltliche und geistliche Macht in einer Person vereinte im 11. Jahrhundert der heilige Bruno. Erzbischof Rainald von Dassel brachte 1164 die Gebeine der Heiligen Drei Könige von Mailand nach Köln. 1248 wurde der Grundstein für den gotischen Dom gelegt, der erst mehr als 600 Jahre später fertiggestellt wurde. (KNA)

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