Lob für die Präventionsarbeit der Kirche

Der Missbrauchsbeauftragte der Regierung sieht die kirchliche Präventionsarbeit auf einem guten Weg. Doch noch immer täten sich manche Einrichtungen schwer damit. Er nennt ein Beispiel aus Süddeutschland.

Missbrauch | Münster - 01.05.2017

Im Kampf gegen Kindesmissbrauch hat der unabhängige Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, die Bemühungen der katholischen Kirche um Prävention gewürdigt. Er kritisierte allerdings in der Bistumszeitung "Kirche + Leben" (online) in Münster, dass sich viele kirchliche Einrichtungen mit der Aufarbeitung noch schwer täten.

"Wir haben dies unter anderem bei der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals bei den Regensburger Domspatzen gesehen. Es war wohltuend, endlich zu erleben, wie nach bleiernen Jahren die neue Bistumsleitung Verantwortung übernommen hat." Dies und ein Umgang mit Betroffenen "auf Augenhöhe" seien "beispielgebend und zeigen, dass es für Aufarbeitung nie zu spät ist". Rörig sagte, er hoffe, dass dieses Engagement im Vatikan Aufmerksamkeit bekomme.

Zu oft wurde "weggesehen, verhamlost, vertuscht"

Lange sei "offenbar der Institutionenschutz wichtiger als der Kinderschutz" gewesen, so Rörig. "Oft wurden die Taten Einzeltätern zugeschrieben, aber die strukturelle Komponente nicht gesehen." Generell sei in Deutschland bei sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen "zu oft weggesehen, verharmlost und vertuscht" worden. Mittlerweile sei die Sensibilität gewachsen.

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Der Missbrauchsskandal erschütterte die katholische Kirche in ihren Grundfesten. Seit 2010 die ersten Fälle bekannt wurden, bemüht sich die Kirche um Aufarbeitung der Geschehnisse. Katholisch.de dokumentiert die wichtigsten Etappen.

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Allerdings sei der Schutz von Kindern vor sexueller Gewalt "noch nicht gelebter Alltag", mahnte Rörig. "Ich hoffe, dass die Politik den Kampf gegen Kindesmissbrauch ganz oben auf ihre Agenda setzt." Mit Initiativen solle dazu ermutigt werden, Schutzkonzepte in allen Einrichtungen zu entwickeln, denen Kinder und Jugendliche anvertraut seien. "Kitas, Schulen oder Kirchengemeinden dürfen nicht zu Tatorten werden."

Der beste Schutz für Kinder sei eine "liebevolle Erziehung, die alle Bedürfnisse im Blick hat und das Kind so respektiert, wie es ist", empfahl der Missbrauchsbeauftragte. "Überbehütung ist der falsche Weg. Sie schränkt Mädchen und Jungen mit ihren Potenzialen ein und schwächt das Selbstvertrauen." Es stärke sie dagegen, wenn ihre Selbstständigkeit gefördert und ihnen im richtigen Moment geholfen werde. "Kinder brauchen Eltern, die sich Zeit nehmen, zuhören und vermitteln, dass nicht alles andere immer wichtiger ist." (KNA)

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