Mehr Macht für Georg Gänswein?

Er gehört zu den bekanntesten Gesichtern des Vatikan und gilt zugleich als einer der einflussreichsten Männer im Umkreis des Papstes. Seit der Wahl von Benedikt XVI. dient ihm der Freiburger Prälat Georg Gänswein (56) als Privatsekretär. Nach sieben Jahren will der Papst seinem engsten Mitarbeiter nun offenbar eine noch bedeutendere Aufgabe übergeben. Laut italienischen Medienspekulationen könnte er Bischof werden und eine Leitungsfunktion in der Präfektur des Päpstlichen Hauses übernehmen.

Vatikan | Vatikanstadt - 24.11.2012

Er gehört zu den bekanntesten Gesichtern des Vatikan und gilt zugleich als einer der einflussreichsten Männer im Umkreis des Papstes. Seit der Wahl von Benedikt XVI. dient ihm der Freiburger Prälat Georg Gänswein (56) als Privatsekretär. Nach sieben Jahren will der Papst seinem engsten Mitarbeiter nun offenbar eine noch bedeutendere Aufgabe übergeben. Laut italienischen Medienspekulationen könnte er Bischof werden und eine Leitungsfunktion in der Präfektur des Päpstlichen Hauses übernehmen.

Als Nachfolger des zum Kardinal avancierten US-Amerikaners James Michael Harvey (63) wäre er für den offiziellen Terminkalender des Papstes zuständig, für dessen Audienzplan und für die Betreuung von Staatsbesuchen. Freilich machte stutzig, dass Benedikt XVI. am Freitag zwar Harvey zum neuen Erzpriester der Päpstlichen Pauls-Basilika erhob und ihn damit als Präfekten des päpstlichen Hauses ablöste, nicht aber zugleich einen Nachfolger nominierte.

Sollte Gänswein tatsächlich eine Berufung in die Präfektur erhalten, würden damit seine Kompetenzen deutlich erweitert. Er bliebe weiterhin in der engsten Umgebung des Papstes, aber mit höheren Weihen, mehr Eigenständigkeit und breiteren Gestaltungsmöglichkeiten. Die Beförderung wäre damit auch ein Dementi zu Stimmen, die meinten, Gänswein sei durch die Vatileaks-Affäre beschädigt, weil er seinerzeit den päpstlichen Kammerdiener Paolo Gabriele nicht ausreichend kontrolliert habe.

Berufung wäre nicht ungewöhnlich

Die Berufung eines päpstlichen Privatsekretärs an die Spitze der Präfektur ist nicht ungewöhnlich. Auch Johannes Paul II. erhob seinen Sekretär Stanislaw Dziwisz 1998 in den Bischofsrang - und machte ihn gleichzeitig zum Beigeordneten Präfekten des Päpstlichen Hauses. Diese Berufung sollte eine noch engere Verzahnung zwischen dem persönlichen Büro des Papstes und der Präfektur sicherstellen. Denn beide Stellen wachen über den Terminkalender des Papstes - freilich unter unterschiedlichen Gesichtspunkten.

Unklar scheint im Moment freilich, ob Gänswein für den Fall einer Beförderung beide Ämter in Personalunion wahrnähme, was von der Arbeitsfülle her fast undenkbar erscheint. Oder ob der Papst einen neuen Präfekten ernennt - immer wieder wurde in den vergangenen Tagen der Bosno-Kanadier Petar Rajic (53) genannt - dem Gänswein dann als Beigeordneter Präfekt zur Seite gestellt würde. Vielleicht beruft Benedikt XVI. aber auch einen neuen Sekretär, oder er stuft seinen zweiten Sekretär (den Malteser Alfred Xuereb, 53) hoch.

Sicher ist, dass dieser dann wie gewohnt eng mit dem Präfekten des Päpstlichen Hauses zusammenarbeitet.

Von Johannes Schidelko

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